Gefahren: Mazda 6e Der hat das Zeug zum Bestseller

Von Edgar Schmidt 6 min Lesedauer

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Lange hat Mazda gezögert, ein wettbewerbsfähiges E-Auto auf den Markt zu bringen. Nun hat sich das Warten gelohnt. Der neue Mazda 6e taugt durchaus dazu, in den Verkaufscharts einen der ersten Plätze zu belegen.

Die coupéhafte Karosserieform lässt den neuen Mazda 6e sehr dynamisch erscheinen. Natürlich gibt es den Wagen auch wieder im klassischen Mazda-Rot.(Bild:  Schmidt - VCG)
Die coupéhafte Karosserieform lässt den neuen Mazda 6e sehr dynamisch erscheinen. Natürlich gibt es den Wagen auch wieder im klassischen Mazda-Rot.
(Bild: Schmidt - VCG)

Mazda hat nun endlich ein echtes E-Auto im Programm. Klar, der Hersteller hatte mit dem MX 30 zwar bereits ein batterieelektrisch angetriebenes Modell, doch das war mit einer mageren WLTP-Reichweite von gerade einmal 200 Kilometern kaum konkurrenzfähig. Das ändert sich jetzt mit dem neuen Mazda 6e grundlegend. Denn dieser Wagen hat das Zeug, in der elektrisch angetriebenen Mittelklasse vorn dabei zu sein. Das hat gleich mehrere Gründe:

  • 1. Der Preis: Schon in der Grundausstattung „Takumi“ ist der Mazda 6e nahezu komplett ausgestattet. Und mit einem Basispreis von 44.900 Euro ist der Wagen ausstattungsbereinigt günstiger als seine Wettbewerber Hyundai Ionic 6 oder VW ID 7. Selbst in Vollausstattung mit der teuersten Lackierung und Anhängerkupplung steigt der Preis nur auf 51.050 Euro. Das ist in dieser Fahrzeugklasse eher selten anzutreffen.
  • 2. Die Optik: Natürlich ist Design Geschmacksache. Doch mit dem 6e ist den Mazda-Designern ohne Zweifel ein guter Wurf gelungen, der Vielen gefallen wird. Optisch fährt der 6e in der gehobenen Mittelklasse.
  • 3. Anmutung und Qualität: Nach ersten Testfahrten rund um Mazdas Europazentrale in Leverkusen lässt sich zwar noch keine Aussage über die Langzeitqualität des 6e machen, doch sowohl von außen als auch von innen wirkt der Wagen absolut hochwertig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.
  • 4. Alltagstauglichkeit: Beide Batterievarianten bieten ordentliche Reichweiten und auch der Verbrauch scheint sich in Grenzen zu halten. Zusätzlich zum Kofferraum bietet der Wagen unter der vorderen Haube einen 72-Liter-Frunk.
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Gute Serienausstattung

Schon beim Einsteigen in den Wagen fällt die hochwertige Verarbeitung auf. Hartplastik gibt es im Innenraum nur an Stellen, die man nicht besonders oft anfassen muss. Und auch dessen Optik sieht alles andere als billig aus. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Hier fühlt man sich auch auf langen Etappen wohl.

Mazda bietet den 6e in den zwei Ausstattungsvarianten – Takumi und Takumi Plus – sowie mit zwei Batteriegrößen an: Den Mazda 6e EV mit 68,8 kWh und den Mazda 6e Long Range mit 80 kWh. Für die ersten Testfahrten stand der Mazda 6e EV mit der höheren der beiden Ausstattungen, also Takumi Plus, zur Verfügung. Die unterscheidet sich von der Takumi-Ausstattung im Wesentlichen durch ein paar Elemente im Innenraum, zum Beispiel eine zweifarbige statt einer einfarbigen Gestaltung und ein elektrisch verstellbares Sonnenrollo anstelle eines (optionalen) manuell bedienbaren. Der Preisunterschied liegt bei 2.000 Euro.

Wichtige Ausstattungsdetails wie die Wärmepumpe, das Head-up-Display, das digitale 10,25-Zoll große Kombiinstrument und der 14,6-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole, das große Glasdach, die beheiz- und belüftbaren Vordersitze und die induktive Ladeschale mit Kühlfunktion für das Smartphone, sind bei beiden Varianten standardmäßig dabei. Genauso wie die 360°-Anzeige, die beim Rangieren und Einparken nicht nur das Auto von oben zeigt, sondern auch einen genauen Blick auf die Räder an beiden Fahrzeugseiten ermöglicht.

Auch das Sony-Soundsystem mit vierzehn Lautsprechern, zwei davon in der Kopfstütze des Fahrersitzes, ist immer serienmäßig an Bord. Das hat nicht nur einen hervorragenden Klang, sondern auch einen sogenannten Private Call Mode. Dieser blendet Anrufinformationen aus und überträgt den Ton aus Gründen der Diskretion nur über die beiden Lautsprecher in der Kopfstütze des Fahrersitzes.

Bedienung per Touchscreen

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Bedienkonzept, bei dem man viele Funktionen über den Touchscreen in der Mittelkonsole bedienen muss. So etwa auch den Scheibenwischer. Damit man diese Funktion bei Regen nicht immer erst umständlich mit langer Ablenkung ausführen muss, erlaubt das Bediensystem, oft genutzte Funktionen auf frei belegbare Tasten im Lenkrad legen zu können. Das Menü mit Kurzwahltasten am unteren Rand des Bildschirms kann man sich zudem ebenfalls sehr einfach individuell konfigurieren. Mazda betont, dass der 6e das Modell mit den umfangreichsten Bedien- und Konfigurationsmöglichkeiten ist, das die Japaner jemals auf den Markt gebracht haben.

So bietet das Modell etwa sechs vorkonfigurierte Fahrzeugmodi, die den Fahrern das Leben leichter machen sollen:

  • „Leaving Mode“: Wenn das Fahrzeug vorübergehend verlassen wird, sorgt der Leaving Mode für eine konstante Innenraumtemperatur für Passagiere, Haustiere oder Lebensmittel, die im Fahrzeug verbleiben. Auf dem Zentral-Display zeigt es dann die Information an, dass der Fahrer bald zurückkehren wird.
  • „Rest Mode“: Der Rest Mode bereitet das Fahrzeug auf eine mehrstündige Ruhepause vor, indem er die Sitzposition anpasst und die Außen- und Innenbeleuchtung ausschaltet.
  • „Relax Mode“: Der Relax Mode bereitet den Innenraum auf eine kurze Ruhepause vor, indem er die Sitzposition, die Klimaanlage, die Fenster, die Innenbeleuchtung und die Lautstärke des Audiosystems entsprechend den Voreinstellungen des Fahrers und der Mitfahrer anpasst. Es ist auch möglich, nach einer voreingestellten Zeit einen Weckruf auszulösen.
  • „Car Wash Mode“: Der Car Wash Mode hilft, Schäden an der Außenhaut und das Eindringen von Wasser beim Waschen des Fahrzeugs zu verhindern: Die Scheibenwischer-Automatik wird ausgeschaltet, die Seitenspiegel eingeklappt, der Heckspoiler eingefahren und die Fenster geschlossen.
  • „Private Call Mode“: Der Private Call Mode blendet Anrufinformationen aus und überträgt den Ton aus Gründen der Diskretion nur über die beiden Lautsprecher in der Kopfstütze des Fahrersitzes.
  • „Fresh Air Mode“: Der Fresh Air Mode öffnet das Fahrer-Seitenfenster und aktiviert den Luftreinigungsmodus.

Hier macht sich wahrscheinlich die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Changan am stärksten bemerkbar, in der das Modell entstanden ist. Dadurch werden auch die Verkäufer eine Menge Neues zu lernen haben, damit sie ihren Kunden das Bedienkonzept und die Funktionen erläutern können.

Stark unterschiedliche Ladezeiten

Größere Unterschiede gibt es bei den beiden Batterievarianten. Die 68,8 kWh große LFP-Batterie soll eine WLTP-Reichweite von 479 Kilometern ermöglichen, die 80 kWh-NMC-Batterie mit 552 Kilometern 73 Kilometer mehr. Soweit, so gut. Da die Verbräuche auf den ersten Testrunden immer unter dem WLTP-Verbrauch von 16,6 bzw. 16,5 kWh pro 100 Kilometer lagen, kann man erwarten, dass diese Reichweiten in der Praxis durchaus realistisch sind. Allerdings war bei der Präsentation das Wetter mit über 20° Celsius ideal für ein E-Auto und der Autobahnanteil auf der Teststrecke nicht besonders hoch.

Wenn es jedoch darum geht, die Batterie wieder aufzuladen, müssen Fahrende bei der großen Batterie deutlich mehr Zeit kalkulieren als bei der kleinen. Während sich die 68,8-kWh-Batterie laut Werksangaben mit bis zu 165 kW innerhalb von 24 Minuten von 10 Prozent SoC auf 80 Prozent aufladen lässt, dauert der gleiche Ladehub bei der 80-kWh-Batterie wegen der maximal möglichen Ladeleistung von nur 90 kW immerhin 47 Minuten.

Laut Mazda sind diese widersinnig erscheinenden Eigenschaften entstanden, da der Wagen ursprünglich mit der großen Batterie geplant wurde, um eine Reichweite von mehr als 500 Kilometer erreichen zu können. Im Laufe der Fahrzeugentwicklung hätten die Entwickler dann jedoch die LFP-Batterie zur Serienreife gebracht, sodass die Japaner diese ebenfalls ins Programm aufnehmen konnten. Laut den Mazda-Presseunterlagen ist der Mazda 6e EV die beste Wahl für Fahrer, die Wert auf minimale Ladezeiten legen, während die Long-Range-Variante für Langstreckenfahrer prädestiniert sei. Allerdings glaubt Mazda diese Sprachkrücke selbst wohl nicht so richtig und geht davon aus, dass sich 90 Prozent der Kunden für die 68,8-kWh-Batterie entscheiden und nur 10 Prozent den Aufpreis von 2.000 Euro für die vermeintlich ältere Batteriechemie investieren.

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Souveräner Antrieb

Bei den Fahrleistungen wird das keinen großen Unterschied machen. Der Antrieb im Mazda 6e EV hat eine Leistung von maximal 190 kW und ein maximales Drehmoment von 320 Nm. Der Mazda 6e Long Range hat mit 180 kW eine ähnliche Antriebsleistung und das gleiche maximale Drehmoment. Insgesamt ist der Wagen damit ordentlich motorisiert, zumal das ausgewogene Fahrwerk eher zum entspannten Cruisen als zu einer wilden Kurvenhatz einlädt.

Der neue elektrische Mazda soll ab September bei den deutschen Händlern stehen. Für dieses Jahr hat sich der Importeur vorgenommen, noch 2.500 Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Für 2026 liegt die Planung dann bei 5.000 Einheiten. Wenn Mazda es schafft, bei den Kunden bekannt zu machen, welch großen Fortschritt der Hersteller in Sachen Elektromobilität gemacht hat, sollte diese Planung problemlos umsetzbar sein. Das wird den Mazda-Händlern im kommenden Jahr noch leichter fallen. Denn Ende 2025 will Mazda ein Crossover-Modell vorstellen, das auf dem 6e basiert. Das dürfte die Aufmerksamkeit noch einmal vergrößern.

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