TV-Serie Amalfi CS 1800: So schlecht waren Autos in den 70ern

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Vor 50 Jahren war er der Negativ-Star der TV-Serie „PS – Geschichten ums Auto“. Schließlich verkörperte das fiktive Modell der ebenso fiktiven Marke Atlantis die Qualität damaliger Pkw. Und die brachte Halter wie Werkstätten vielfach zur Verzweiflung – Stoff für eine schaurig-schöne Komödie.

Als Kind faszinierte ihn die Serie und erst Recht das Auto: Zum 50-jährigen Jubiläum der Erstausstrahlung präsentiert Ronald Genßler seinen Amalfi demnächst im PS.Speicher.(Bild:  Genßler)
Als Kind faszinierte ihn die Serie und erst Recht das Auto: Zum 50-jährigen Jubiläum der Erstausstrahlung präsentiert Ronald Genßler seinen Amalfi demnächst im PS.Speicher.
(Bild: Genßler)

Bekanntlich sind die Geschichten die besten, die das Leben schreibt. So auch Anfang der 70er-Jahre, als die Idee zur Fernsehkomödie „PS – Geschichten ums Auto“ entstand. Rückblende: Die Zeit der einst soliden und zuverlässigen Nachkriegs-Autos war vorbei. Die Zeit, als die Stärke von Karosserieblech noch 1,-irgendwas und nicht 0,-irgendwas betrug. Die Zeit, als Qualität noch selbstverständlicher Anspruch eines jeden Automobilbauers war und nicht kostspieliges Übel. Entsprechend schlecht war vieles zu jener Zeit, das nicht nur von ausländischen, sondern genauso auch von inländischen Fließbändern rollte. Und so verwundert es auch nicht, dass diese Tatsache nicht nur Thema im geschäftlichen, sondern ebenso im privaten Umfeld vieler Deutscher war. Grund genug für das Erste Deutsche Fernsehen, sich der Sache anzunehmen und besagte Serie zu drehen. Dabei geht es neben einem dauerdefekten Wagen unter anderem um Intrigen am Arbeitsplatz, Ärger mit Autoversicherungen und Existenzängste.

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Zu Beginn der Serie, die aus vier Staffeln besteht, dreht sich alles um das fiktive Autohaus Neubert und dessen Kunden, das gleich vier verschiedene Autohersteller vertritt: BMW, Citroën, Fiat und die fiktive Marke der Atlantiswerke aus Hochheim am Main. Die haben sich die Fernsehmacher extra einfallen lassen. Denn zu groß war ihre Angst vor den Autokonzernen, hätten sie eine echte Marke bzw. ein echtes Modell genommen und dieses in ihrer Serie, stellvertretend für viele der Branche, vor einem Millionenpublikum ans Kreuz genagelt. Ergo schufen sie mit Atlantis eine fiktive Marke und mit dem Amalfi 1800 CS auch ein entsprechend fiktives Modell.

Wie ein Fiat zum Amalfi mutierte

Um das Modell auch entsprechend in Szene setzen zu können, ließ die ARD einen Amalfi CS 1800 bauen. Diesen Bau übernahm Günter Köppen, ein Fiat-Händler mit angeschlossener Automobilwerkstatt aus der schleswig-holsteinischen Stadt Tornesch. Als Basis diente dem Kfz-ler ein Fiat 132 der ersten Serie, der bei Köppen als Vorführwagen stand und mit dem Erscheinen der zweiten Serie der Baureihe eh relativ schwer verkaufbar war. Der Wagen wurde umfangreich modifiziert mit dem Ziel, ihn so weit zu verfremden, dass das Basisfahrzeug nicht mehr ohne Weiteres erkennbar war. Die Umbauten führte Günter Köppen 1974 durch und machten den Amalfi am Ende 30.000 DM teuer, was ungefähr dem Gegenwert eines Mercedes-Benz 350 SE entsprach. Wer sich für Einzelheiten des Umbaus interessiert, dem sei Heft 11/2022 der „Oldtimermarkt“ empfohlen. Unter dem Titel „Amalfi – das Grauen kehrt zurück“ schildert Autor Wolfgang Blaube detailliert die Geschichte des gelben Montagsautos.

Diese endete bereits 1983. Nach dem Ende der Fernsehserie ging der Amalfi durch eine Reihe privater Hände, unter anderem wurde er 1980 zum Hauptgewinn eines Preisausschreibens der Zeitschrift Funk Uhr. Im Sommer 1982 erlitt das Auto in Seligenstadt einen Brandschaden und wurde, nachdem Restaurierungsversuche gescheitert waren, 1983 bei einem Schrotthändler in Offenbach vernichtet. Doch mit dieser Tatsache gab sich der Maschinenbauingenieur und Oldtimer-Enthusiast Ronald Genßler nicht zufrieden: In einem jahrelangen Projekt hat er den Amalfi CS 1800 aus unterschiedlichsten Originalteilen nachgebaut – mit außergewöhnlichem technischem Können und einem feinen Gespür für historische Authentizität und Humor.

Den Erbauer einmal persönlich treffen

Das Ergebnis ist ein fahrbereites Unikat, das exakt dem fiktiven Original nachempfunden ist. Seinen Nachbau hat Genßler in stilechtem 70er-Jahre-Outfit erstmals auf der Bremen Classic Motorshow 2023 einem breiten Publikum vorgestellt. Sogar auf der Classic-Gala Schwetzingen präsentierte er ihn und wurde dort mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Wer sich selbst einmal ein Bild vom bunten Potpourri des Fiat 132 mit BMW-, Mercedes- und VW-Teilen machen möchte, dem bietet der PS.Speicher demnächst die Gelegenheit dazu, genauer gesagt die Förderfreunde des bekannten Fahrzeugmuseums. Am 4. Juli laden diese Interessierte zum Auftakt der Einbecker Oldtimertage zu einer Zeitreise in die automobile Fernsehgeschichte ein.

Dabei wird Ronald Genßler das Publikum durch die Geschichte seines Amalfi-Nachbaus führen, zahlreiche Anekdoten aus seiner Restaurierungsarbeit zum Besten geben und deutlich machen, mit welcher Hingabe dieses Fahrzeug entstanden ist. Der Eintritt beträgt 10 Euro und weitere Informationen gibt es unter www.ps-speicher.de/foerderfreunde.

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