Weitergabe von Oldtimer-Fachwissen Wer hilft beim Restaurieren eines Röhr Junior?

Aktualisiert am 13.08.2025 Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 2 min Lesedauer

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In Südhessen wird ein Restaurierungsprojekt geplant, an dem auch Kfz-Lehrlinge und Studenten teilhaben sollen. Die Initiatoren suchen noch Unterstützer, und das in handwerklicher, organisatorischer und finanzieller Hinsicht.

Röhr Junior, Fahrgestellnummer 10294, gebaut 1933 in Ober-Ramstadt. Der Hersteller der Limousinenkarosserie muss noch recherchiert werden.(Bild:  Werner Schollenberger)
Röhr Junior, Fahrgestellnummer 10294, gebaut 1933 in Ober-Ramstadt. Der Hersteller der Limousinenkarosserie muss noch recherchiert werden.
(Bild: Werner Schollenberger)

Zu den verblichenen Automarken, an die sich heute kaum noch jemand erinnert, gehört auch Röhr. Autos mit diesem Namen entstanden von 1927 bis 1935 im südhessischen Ober-Ramstadt, zunächst bei der Röhr Auto AG, nach einer Insolvenz im Jahr 1930 beim Nachfolgeunternehmen Neue Röhr Werke AG. Ursprünglicher Firmengründer und Namensgeber war Hans Gustav Röhr.

Gebaut wurde zunächst der Röhr 8 mit Reihenachtzylindermotor, hinterer Pendelachse und sehr langem Radstand – ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse. 1933 stellte man einen Kleinwagen vor: Der Röhr Junior entstand unter Lizenznahme des Tatra 75 und wurde nach der finalen Insolvenz von Röhr bei Stoewer in Stettin als Greif Junior bis 1939 weitergebaut.

Ein solcher Röhr Junior, Baujahr 1933, soll nun restauriert werden. Das Fahrzeug, zugelassen zuletzt in den Niederlanden, ist bereits gekauft. Seine Restaurierung ist ein Projekt des Landkreises Darmstadt-Dieburg, der Stadt Ober-Ramstadt und des ortsansässigen Autozulieferers Baier & Michels. Als Initiatoren und Berater fungieren Prof. Dr. Ingo Köhler vom Hessischen Wirtschaftsarchiv in Darmstadt und Werner Schollenberger von der Automobilhistorischen Gesellschaft (AHG).

Sensibilisierung und Qualifizierung junger Menschen

Den Initiatoren zufolge soll der Röhr Junior gemeinsam mit Kfz-Mechatroniker- und Karosseriebauer-Lehrlingen sowie Studenten restauriert werden. Die Leitbegriffe lauten Sensibilisierung und Qualifizierung. Wörtlich: „Im Restaurierungsprozess lernen die jugendlichen Projektbeteiligten die handwerklich-industriellen Abläufe kennen, die vor rund 90 Jahren in der Automobilfertigung zur Anwendung kamen. Die Arbeit wird durch einen Fachhistoriker begleitet, der mit den Jugendlichen die historischen Hintergründe der Automobilfertigung in unserer Region erarbeitet. Praxis, Forschung und aktive Bildungsarbeit können auf diese Weise ideal verbunden werden.“

Gesucht werden Projektunterstützer – in handwerklicher, organisatorischer und finanzieller Hinsicht. Konkret sucht man nach Räumlichkeiten für die Restaurierung, möglichst in der Region Südhessen/Odenwald, notfalls auch andernorts. Denkbar ist die Beteiligung von Berufs- und Hochschulen, Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern. Nicht zuletzt geht es um die Finanzierung des Vorhabens. Interessenten können Werner Schollenberger direkt kontaktieren: schollenberger13@t-online.de.

Wer heute ein Auto der Marke Röhr sehen will, sollte das Verkehrsmuseum in Dresden oder das Heimatmuseum in Ober-Ramstadt besuchen. 2022 kamen im Rahmen der Classic-Gala Schwetzingen 14 Röhr zusammen – knapp die Hälfte des noch existenten Bestands. Und der wird sich weiter verkleinern, wie Werner Schollenberger befürchtet: „Bislang hat sich die Gruppe der Röhr-Besitzer untereinander ausgetauscht und ihre Raritäten erhalten. Nun aber steht ein Schreckgespenst namens Generationswechsel vor der Tür. Die mit Herzblut aufgebauten Sammlungen drohen durch meist uninteressierte Erben in alle Welt verkauft und damit der Region entzogen zu werden. Beispiele von Abgaben in die USA, den Nahen Osten oder Russland dokumentieren diese Gefahr. Mit dem Restaurierungsprojekt wollen wir dieser Tendenz entgegentreten und die technischen Raritäten aktiv für die Region und ihre Menschen bewahren.“

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