Elektromobilität „Die Restwerte sind grauenhaft“

Von Yvonne Simon 3 min Lesedauer

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Die Nachfrage nach neuen und gebrauchten E-Autos ist schwach. Im nächsten Jahr drohen der Autoindustrie hohe Strafen, wenn sich das nicht ändert. Bei einer Diskussion unter Branchenexperten in Berlin kommentierte ZDK-Vize Thomas Peckruhn die aktuelle Lage mit klaren Worten.

(v.l.): Diskutierten in Berlin mit Moderator und Journalist Christoph Seyerlein: VDA-Präsidentin Hildegard Müller, ZDK-Vizepräsident und Skoda-Händler Thomas Peckruhn, Mobile.de-COO Jochen Cuntz sowie Dr. Albert Waas, Geschäftsführer und Partner der Boston Cosulting Group und Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate, Nürnberg Institut für Marktentscheidungen.(Bild:  Screenshot/https://promo.mobile.de/sites/more/more-2024/)
(v.l.): Diskutierten in Berlin mit Moderator und Journalist Christoph Seyerlein: VDA-Präsidentin Hildegard Müller, ZDK-Vizepräsident und Skoda-Händler Thomas Peckruhn, Mobile.de-COO Jochen Cuntz sowie Dr. Albert Waas, Geschäftsführer und Partner der Boston Cosulting Group und Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate, Nürnberg Institut für Marktentscheidungen.
(Bild: Screenshot/https://promo.mobile.de/sites/more/more-2024/)

Gut eine Woche nach der erneuten Wahl des Zölle-Fans Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten und des Zusammenbruchs der Ampelregierung sind die Rahmenbedingungen für Autoindustrie und Handel im kommenden Jahr völlig unklar. Mit welchen Herausforderungen die Branche kämpft und was 2025 bevorstehen könnte, darüber diskutierten Branchenvertreter und Analysten auf der „More“-Konferenz der Online-Plattform Mobile.de.

Schwerpunkt einer Podiumsdiskussion, an der unter anderem VDA-Präsidentin Hildegard Müller sowie ZDK-Vizepräsident und Skoda-Händler Thomas Peckruhn teilnahmen, war die schwächelnde Wirtschaft in Deutschland und vor allem der lahmende Hochlauf der E-Mobilität. Deutschland befindet sich plötzlich im Wahlkampf. Alle Parteien würden sich jetzt mit Versprechungen positionieren – das sorge dafür, dass zögerliche Kunden noch stärker animiert werden, den Autokauf aufzuschieben und auf bessere Bedingungen zu warten, etwa eine erneute Förderung für E-Autos, erklärte Hildegard Müller.

Das Vertrauen der Kunden ist ohnehin schon lange futsch. Thomas Peckruhn erinnerte daran, dass das Agieren der Politik im vergangenen Jahr, als die Prämie über Nacht abgeschafft wurde, das Vertrauen der Konsumenten in E-Mobilität „in den Grundfesten erschüttert“ habe. Die Prämie habe zudem „etliche Themen verschleiert“, etwa den Anstieg der Strompreise, die Entwicklung der Ladeinfrastruktur oder die Tatsache, dass Angebote noch nicht in allen Segmenten vorhanden waren. Denn es zählte erst mal nur der Rabatt: Wie stark der alleine das Verhalten der Kunden gesteuert hat, schilderte auch Mobile.de-COO Jochen Cuntz: Das Interesse an E-Autos auf der Plattform sei nach dem Förder-Aus von einem Tag auf den anderen um 50 bis 60 Prozent eingebrochen.

Dem Handel fällt die Prämie mittlerweile auf die Füße. „Die Restwerte sind grauenhaft“, sagte Peckruhn mit Hinblick auf die schwer verkäuflichen gebrauchten E-Autos. Gebrauchtwagen würden auch im kommenden Jahr eine entscheidende Rolle spielen. „Wenn Gebrauchtwagen nicht abfließen, wird es auch mit Neuwagen schwierig“, so Peckruhn.

Incentives klar Richtung Verbrenner

Nächstes Jahr verschärft die EU die CO2-Grenzwerte. Haben die Hersteller vor diesem Hintergrund 2024 die E-Mobilität vielleicht selbst gebremst, um noch möglichst viele Verbrenner auf den Markt zu bringen? Dr. Albert Waas, Geschäftsführer und Partner bei der Boston Consulting Group, glaubt das nicht. Angesichts der hohen Investitionen, die in die Technologie gesteckt wurden, sei der Druck auf OEM-Seite hoch, E-Autos zu produzieren und zu verkaufen. Peckruhn hingegen berichtete, dass nach dem Förder-Aus die Incentives der Hersteller klar in Richtung Verbrenner gewandert seien. Gleichzeitig drehen einige Hersteller an der Preisschraube, beispielsweise reduzierte VW Anfang Oktober den Listenpreis für den ID 3 deutlich.

Als gegeben hingenommen werden die CO2-Strafen ohnehin noch nicht – zumindest wird noch gekämpft und gefordert. Müller plädiert dafür, die „Review-Prozesse“ vorzuziehen und die Ziele vorzeitig 2025 zu überprüfen. Analyst Waas geht davon aus, dass der Großteil der Hersteller die Ziele nicht erreichen wird. Man müsse sich fragen, ob man einer Industrie, die fünf Prozent zum BIP beiträgt, wirklich Strafen aufbürden wolle.

Klare Rahmenbedingungen gefordert

Im kommenden Jahr brauche es klare Rahmenbedingungen, darüber waren sich alle Diskussions-Teilnehmer einig. Der fehlende Haushalt verstärke derzeit die fehlende Planungssicherheit unter den Konsumenten, erklärte Rolf Bürkl vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen. Innerhalb eines Jahres sei die Sparquote um einen Prozentpunkt gestiegen, dahinter stünden 25 Milliarden Euro. Kunden bräuchten eine Agenda, um Mittel freizumachen.

Ähnlich geht es Industrie und Handel. Hildegard Müller forderte, dass Deutschland an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten müsse und verwies auf bürokratische Hürden, „dreifach bis vierfach zu hohe Energiekosten“ und steigende Lohnzusatzkosten. Für die neue Bundesregierung gebe es keine Ausflüchte, sich nicht mit den Ursachen der Herausforderungen zu befassen. Thomas Peckruhn fordert von der Politik „positive Signale“. Der Handel habe seine Forderungen formuliert, wenn diese gehört werden, sei ihm mit Blick auf 2025 „nicht bange“.

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