Als Landessieger sind sie der lebende Beweis für das hohe Niveau der dualen Ausbildung hierzulande. Jetzt traf sich die Nachwuchselite der Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker in Form der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk“ zum ultimativen Leistungsvergleich.
Sieger unter Siegern: Die diesjährigen Teilnehmer der German Craft Skills demonstrierten handwerkliches High End.
(Bild: Dominsky – VCG)
Craftbeer schaffen etliche, die „German Craft Skills“ nur wenige. Genauer gesagt nur die Besten der Landessieger in diversen Gewerken. Und was für Bäcker, Brunnenbauer und Büchsenmacher gilt, trifft auch auf Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker zu. Auch hier waren in diesem Jahr wieder die Landesverbände im Fahrzeug- und Karosseriebauer-Handwerk aufgerufen, ihre jeweiligen Besten zu melden, sprich die Top-Nachwuchskräfte in den beiden Fachrichtungen Karosserie- und Fahrzeugbautechnik sowie Karosserieinstandhaltungstechnik. Und nur die durften sich Anfang November im Rahmen der German Craft Skills – bis 2022 „Deutsche Meisterschaft im Handwerk“ – batteln, also messen.
Austragungsort des Wettbewerbs war auch dieses Mal wieder die Max-Eyth-Schule im hessischen Alsfeld, in der die Landesfachklasse der Karosserie- und Fahrzeugbauer in der Fachrichtung Karosserie- und Fahrzeugbautechnik beheimatet ist. „Die Voraussetzungen für solch einen Leistungswettbewerb sind hier einfach ideal“, lobt Steffen Fuchs, Referatsleiter Berufsbildung, beim Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V. (ZKF), die Location. Weniger ideal hingegen war auch in diesem Jahr eine ganz andere Tatsache. Nämlich die, dass bei den German Craft Skills im Karosserie- und Fahrzeugbauhandwerk lediglich 13 Teilnehmer antraten. Bei 16 Bundesländern und zwei Fachrichtungen müssten es entsprechend 32 sein. „Seit Jahren appellieren wir hier an die unsere Landesverbände, sich solch eine Werbung in eigener Sache nicht entgehen zu lassen, indem sie die Koordinierungsstellen der Länder auffordern, die jeweiligen Landessieger zu melden, leider mit bescheidenem Erfolg“, konstatiert ZKF-Mann Fuchs. Nicht nur er wünscht sich beim größten handwerklichen Leistungswettbewerb der Welt mehr Engagement von den Verantwortlichen, allen voran im Osten unserer Republik.
Mega Anerkennung für den Nachwuchs
Steffen Fuchs, Referatsleiter Berufsbildung beim Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V. (ZKF), über den Leistungswettbewerb „Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“.
(Bild: ZKF)
Redaktion: „Deutsche Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“ klingt modern und fancy. Hat sich mit diesem Wettbewerb jemand etwas Neues einfallen lassen?
Steffen Fuchs: Zugegeben, der Name ist ziemlich neu. Genau genommen heißt der Wettbewerb, der zuletzt als „PLW – Profis leisten was“ bekannt war, seit 2023 so. Im Prinzip gibt es diesen Leistungswettbewerb des Zentralverbands Deutsches Handwerk (ZDH) aber bereits seit 1951.
Was ist die Idee hinter diesem Wettbewerb?
Das lässt sich ziemlich einfach beantworten. Es geht darum, das deutsche Handwerk, seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und vor allem seine Anerkennung durch die Öffentlichkeit zu fördern – zum einen. Zum anderen geht es darum, jungen Menschen Mut zu machen, eine Ausbildung im Handwerk zu ergreifen, und ihnen aufzuzeigen, dass eine solche nach wie vor, oder besser gesagt erst recht heute, ein gutes und wichtiges Fundament für beruflichen Erfolg und Zufriedenheit im Job ist.
Was nehmen diejenigen mit, die bei den German Craft Skills mitmachen durften?
Sie nehmen genau das mit, also dass sich eine Ausbildung im Handwerk für sie rechnet. Dass sich anzustrengen, Leistung zu zeigen und den Willen zu haben dazuzulernen und immer besser zu werden erstrebenswerte Ziele im beruflichen Leben sind, denn man erhält dafür Anerkennung.
Was noch?
Sämtliche Teilnehmer, allen voran die drei Erstplatzierten, erfahren eine breitangelegte mediale Aufmerksamkeit im Rahmen des Wettbewerbs. Sie sind quasi schon kleine Stars, obwohl ihr beruflicher Werdegang noch ganz am Anfang steht. So gesehen ist die Auszeichnung „Bester Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker des Jahres“, wie in unserem Fall, für sie eine Anerkennung ihrer Leistung und ein echter Wegbereiter. Abgesehen davon erfahren sie dank unserer Sponsoren auch eine monetäre Würdigung: Sie erhalten Sachpreise im Wert von mehreren Tausend Euro.
Respekt! Bei so viel Anerkennung von Leistung müsste doch jeder mitmachen, der dazu berechtigt ist, oder?
Theoretisch müssten wir bei zwei Fachrichtungen und 16 Bundesländern Jahr für Jahr 32 Teilnehmer begrüßen dürfen. Praktisch sind es in den letzten Jahren aber nur etwa halb so viele Teilnehmer. Zu unserem großen Bedauern sehen sich nicht alle unsere Koordinierungsstellen dazu in der Lage, uns ihre Besten zu nennen bzw. diese für unseren Leistungswettbewerb zu nominieren.
Enttäuscht Sie das?
Ehrlich gesagt, ja. Eine derartige Chance für einen bundesweiten Vergleich hat ein junger Mensch nur einmal im Leben. Diese Chance sollte man niemandem, der sich für eine Teilnahme an den German Craft Skills qualifiziert hat, verwehren. Denn von einer Teilnahme profitieren nicht nur unsere Nachwuchskräfte, sondern auch die entsprechenden Betriebe, die jeweilige Innung bzw. Handwerkskammer und damit am Ende wir alle.
Das Interview führte Steffen Dominsky
Fett was abgeliefert
Diese Tatsache konnte den diesjährigen Teilnehmern selbstverständlich egal sein. Sie hatten sich um anderes zu kümmern, nämlich um ihre Prüfungsaufgabe. Die bestand dieses Mal im Fall Karosserie- und Fahrzeugbautechnik (KFBT) aus dem Bau einer Traverse und eines Lampenträgers, sowie im Fall Karosserieinstandhaltungstechnik (KIT) aus dem Richten und teilweisen Nachfertigen eines Frontblechs. Hinzu kam als „verknüpfende“ Aufgabe das Prüfen und Fehlerbeheben an einem PTC-System (Parc Distance Control/„Einparkhilfe“). Zwei Tage Zeit hatten die jungen Männer dafür in Summe. Zwei Tagen lang hämmerten, stauchten und streckten, bogen und maßen sie. Sie bohrten, schweißten und rissen an, kurz: Sie zeigten, was sie draufhaben.
Am besten gelang das in den Augen der Jury – in der nebenbei bemerkt keine Mitglieder des ZKF sitzen – David Giersbach (Fahrzeugbau Vogel GmbH, Arnsberg, Nordrhein-Westfalen – „KFBT“) und Nico Gelzleichter (Karosseriebau Tom Kesseler, Niederwambach, Rheinland-Pfalz – „KIT“). Auf den Plätzen 2 und 3 folgten Johannes Mootz (Borco Höhns Gmb, Rotenburg (Wümme), Niedersachsen) und Vincent Leimbach (Auto-Schach GmbH & Co. KG, Wetzlar, Hessen), beide „KFBT“, sowie Johannes Günther (Auto Zentrum Nürnberg – Feser GmbH Nürnberg, Bayern) und Malik Arslan (Roland Weber Karosseriemeisterbetrieb Solingen, Nordrhein-Westfalen), beide „KIT“ – herzlichen Glückwunsch, Jungs!
Fett was mitnehmen
Anerkennung darf man übrigens auch denen zollen, die solch eine Veranstaltung möglich bzw. richtig rund machen: den Sponsoren. In diesem Jahr waren dies das Unternehmen Wieländer und Schill, Mirka, Vogel Communications Group, Car-o-Liner Deutschland, Hazet, Carbon GmbH, Stiftung des Deutschen Stellmacher- und Karosseriebauerhandwerks, Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF), Fahrzeug- und Karosseriebauer-Innung Oberhessen sowie CWS, das alle Kfz-Teilnehmer der German Craft Skills mit eigens mit dem ZKF entwickelter und empfohlener Berufskleidung ausstattete. Sie sponserten den Wettbewerb mit Produkten, sprich wertvollen Preisen, die den Teilnehmern winken. Überreicht bekommen sie diese, und natürlich auch ihre Urkunden, auf großer Bühne im Rahmen des ZKF-Branchentreffs am 7. und 8. Mai 2026 in Köln.
Nicht nach Köln, sondern nach Würzburg dürfen die beiden Erstplatzierten bereits zuvor, genauer gesagt am 20./21. März, reisen – und zwar zu einem echten Mega-Event der Branche. Die Zeitschrift »Fahrzeug+Karosserie« lädt sie zu den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen (WKST) ein, inklusive Übernachtung. Zudem spendiert das Fachmagazin, das gleichzeitig das offizielle Verbandsorgan des ZKF ist, allen Teilnehmern ein Online-Jahresabo und ein wertvolles Sachbuch.
(ID:50627243)
Stand: 08.12.2025
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