Das Kfz-Sachverständigen Forum 2026 hat seine Rolle als Pflichttermin erneut bestätigt. Noch mehr Teilnehmer als in den Jahren zuvor kamen zur zehnten Auflage und informierten sich über Stundenverrechnungssätze, den Umgang mit Regressforderungen und KI-Tools für die Schadenfeststellung.
Neuer Teilnehmerrekord: Das Kfz-Sachverständigen Forum hat auch 2026 bewiesen, dass es ein Pflichttermin ist.
(Bild: Stefan Bausewein)
Schon am Vorabend des gestrigen Kfz-Sachverständigen Forums wurde deutlich, dass man das Netzwerk braucht, um den permanent ändernden Anforderungen gerecht zu werden. Der DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann zeichnete in seinem Impuls deshalb auch ein herausforderndes Bild für das Sachverständigenwesen. Aber er ermutigte die Zuhörer auch sich als Marke zu etablieren. Das hebe sie ab. Und Nietzschmann betonte auch, dass Marke hier nichts mit Marketing zu tun hat. Der Sachverständige solle verlässlich für seine Kunden agieren, um so auch in Zukunft gefragt zu sein. Diese Empfehlungen wurden von einer Weinverkostung und Weinkellerbegehung im Würzburger Bürgerspital begleitet. Der richtige Rahmen für einen Erfahrungsaustausch.
Das Forum begrüßte dann am Folgemorgen über 500 Teilnehmer, die vor Ort oder digital zugeschalten waren. Ein neuer Rekord. Im Mittelpunkt des Eventtages standen die vielen Widrigkeiten, mit denen sich der Kfz-Sachverständige bei der Erstellung eines Unfallgutachtens auseinandersetzen muss.
Im Fokus standen dabei drei Oberthemen:
Die Stundenverrechnungssätze im Sachverständigengutachten
Einen wichtigen Impuls in den Tag gab Michael Wessels als BVSK-Präsident. Er thematisierte die aktuellen Entwicklungen um die Richtlinie VDI-MT 5900, die derzeit ihre Wirkung entfalte. Wer also nicht ausreichend qualifiziert ist, muss nachsitzen und hat dafür noch bis 31.01.2027 Zeit, beispielsweise über Zertifizierungen. Bei den Zertifizierern zeige sich deshalb derzeit eine hohe Nachfrage. Teilweise habe sich die Antragszahl verdreifacht. Gleichzeitig würde aber schon ein großer Teil der Interessenten die Vorprüfung der Zertifizierer nicht überstehen. Und auch die Durchfallquote sei stark nach oben gegangen.
Aber Wessels machte jenen Mut, die die Prüfungen noch vor sich haben: „Nicht bange machen lassen“, so der BVSK-Präsident. Gut vorbereitet, erreiche man auch die Zertifizierung. Gleichwohl machte er aber darauf aufmerksam, dass die Sachverständigen immer stärker in ihrer täglichen Arbeit auf dem Prüfstand stehen und deshalb eine hohe Qualität ihrer Arbeit gefragt ist: „Der Druck steigt, unsere Arbeit objektiv belegen zu können.“
Es folgten Ausführungen des Beraters Michael Zülch von der zülchconsulting GmbH. Er gab den Sachverständigen einen Einblick in die Stundenverrechnungssätze der K&L-Betriebe, mit denen sie zusammenarbeiten. Der Umgang des vereinbarten oder vorgegebenen Stundenverrechnungssatzes wird für Betriebe immer differenzierter und komplexer. Definition, Höhe und Rabatte unterscheiden sich je nach Schadensteuerer/Versicherung, Schadenart und Gewerken. Somit ist es laut Zülch notwendig und hilfreich, betriebswirtschaftlich den Überblick zu behalten, sowie alle Komponenten zur Berechnung zu kennen und zu berücksichtigen. Auf diese ging er in seinem Vortrag sehr detailliert ein. Transparent zeigte er die Berechnungsmethode und die Auswirkungen auf betriebswirtschaftliche Prozesse und Kundenstrukturen.
Jurist und Mit-Moderator des Forums, Jochen Pamer, übernahm hier im Anschluss die rechtliche Perspektive zum Stundenverrechnungssatz. Diese betriebswirtschaftlichen und juristischen Einschätzungen wurden danach auf dem Podium unter anderem mit ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm und BVSK-Präsident Michael Wessels diskutiert. Die Moderation hatte der ehemalige Chefredakteur der »Fahrzeug+Karosserie«, Konrad Wenz, inne.
Abgerundet wurde der Themenblock durch Patricio Da Silva, Geschäftsführer von DSR24, der über den Rechnungskauf referierte. Liquidität und Effizienz entscheiden laut Da Silva über die Wettbewerbsfähigkeit von Kfz-Sachverständigen. Doch wer seine Rechnungen noch selbst bearbeitet, bremst sich aus Sicht des Experten oft unnötig aus. Der Verkauf offener Forderungen, auch Factoring genannt, sei der smarte Weg, um schneller an Geld zu kommen. Auf Wunsch auch ganz ohne Ausfall-, Kürzungs- oder Regressrisiken.
Da Silva sieht im Factoring die Möglichkeit, Zeit, Nerven und bares Geld zu sparen. Der wesentliche Hebel: Die Auslagerung ist meist günstiger als eigene Mitarbeiter dafür einzusetzen. Auch steuerliche Vorteile führte der DSR24-Chef an.
Den ersten Vortrag zum zweiten Schwerpunkt des Tages übernahm Dr. Oliver Klein. Der Richter am Bundesgerichtshof zeigte nochmals die rechtlichen Grundlagen zu Abtretung und Regress auf. Insbesondere Regressklagen haben im vergangenen Jahr nochmals zugenommen. Jochen Pamer hielt deshalb der BGH-Theorie aktuelle Fälle entgegen. Die häufige Diskrepanz zwischen den wohl gemeinten Vorgaben des BGH und den Abweichungen an anderen Gerichten, führte auch zu Nachfragen aus dem Publikum. Das Thema ist derzeit im Arbeitsalltag der Sachverständigen sehr präsent.
Stand: 08.12.2025
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„KI ändert die Schlagzahl“, damit leitetet Thomas Kümmerle vom BVSK den Block Künstlichen Intelligenz ein. Der Jurist machte deutlich, das Künstliche Intelligenz zunehmend Einzug in die Regulierungspraxis vor allem auf Seiten der Versicherer hält. Damit erreichen sie zwangsläufig auch die Gerichte – meist als Grundlage für Kürzungen, Regresse oder als Argumentationshilfe im Prozess.
Der tatsächlichen Beweiswert KI-generierter Dokumente ist aber eben nicht eindeutig. Insbesondere automatisierte Prüfberichte ermöglichen massenhafte, scheinbar „objektive“ Vorwürfe gegenüber Sachverständigen und Werkstätten – oft ohne nachvollziehbare Datenbasis, weshalb sie trotz ihrer technischen Komplexität rechtlich weiterhin nur „urkundlich belegter Parteivortrag“ sind.
Einen sehr interaktiven Vortrag bot dann Sarah Maari von der DAT. Sie stellte die Anwendung Silvie vor. Es ist ein KI-gestütztes Werkzeug zur Schadenerfassung. Dies funktioniert per Spracheingabe, erstellt automatisch eine erste Reparaturkostenkalkulation und entlastet Fachkräfte, ohne ihre Expertise zu ersetzen. Silvie interpretiert auch undeutliche Sprachaufnahmen, leitet Bauteile und Reparaturanweisungen ab und funktioniert sowohl auf Smartphones als auch am Desktop. Um dies zu demonstrieren, ging Maari auch in den Dialog mit dem Tool und baute sowohl die Teilnehmer im Plenum als auch einen Freiwilligen auf der Bühne in ihre Vorführung ein.
Viel Aufmerksamkeit bekam auch Dr. Oliver Brockmann, der die EDR-Daten-Auslese von DiagFlight vorstellte. Mittels dieses Auslesetools bekommt der Sachverständige schnell und unkompliziert unfallrelevante Fahrzeugdaten aus dem EDR und anderen Steuergeräten. Ein EDR – Event Data Recorder – ist eine Softwarefunktion im Airbag-Steuergerät, die Daten rund um ein erkanntes Aufprallereignis (Event) aufzeichnet und dauerhaft sichert. Zudem speichert das Fahrzeug laufend Daten über die momentane Nutzung – wie schnell ist man unterwegs, dreht man gerade am Lenkrad, beschleunigt oder bremst man; auch das alles zeichnet das Fahrzeug auf. Brockmann betonte, das man mit DiagFlight all diese Daten standardisiert auslesen kann.
Für den runden Abschluss sorgte Arben Ndue von Solera. Deren KI-Tool stehe für Präzision durch Technologie. Auch Solera arbeitet an der permanenten Weiterentwicklung der professionelle Schadenkalkulationen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.
Seit dem Jahr 2017 veranstalten die Fachmedienmarken »Fahrzeug+Karosserie« und »kfz-betrieb« das Kfz-Sachverständigen Forum im Vogel Congress Center (VCC) in Würzburg. Das Branchenevent, das von den Sponsoren DAT, DSR24 und GTÜ sowie dem Kooperationspartner Autorechtaktuell unterstützt wird, ist auch für kommendes Jahr schon terminlich fixiert. Am 2. Februar 2027 lockt es wieder nach Würzburg. Buchen Sie schon jetzt. Als Frühbucher können Sie derzeit noch 30 Prozent sparen. Allerdings steht auch noch kein finales Programm.