Oldtimerstudie Deuvet: Umweltbelastung durch Oldtimer sinkt, anstatt anzusteigen

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Immer wieder poppen Gerüchte auf, Oldtimer würden eine wachsende bzw. spürbare Verkehrs- und Umweltbelastung darstellen. Diesen begegnet der Bundesverband der Oldtimerclubs nun mit zwei Studien – sie belegen genau das Gegenteil.

So manchem ein Dorn im Auge: langzeitstabile Fahrzeuge der Achtziger- und Neunzigerjahre mit H-Kennzeichen im Alltagseinsatz(Bild:  Dominsky – VCG)
So manchem ein Dorn im Auge: langzeitstabile Fahrzeuge der Achtziger- und Neunzigerjahre mit H-Kennzeichen im Alltagseinsatz
(Bild: Dominsky – VCG)

Der Bundesverband Oldtimer-Youngtimer e. V., kurz Deuvet, hat in diversen Gesprächen mit Politikern festgestellt, dass parteiübergreifend Bedenken hinsichtlich der Verkehrs- und Umweltbelastung durch historische Fahrzeuge bestehen bzw. Sorgen bezüglich ihrer Bestandsentwicklung. Da diesbezüglich zuverlässige Prognosen für die kommenden 10 bis 15 Jahren nicht existieren, hat der für das Ressort „Politik“ verantwortliche Deuvet-Beirat Dr. Ekkehard Pott zwei Studien auf Basis der Bestandsdaten des Kraftfahrt-Bundesamts erstellt. Sie sollen eine zuverlässige Prognose der Auswirkungen klassischer Fahrzeuge auf Verkehr, Umwelt und Bestand ermöglichen.

Beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass weder Verkehrs- und Umweltbelastung noch die voraussichtliche Bestandsentwicklung Änderungen an den gegenwärtigen Regularien zum H-Kennzeichen erforderlich machen. Seine Studienergebnisse möchte der Bundesverband nun in den Ausschüssen des Bundestags sowie allen interessierten politischen Parteien vorstellen. Vorstand und Beiräte des Deuvet werden in allen Gesprächen eine objektive Bewertung der Bestandsentwicklung von historischen Fahrzeugen fordern, damit ideologiegetriebenen Ansätzen zur Nutzungsbeschränkung des automobilen Kulturguts die Grundlage entzogen wird.

Studie 1: Bestandsanalyse Neunzigerjahre-Pkw

In der ersten Studie untersuchte Ekkehard Pott, wie sich Pkw der Neunzigerjahre im Hinblick auf die Zuteilung eines H-Kennzeichens entwickeln werden. Schließlich verfügen diese Fahrzeuge in weiten Teilen über einen gegenüber den vorangehenden Jahrzehnten besseren Rostschutz. Zudem bieten sie Fahrleistungen und Gebrauchssicherheit, die einen weitgehend problemlosen Betrieb auch im heutigen Alltagsverkehr ermöglichen. Die Konsequenz: Einige befürchten, dass große Bestände an diesen Fahrzeugen mit H-Kennzeichen als normale Alltagsfahrzeuge genutzt werden könnten. Doch genau dies ist nach der heutigen Gesetzeslage zum H-Kennzeichen zulässig. Zudem werden die „Selbstreinigungsmechanismen des Marktes“ – wie bei Fahrzeugen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren – auch bei den Neunzigerjahre-Fahrzeugen greifen. Das heißt, nur wenige begehrte Fahrzeugmodelle behalten oder erreichen einen Marktwert, der einen langfristigen Erhalt wirtschaftlich rechtfertigt.

Bestandszuwächse sind daher (wie in den vergangenen Jahrzehnten) überwiegend in den Fahrzeugkategorien „Cabrio“ und „Sport-/Hochleistungsmodelle“ sowie in der „Ober-/Luxusklasse“ zu erwarten. Diese Modelle wurden und werden üblicherweise nicht/kaum als Alltagsfahrzeuge genutzt. Da bei diesen Modellen die Bestandszahlen gering gegenüber dem Gros der verkauften Fahrzeuge ist, ist auch weiterhin nicht mit einer signifikanten Nutzung von Neunzigerjahre-Fahrzeugen im H-Kennzeichen-Bestand im Alltagsverkehr zu rechnen.

Studie 2: Sensitivitätsanalyse Oldtimer

Im Rahmen der Studie „Sensitivitätsanalyse Oldtimer“ hat Ekkehard Pott die Auswirkungen der historischen Mobilität in vier Kernthemen im Zeitraum bis 2040 bewertet:

  • Bestandsentwicklung „Ü30“ und H-Kennzeichen
  • Entwicklung Fahrleistungen
  • CO2-Emissionen
  • Schadstoffemissionen (HC, NOx)

„Die vielfach geäußerten Befürchtungen hinsichtlich einer erhöhten Umweltbelastung durch über 30 Jahre alte Fahrzeuge können in keinem Punkt bestätigt werden“, lautet Potts Ergebnis. Auch wenn die Zahl der Pkw mit H-Kennzeichen in den nächsten rund 15 Jahren weiter wachsen dürfte, so steigt der Fahrleistungsanteil aller Ü30-Fahrzeuge bis 2040 nicht über 0,5 Prozent der Gesamt-Pkw-Jahresfahrleistung an. Damit einhergehend wird der CO2-Emissionsanteil aller Ü30-Fahrzeuge bis 2040 bei deutlich unter einem Prozent der Gesamt-CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs liegen, bei H-Fahrzeugen sogar unter 0,5 Prozent.

Die HC- und NOx-Schadstoffemissionen der Ü30-Fahrzeuge lagen 2023 bei circa vier Prozent der Gesamtemissionen des Pkw-Verkehrs. Zum Großteil sind dies Fahrzeuge ohne Drei-Wege-Katalysator unterwegs, wie es bis Ende der Achtzigerjahre bei den damaligen Neufahrzeugen Stand der Technik war. Da seit 2021 überwiegend Katalysator-Fahrzeuge in den H-Bestand wechseln und die Jahresfahrstrecke mit steigendem Fahrzeugalter abnimmt, wird der Schadstoffausstoß von Ü30-Pkw in den kommenden Jahren sogar wieder sinken. Auch ist eine „Dieselschwemme“ bei den H-Neueinsteigern nicht zu erwarten, da viele Dieselfahrzeuge aufgrund der gegenüber Ottofahrzeugen höheren Laufleistungen die H-Altersschwelle gar nicht erst erreichen werden. Gerade für großvolumige Motoren bleibt die steuerliche Attraktivität des H-Kennzeichens in den nächsten 15 Jahren erhalten, auch wenn deren Anteil bei den Neunziger- und 2000er-Jahre Pkw allmählich abnimmt, erläutert Ekkehard Pott.

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