Auf Basis des Nachfolgers der A110 baut Alpine eine ganze Familie elektrischer Sportwagen. Sie sollen leicht sein, auf der Rennstrecke funktionieren und vielleicht doch noch nach Benzin riechen.
Die Renault-Tochter hat eine neue Markenstrategie vorgestellt
(Bild: Alpine)
Ein Elektro-Sportwagen unter 1.500 Kilogramm, ausgelegt für schnelle Runden auf der Nordschleife und mit einem Klang, der nicht aus Lautsprechern kommt, sondern vom Antrieb selbst: Die Ingenieure von Alpine haben sich für die nächste Generation der Alpine A110 einiges vorgenommen. Offiziell setzt die Marke konsequent auf Elektroantrieb. „Mit kleinen Anpassungen kann die neue Plattform auch einen Verbrennungsmotor mit Getriebe und Tank aufnehmen“, sagt Alpine-Chef Philippe Krief. Konkret geplant sei das zwar nicht. Doch bei Bedarf sei man darauf vorbereitet. So lassen sich die Franzosen eine Hintertür für Märkte, in denen Sportwagen noch immer nach Benzin riechen müssen.
Die französische Tochter der Renault Group will das neue Modell zu einer ganzen Sportwagenfamilie ausbauen. Für Ende 2027 sind ein Coupé und ein offener Spider geplant. 2028 sollen ein größerer 2+2-Sportwagen sowie eine zweite offene Variante folgen. Alle basieren auf der neuen Alpine Performance-Plattform, kurz APP. Auf dieser Architektur sind laut Krief 95 Prozent der Teile neu. Sie wurde speziell für leichte Elektro-Sportwagen entwickelt und soll mehrere Karosserievarianten tragen. Produziert werden die Modelle weiterhin im Werk Dieppe, der historischen Heimat der Marke.
Laut Krief ist das wichtigste Ziel allerdings ein anderes. „Jeder kann einen 500 oder 600 PS starken Zweisitzer bauen. Aber das mit weniger als 1.500 Kilogramm und der richtigen Agilität zu schaffen, ist eine andere Geschichte.“ Alpine wolle beweisen, dass ein Elektro-Sportwagen nicht automatisch schwer sein muss, trotz Batterie und verstärkter Karosserie. Zum Vergleich: Die aktuelle A110 wiegt je nach Version rund 400 Kilogramm weniger. Zaubern können auch die Franzosen nicht. Zumal die Plattform von Anfang an auch die strengeren US-Crashvorschriften erfüllen muss. Trotzdem: 1.500 Kilogramm wären für einen Stromer außergewöhnlich wenig.
Der Anspruch erinnert an die Strategie von Lotus. Auch die Briten wollen mit elektrischen Sportwagen ihre Leichtbau-DNA in die Zukunft retten. Allerdings denkt Lotus inzwischen wieder laut über leistungsstarke Verbrenner nach, in der Branche wird sogar wieder über V8-Motoren diskutiert. Modelle wie der Lotus Emira zeigen jedoch, dass klassische Sportwagen mit Mittelmotor weiterhin gefragt sind. Alpine versucht dagegen, diese Rolle mit einem möglichst leichten Elektroantrieb zu besetzen.
Akku mit Cell-to-body-Konzept
Entsprechend ungewöhnlich ist die Auslegung des Antriebs. Die Kapazität der Batterie wird sich nicht in erster Linie an der Reichweite orientieren, sondern an der Rennstreckenleistung. Der Wagen soll mindestens drei schnelle Runden auf der Nürburgring-Nordschleife schaffen. Als Reichweite im normalen Fahrbetrieb peilt Alpine dennoch über 550 Kilometer an. Der größere 2+2-Sportwagen soll sogar über 600 Kilometer schaffen.
Den Unterschied erklärt der Markenchef mit der Bauweise des Sportwagens: „Die meisten Hersteller packen die Batterie wie ein Skateboard ins Auto. Bei diesem sehr sportlichen Zweisitzer können wir das nicht.“ Stattdessen werden die Zellen im Fahrzeug verteilt (Cell-to-body), damit Sitzposition, Schwerpunkt und Proportionen zu einem klassischen Sportwagen passen. Bei den längeren 2+2-Versionen ist dagegen Platz für einen größeren Akku im Boden.
Motorgeräusche vom E-Antrieb
Zum emotionalen Gesamtbild gehört für Alpine auch der Klang. Während Elektroautos künstliche Soundkulissen in der Regel über Lautsprecher erzeugen, soll der Ton bei Alpine direkt vom Antrieb kommen und gezielt verstärkt werden. „Sound gehört zur DNA der Marke“, sagt Krief. Ein Sportwagen müsse auch elektrisch emotional wirken.
Dabei spielt laut CEO Krief Software eine immer größere Rolle. „Die Zeit, in der man ein Straßenauto allein über Fahrwerk und Mechanik abstimmen konnte, ist vorbei“, sagt Krief. Elektronische Regelungssysteme und intelligente Steuerung der Antriebe werden künftig entscheidend dafür sein, wie sich ein Sportwagen anfühlt.
Alpine geht auf neue Märkte – USA im Blick
Doch Alpine soll künftig mehr sein als nur eine kleine Sportwagenmarke. Innerhalb des Konzerns wird die Marke zunehmend zum Zentrum für Performance-Technologie. Ein Beispiel dafür ist der Renault 5 Turbo 3E. Der extrem breite Elektro-Sportler mit Radnabenmotoren, 800-Volt-Technik, 270 km/h schnell und bis zu 555 PS stark, wurde maßgeblich bei Alpine entwickelt. Als Neuauflage der Ikone aus den 1980ern fährt er jedoch mit der Raute auf der Haube.
Stand: 08.12.2025
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In Dieppe denkt man bei der neuen A110-Familie nicht nur an europäische Enthusiasten. Strategisch spielen vor allem neue Märkte eine Rolle. Die USA etwa. Dort werden Schätzungen zufolge rund die Hälfte der weltweit etwa 350.000 Sportwagen pro Jahr gekauft. Auf Europa, wo Alpine seine Fahrzeuge bisher ausschließlich absetzt, entfällt nur etwa ein Viertel des Marktes. Mit einem Markteintritt in Nordamerika würde sich das Absatzpotential also praktisch verdoppeln.
Nur stehen die Amerikaner noch stärker auf klassische Sportwagen mit Verbrennungsmotor wie den Porsche 911 oder die Chevrolet Corvette. Die technische Hintertür der neuen Plattform könnte der Marke also den Weg über den Großen Teich ebnen.