Motorsport-Jubiläum Brembo: Wer später bremst, ist länger schnell

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Vom Debüt in der Formel 1 mit Ferrari bis hin zu historischen Siegen in der MotoGP und in Le Mans – der italienische Bremsenhersteller feiert ein halbes Jahrhundert technische und sportliche Leistungen in den renommiertesten Wettbewerben der Welt.

Vor 50 Jahren: Brembo stieg in die Formel 1 ein. Die Bremsscheiben, die aus Gusseisen gefertigt waren, verfügten im Vergleich zu den damals von anderen Herstellern verwendeten Materialien über eine bessere Wärmeableitung und Haltbarkeit.(Bild:  Brembo)
Vor 50 Jahren: Brembo stieg in die Formel 1 ein. Die Bremsscheiben, die aus Gusseisen gefertigt waren, verfügten im Vergleich zu den damals von anderen Herstellern verwendeten Materialien über eine bessere Wärmeableitung und Haltbarkeit.
(Bild: Brembo)

1975 war das entscheidende Jahr: Brembo liefert seine ersten Gusseisen-Bremsscheiben in der Formel 1 an die Scuderia Ferrari. In diesem Jahr holte Niki Lauda im 312 T nach elf Jahren den Gewinn der Meisterschaft zurück nach Maranello. 1976 stieg das Unternehmen auch in den Zweiradrennsport ein, als Lieferant von Bremssätteln für das Suzuki-Gallina-Team, das bereits 1978 das erste Rennen in der 500-ccm-Klasse, der späteren MotoGP, gewann. In den 80er-Jahren führte Brembo den ersten 4-Kolben-Radialbremssattel in der Formel 1 ein und erhielt sein erstes Patent für seinen Radial-Bremszylinder in der 500-ccm-Klasse. Zudem nahmen Fahrzeuge mit Brembo-Komponenten an zahlreichen renommierten Motorsportmeisterschaften teil, wie der WSBK im Jahr 1988 sowie den 24 Stunden von Le Mans und Indycar im Jahr 1989.

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In den 90er-Jahren setzten die Brembo-Ingenieure die Entwicklung neuartiger Technologien fort. Für Motorräder entwarf Brembo den ersten Monoblock-Bremssattel aus einem einzigen Aluminiumblock für das Honda-Team in der 500-ccm-Klasse und entwickelte eine daumengesteuerte Hinterradbremspumpe, die speziell für den Champion Mick Doohan konzipiert war und später von vielen anderen namhaften Fahrern eingesetzt wurde. Von 1995 an war Brembo die Nummer eins in der Szene, war in sämtlichen Bikes verbaut, die die Rennen in der 500er-Klasse gewannen, und später auch in der MotoGP. Ende des Jahrzehnts führte Brembo schließlich die ersten Carbon-Bremsscheiben in der Formel 1 ein.

Bis 2024 über 700 Weltmeistertitel mit Brembo

Im neuen Jahrtausend war das Unternehmen bei Rennsportwettbewerben wie der Motocross- und der Enduro-Weltmeisterschaft mit von der Partie und führte 2014 das sogenannte „Brake by Wire“ in der Formel 1 ein. Darüber hinaus wurde Brembo 2011 zum Alleinlieferanten für Indycar, 2016 zum Ausrüster aller MotoGP-Teams und 2022 zum Lieferanten von Bremssätteln für alle zehn Formel-1-Teams, von denen neun von Brembo und einer von AP Racing, einem in Großbritannien ansässigen Unternehmen, das zur Brembo-Gruppe gehört, ausgestattet werden. In den Jahren 2018 und 2019 war Brembo alleiniger Lieferant von Bremssystemen für die beiden wichtigsten elektrischen Motorsportmeisterschaften, die Formel E und die Moto E. 2024 feierte das Unternehmen eine Siegesserie mit über 700 gewonnenen Weltmeistertiteln in den wichtigsten Wettbewerben.

Im Laufe der Jahre hat Brembo zahlreiche Rennfahrer und Teams zu ihren Erfolgen begleitet. Zu den vielen „Premieren“ gehören der 15. Mai 2016, als Max Verstappen der jüngste Sieger eines Formel-1-Grand-Prix mit Brembo-Bremsen wurde, und der 21. April 2013, als Marc Márquez seinen ersten Moto-GP-Sieg auf einem Motorrad, das mit Bremsen von Brembo ausgerüstet war, errang. Rückblickend ist Valentino Rossi zu erwähnen, der neun Weltmeisterschaften, alle mit Brembo-Bremssystemen, gewann, während Michael Schumacher im Oktober 2000 den Formel-1-Weltmeistertitel nach 21 Jahren wieder zu Ferrari zurückbrachte und dabei ausschließlich auf Brembo-Bremskomponenten vertraute. Angefangen bei den sechs aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften von Jonathan Rea in der World SBK über die neun Siege von Tony Cairoli im Motocross bis hin zu den beiden aufeinanderfolgenden Erfolgen in der Hypercar-Kategorie bei den 24 Stunden von Le Mans in den Jahren 2023 und 2024: Brembo unterstützt auch künftig die Fahrzeughersteller in zahlreichen Zwei- und Vierrad-Motorsportwettbewerben.

Weil ein englischer Laster umfiel

Die Geschichte von Brembo begann 1961 in einer kleinen Werkstatt in Bergamo, Italien. Die gründeten Emilio Bombassei und Italo Breda, die ihre Nachnamen kombinierten, um den Firmennamen „Brembo“ zu kreieren. Zunächst konzentrierten sich die beiden auf die Herstellung von Automobilkomponenten, aber es dauerte nicht lange, bis das Unternehmen seine wahre Berufung in der Welt der Bremssysteme fand. Und das kam so...

1964 stürzte ein Lastwagen mit Bremsscheiben für Alfa Romeo aus dem Vereinigten Königreich um, wodurch die Lieferung beschädigt wurde. Brembo wurde damit beauftragt, die beschädigten Scheiben zu reparieren. Aber das Unternehmen erkannte, dass es diese auch gleich neu herstellen konnte und schlug genau das Alfa Romeo vor. Und schon produzierte Brembo die ersten italienischen Bremsscheiben für den Ersatzteilmarkt. Schon bald wurde die Produktpalette um weitere Komponenten des Bremssystems ergänzt. Die 1970er Jahre waren für Brembo ein Jahrzehnt voller spannender Herausforderungen. Das Unternehmen erschloss neue Märkte und entwickelte sein erstes Bremssystem für Motorräder. 1972 begann Brembo mit der Lieferung seines ersten kompletten Bremssystems an Moto Guzzi. Der Durchbruch als Motorsportzulieferer kam 1975, als Enzo Ferrari Brembo für seine Formel-1-Wagen auswählte.

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Globaler Marktführer mit italienischen Wurzeln

Brembo kann nicht nur auf eine Geschichte sportlicher Triumphe zurückblicken, sondern ist auch zu einer globalen Unternehmensgruppe gewachsen, der Unternehmen wie Marchesini, AP Racing, SBS Friction oder J.Juan angehören. Jüngst kam auch Öhlins dazu, ein führendes Unternehmen in der Rennsport-Fahrwerktechnik, in der Erstausrüstung und im Ersatzteilmarkt für Zwei- und Vierradfahrzeuge. Die Expansionsstrategie der Brembo-Gruppe hat im Laufe der Jahre dazu geführt, dass das Unternehmen heute eine Doppelrolle einnimmt: als Marktführer im Motorsport und gleichzeitig als „Solution Provider“ für alle Kunden und die ausgerüsteten Rennställe.

Brembo ist nach eigenen Anhaben weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung von Hochleistungs-Bremsanlagen und -komponenten für Automobil-, Motorrad- und Nutzfahrzeughersteller. Das 1961 in Italien gegründete Unternehmen beschäftigt über 16.000 Mitarbeiter in 15 Ländern, 32 Produktions- und Geschäftsstandorten, neun Forschungs- und Entwicklungszentren und erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro.

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