Oldtimermarkt

Diskussion um Zustandsnoten nimmt zu

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Die Europäer: La Cote, Classic Data und Classic Analytics

Frei zugängliche Classic-Car-Marktwerte bietet in Europa zum Beispiel der französische „La cote de l’automobile de collection“ (www.lva-auto.fr/cote.php), der die Marktwerte von über 11.000 Automobilmodellen listet und zudem jährlich rund 2.300 Auktionswerte veröffentlicht. Getragen wird dieser Price Guide von der unabhängigen Editions LVA in Avon; er wird jährlich auch als gedruckter Preis-Guide herausgegeben. In der gedruckten Ausgabe finden sich dann auch die über 150 Expertenbüros europaweit, die die Marktergebnisse ermitteln und im La Cote zusammentragen. Im deutschen Sprachraum haben sich die im Ruhrgebiet ansässigen Marktwert-Ermittler für klassische Kraftfahrzeuge, die „Classic Data“ (www.classic-data.de) und die Classic Analytics (www.classic-analytics.de), etabliert. Öffentlich zugänglich und abrufbar sind die Classic-Data-Marktwerte derzeit nur kostenpflichtig bei Classic-Data-Partnern. Das Unternehmen, einst von Jochen Strauch etwa Mitte der Achtziger gegründet, gibt seit nunmehr 17 Jahren jährlich den sogenannten Marktspiegel heraus, der in gedruckter Form rund 8.000 Modelle von 175 Automobil- und von 83 Motorradherstellern verteilt auf die fünf Zustandsnoten veröffentlicht.

Die Modelle werden nach Karosserieform, technischen Grunddaten und in zusammengefassten Baujahresgruppen veröffentlicht. Eine direkte Abfrage nach Durchschnittspreisen in der hauseigenen Datenbank ist nur über ein Netz von Vertragspartnern kostenpflichtig möglich. Nachteilig an der Printausgabe ist hier die nicht mehr vorhandene Aktualität zum Zeitpunkt der Drucklegung, da die Daten in der Regel aus dem zurückliegenden Erhebungsjahr stammen. Auch die zwischen den jeweiligen Jahresbänden veröffentlichten Marktpreise in der Zeitschrift „Oldtimer-Markt“ oder den Sonderheften dieses Verlags können diesen Nachteil der Printausgabe gegenüber einer Onlineausgabe nicht ausgleichen.

GTÜ: Prüforganisation mit ausgeprägter Classic-Kompetenz

Anders der Wettbewerber Classic Analytics (www.classic-analytics.de), dessen Wurzeln ebenfalls in der Unternehmensgründung von Jochen Strauch zu finden sind. Nach der Übernahme der Geschäfte bei Classic Data durch die beiden Gründer der Firma Olditax (Unternehmen ist heute nicht mehr aktiv), formierten sich ehemalige Mitarbeiter der Classic Data zur Classic Analytics, die heute eine Beteiligung der amerikanischen Hagerty-Gruppe ist und stärker auf die Onlineverfügbarkeit der Daten setzt. Eine Printausgabe ist von Classic Analytics über Partnerausgaben (Hiscox, Motor Klassik u. a.) erhältlich. Dafür gibt es eine kostenlose Onlineabfrage von Durchschnittswerten, zu denen der gesuchte Klassiker aktuell gehandelt wird, und eine online verfügbare Auktionsdatenbank, die ebenfalls Marktwerte liefert – sofern das gesuchte Modell zeitnah auf Auktionen angeboten wurde und den Besitzer gewechselt hat. Auch bei diesem Unternehmen ist ein Netzwerk von rund 500 Sachverständigen tätig, die die entsprechenden Fahrzeuge im Rahmen von Oldtimerbegutachtungen kostenpflichtig bewerten.

Tagesaktuelle Marktwertanalysen (siehe Abbildung) liefern auf Anfrage die Vertragspartner der GTÜ. Hier sind es vor allem die GTÜ-Classic-Partner, bei denen zu jedem Fahrzeug die aktuellen Marktwerte in einer Dreijahresübersicht abgerufen werden können. Liegen zu dem Modell auch Auktionsergebnisse vor, werden auch diese in die Marktanalyse aufgenommen, um zumindest grob die Tendenzen am Markt abzubilden. Die GTÜ unterstützt das GTÜ-Classic-Partnernetz mit ihrer Marktbeobachtung, sammelt Veräußerungspreise im privaten und gewerblichen Bereich, sichtet Auktionsergebnisse und hält Kontakt zu den Clubs im Oldtimermarkt. Grundlage der Marktwertanalysen sind auch die eigenen Erhebungen und die Datenbasis der von den GTÜ-Sachverständigen gefertigten Gutachten.

Fazit: Falls Sie auf der Suche nach einem geeigneten Klassiker sind, genügen zur ersten Orientierung die weltweit offen zugänglichen Price Guides, die über Selektionsmöglichkeiten wie Baujahr, Marke, Modell, Leistung und Karosserieform sehr schnell die Bandbreite der Anschaffungskosten angeben. Zustandsnoten werden in Anzeigen, Offerten oder anderen Kaufangeboten eher selten angegeben, da die Nennung einer Zustandsnote juristisch eine „zugesicherte Eigenschaft“ darstellt. Letztendlich wird eine Zustandsnote meist durch einen geeigneten Sachverständigen ermittelt, der in seiner Beurteilung und seinem Gutachten auch klar zum Ausdruck bringen muss, wie er die Werte ermittelt hat und welche Bewertungsnote daraus für das Fahrzeug festgelegt wurde. Der ermittelte Zustand und Wert ist im Gutachten ausgeführt. Finden sich diese Angaben nicht, entspricht das Gutachten nicht den allgemein festgelegten Regeln einer Fahrzeugbewertung.

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