Sie sind Brandstifter, die brave Marken begehrenswerter machen. Auf der IAA 1965 ergänzte Kleinwagenspezialist NSU den Erfolgstyp Prinz um den giftigen TT, der sogar Alpine-Piloten in Schrecken versetzte. Der TT wurde Legende, die Audi mit TT- Sportwagen wiederbelebte. Jetzt wollen die Ingolstädter die Fans mit einem neuem TT elektrisieren.
TT wie Tourist Trophy: Der NSU TT erinnert an historische Siege beim berühmt-berüchtigten Motorradrennen auf der Isle of Man, und der Audi TT an den NSU TT.
(Bild: autodrom)
Gäbe es nicht den giftigen Heckmotor-Kleinwagen TT und die futuristische Wankel-Limousine Ro 80, wäre die 1969 mit Audi fusionierte Marke NSU längst vergessen. Zum ersten Kultauto des einst weltgrößten Motorradherstellers NSU avancierte auf der IAA 1965 der furios-schnelle Prinz TT, dessen Typenschriftzug mit karierter Zielflagge an die Tourist Trophy auf der Isle of Man erinnerte. Elf Jahre zuvor hatte NSU dieses härteste Motorradrennen der Welt als Vierfachsieger beendet, und nun machte der kompakte Prinz TT mit hochgestellter Heckklappe und aggressivem Auspuffsound auf Straße wie Strecke Jagd auf Alpine- und Abarth-Sportwagen, zeigte aber auch BMW-Piloten seine sechs runden Rückleuchten.
Mit diesem Kraftzwerg schrieb NSU Kulturgeschichte, der schnelle Rücken der oft Targa-Orange lackierten TT sorgte in TV-Krimis von Tatort bis Derrick für Adrenalinschübe und schmückt bis heute Autoscooter-Fahrzeuge auf der Dorfkirmes. Anfang 1972 rangierte der über Audi und NSU herrschende VW-Konzern den TT dennoch aus – zur Enttäuschung aller Fans. Aber 1995 feierte der Typencode ein Revival. Diesmal waren es Audi-Strategen, die mit der Erinnerung an Tourist-Trophy-Erfolge Emotionen wecken wollten. Audi-Designchef Peter Schreyer hatte ein Show Car in provozierende Sportwagenformen gebracht – keine drei Jahre später starteten die Ingolstädter mit dem in Serie gebauten Audi TT in eine neue Designära. Audi auf Augenhöhe oder schon vor BMW und Mercedes, das war erstmals die Frage.
Tief in der Historienkiste gekramt
Alles neu und „radikal einfach“, mit diesem Design soll 2025 das Audi Concept C Endorphine beschleunigen: Ein schöner Ausblick auf den nächsten TT. Sehnsüchte wecken, nach Erfolgen früherer Jahre und nach einer schnellen neuen Sportwagen-Welt, das ist die Mission des Audi Concept C, der auf der IAA 2025 in mattsilberner Lackierung und mit einem schrägen Rücken Designmerkmale des bis vor zwei Jahren gebauten Audi TT aufgriff. Eine Heckscheibe fehlt, stattdessen sitzt eine Kamera in einer von drei Kiemen, die an den Silberpfeil-Rennwagen Auto Union Typ C aus den 1930er Jahren erinnern sollen – damals als Audi-Vorgänger DKW erstmals bei der Tourist Trophy triumphierte.
Nicht zu vergessen das bei der Audi-Concept-C-Premiere allgegenwärtige Markencredo „Vorsprung durch Technik“, kreiert von NSU zu Zeiten des Ro 80 und eben des TT. Zwei Kulttypen, die beide vom legendären Designer Claus Luthe in begehrenswerte Formen gebracht wurden und die unter dem Blech mit kühnen Motoren überraschten, die Schlagzeilen machten. NSU TT und Mut? Aber ja doch, der 1,0-Liter-Heckmotor-Vierzylinder machte aus dem kräftigsten Mitglied der Prinzen-Garde einen König der Landstraße und Rennpiste.
Ein Auto, leichter als so manche Batterie heute
Mit aus heutiger Sicht minimalistischen 40 kW/55 PS spurtete der 640 Kilo leichte (zum Vergleich: ein aktueller Mini Cooper wiegt 1.000 Kilo mehr) NSU TT in knapp 14 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis zu einer Vmax von 150 km/h. Nicht einmal der viertürige Neue-Klasse-Businessjet BMW 1600 war flotter, erforderte aber ein 60 Prozent höheres Investment als der mit 6.250 Mark eingepreiste NSU. Auch das Duo Austin/Morris Mini Cooper kostete gut 25 Prozent mehr als der Neckarsulmer Kraftzwerg, zu dessen Freie-Bahn-jetzt-komm-ich-Erkennungszeichen die auffälligen Doppelscheinwerfer zählten.
Aber auch die damals im Kleinwagensegment spektakuläre, serienmäßige Metalliclackierung Gemini-Blau machte den TT zum Hingucker – bis 1967 der auf 48 kW/65 PS erstarkte 1200 TT im neuen Targa-Orange leuchtete. Auch wenn es den 1200 TT alternativ in der Undercover-Farbe Gletscher-Weiß, in Silber-Metallic und in frechem Alfa-Rot gab: Geschichte schrieb allein Targa-Orange, wie es zeitgleich den Wankel-Wagen Ro 80 auszeichnete. Avancierte doch Orange damals zum Kennzeichen der schnellsten deutschen Sportler, gleich ob als Porsche 911 in Blut-Orange, als BMW 2002 in Inka oder als Mercedes C-111-Flügeltürer in „Weißherbst“-Orange.
Am Berg und beim Slalom kaum zu schlagen
Ab 1967 wussten auch die Fahrer von Porsche 912, Alpine A110 1300 oder Abarth 850 TC Corsa, was die Stunde geschlagen hatte, wenn im Rückspiegel die Doppelstrahler eines NSU mit markantem Ölkühler auftauchten: Das musste der TTS sein, mit 51 kW/70 PS für noch schnellere Ritte im Grenzbereich. Letzte Zweifel der Überholten am Typencode räumten die auffälligen TT/TTS-Embleme inklusive karierter Rennflagge oberhalb der Rückleuchten aus. Nicht zu vergessen die stets hochgestellten hinteren Motorhauben, die wie Heckspoiler wirkten. Nach der Fusion von NSU mit Audi im Jahr 1969 waren die Jahre der Heckmotor-Kleinwagen jedoch gezählt. Ein moderner Frontmotor-Mini namens Audi 50 sollte die Prinzenfamilie ersetzen, die sich deshalb 1972 in den Ruhestand verabschiedete. Aber bekanntlich geht man niemals so ganz: So fuhren die NSU-TT-Rennwagen noch geraume Zeit Erfolge ein, etwa als 96 kW/130 PS starker Jägermeister-Racer, der 1974 den „Deutschen Bergpokal“ gewann.
Stand: 08.12.2025
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Vor genau 30 Jahren feierte das TT-Signet ein Comeback im Zeichen der Ringe: Der Amerikaner Freeman Thomas entwarf unter Peter Schreyer ein Coupé-Showcar in unverwechselbarer Silhouette. Statt „Zuma“ oder „Alpensieger“, wie von einigen Audi-Kreativen gewünscht, adelten die Ingolstädter den kompakten Herausforderer von BMW Z3 oder Porsche Boxster mit dem TT-Schild. „Bringt dieses Auto in Serie – aber bitte exakt so!“, sollen die Kunden laut Audi gefordert haben. Tatsächlich ging aus dem Showcar nur drei Jahre später ein Serien-Sportler hervor, wenn auch mit kleinen Anpassungen. So zeigte das Coupé nun ein hinteres Seitenfenster, das die Linie des in rundlichen Bauhausformen konturierten Sportlers streckte. Gebaut wurde der Audi TT in Ingolstadt, die Endmontage erfolgte aber im ungarischen Györ, ab 1999 auch als rassiger Roadster. So wie der vormalige Kleinwagenhersteller NSU durch den TT begehrenswert wurde, pushten die TT-Sportwagen Audis Aufstieg in den Club der größten Premiumanbieter.
Der TT der dritten Generation
Das verführerisch schöne Fastback des bis 250 km/h flotten TT zeigte sich anfangs auch von einer gefährlichen Seite: Ungeübte TT-Piloten konnten Probleme mit der Fahrstabilität des Pulsbeschleunigers bekommen. Eine Krise, die Erinnerungen an die kurz zuvor im Elchtest gescheiterte Mercedes A-Klasse aufkommen ließ. Audi reagierte rasch: Mit ESP und nachgerüstetem Heckspoiler war das Thema Vergangenheit, und der optional mit Allrad erhältliche TT erzielte beeindruckende Absatzerfolge. Die zweite TT-Generation folgte deshalb erst 2006, dies im evolutionären Design des Starcouturiers Walter de Silva.
Einen Meilenstein setzte der TT 2.0 TDI quattro im Jahr 2008: Als erster Seriensportler mit Dieselantrieb. Wichtiger war den Fans jedoch Leistung, und so verankerte der Audi TT RS mit bis 265 kW/360 PS starkem Fünfzylinder den Sportwagen unter den flottesten Spaßmachern. Dies galt auch für die 2014 eingeführte dritte Auflage des Audi TT, die Ende 2023 auslief. Ist die Geschichte des Audi TT nach 663.000 Einheiten zu Ende erzählt? Nein, zeigt das neue Concept C, das bekannte TT-Elemente in minimalistisches Design verpackt. Wir dürfen gespannt sein.
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