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Oldtimermarkt Diskussion um Zustandsnoten nimmt zu

| Autor/ Redakteur: Herbert F. Schulze / Steffen Dominsky

Die Preisbewertung eines Young- bzw. Oldtimers ist kein leichtes Unterfangen. Oft stößt das System der Zustandsnoten an seine Grenzen – und soll nun wieder einmal überarbeitet werden. Eine Anregung kommt vom Parlamentskreis „Automobiles Kulturgut“.

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Tagesaktuelle Marktwertanalysen zu klassischen Kraftfahrzeugen können jederzeit über das Netzwerk der GTÜ-Classic-Partner abgerufen werden.
Tagesaktuelle Marktwertanalysen zu klassischen Kraftfahrzeugen können jederzeit über das Netzwerk der GTÜ-Classic-Partner abgerufen werden.
(Bild: GTÜ)

Aus den Daten der in Teil I unseres Berichts genannten vier Teilgebiete der Marktbeobachtung legen Marktspezialisten dann Interpretationen an, und zwar in Form von allgemeingültigen, bundesdurchschnittlichen Werten gebrauchter Fahrzeuge pro Baujahr. Die Allgemeingültigkeit ergibt sich aus Zulassungsdaten (Erstzulassungsdatum), Laufleistungen (je nach Fahrzeugtyp), serienmäßigen Ausstattungspaketen, Vorbesitzer und Unfallfreiheit oder frei von Vorschäden.

Die Allgemeingültigkeit oder auch Normierung der Fahrzeuge wird auch dadurch gewährleistet, dass Fahrzeuge, die nach der Berechnung weit von der Norm abweichen (z. B. Laufleistung, Ausstattung usw.) mithilfe von berechneten Zu- oder Abschlägen korrigiert werden. Weist ein berechnetes Fahrzeug also eine geringere Laufleistung auf als der Durchschnitt, so bewirkt dies einen Preisaufschlag. Gleiches gilt für Sonderausstattungen oder Schäden, die sich wertmindernd oder wertsteigernd auf den Händler-EK oder Händler-VK auswirken können.

Marktbeobachtung ist der Schlüssel aller Price Guides

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass alle genannten Preise keine Marktpreise (mehrwertsteuer- und margenbereinigte Preise zwischen Privatpersonen), sondern immer den Händlereinkaufswert „EK“ und den Händlerverkaufswert „VK“ repräsentieren. Falls eine Privatperson ihren Wagen an einen Händler verkauft, wird der Verkaufspreis maximal in der Nähe des Händlereinkaufspreises liegen, da der Händler das Fahrzeug selbstverständlich mit Gewinn weiterverkaufen will. Zudem muss ein Händler beim Weiterverkauf in der Regel Gewährleistungen einräumen und in etwa abschätzen können, mit welchen Standzeiten er für den Gebrauchten rechnen muss, bis dieser wieder an einen Käufer weitergegeben werden kann. Es ist unschwer zu erraten, dass der Verkauf eines gebrauchten Fahrzeugs über Privatbörsen mehr Ertrag verspricht als die Inzahlungnahme beim Händler. Die über Onlinemarktplätze oder andere Inseratsformen angebotenen Fahrzeuge repräsentieren also genauso wenig einen „Marktpreis“ wie Auktionswerte auf Versteigerungen. Der Marktpreis ist immer der zwischen zwei privaten Marktteilnehmern festgelegte steuerbereinigte Preis für das Fahrzeug.

Nimmt man jetzt bei der Suche nach dem historischen Kraftfahrzeug auch die teils sehr gut gemachten Filterfunktionen der Onlinebörsen zu Hilfe und sucht beispielsweise einen Citroën 2 CV in der Region München und anschließend in der Region Paris, wird man die Unterschiede regionaler Märkte ebenfalls sehr schnell herausgefunden haben. Das Kultfahrzeug ist in Frankreich günstiger zu haben.

Price Guides für Fahrzeuge über zwölf Jahre

Um es vorwegzunehmen: Price Guides für klassische Fahrzeuge gibt es international gesehen schon seit Jahrzehnten. Geboren wurden diese noch ausschließlich gedruckten Preislisten für historische Fahrzeuge in England und USA Anfang der Sechzigerjahre. Zu nennen wäre hier der Preisführer für Sammlerfahrzeuge, der „Lewis Guide“ oder der „Quentin Crafts Old Car Value Guide“. Die heute international übliche, aber nicht unumstrittene Einteilung in fünf Zustands- oder Pflegekategorien hatten erstmals die „Hemmings Motor News“ in Abstimmung mit dem AACA (Antique Automobil Club of America) zum Standard erhoben und 1958 veröffentlicht. Im deutschsprachigen Raum folgte Anfang der Siebzigerjahre die Firma Schwacke (heute Schwacke/Eurotax) dieser Idee und brachte ab 1977 den eigenständigen Price Guide „Inter Classic“ heraus.

Bei den frei zugänglichen Price Guides – die ebenfalls in der Tradition des oben genannten „Lewis Guide“ oder des „Quentin Crafts Old Car Value Guide“ stehen, sei noch die „Collector Car Market Review“ (www.collectorcarmarket.com) genannt, die ebenfalls in fünf Kategorien nach Baujahren und Marken sortiert die aktuellen Classic-Car-Preise in US Dollar auflistet und die Situation auf dem nordamerikanischen Kontinent abbildet. Das wohl umfassendste, aber leider nur für amerikanische Bürger öffentlich zugängliche Marktwerte-Onlineportal in den USA sind jedoch die NADA Guides, National Appraisal Guides (www.nadaguides.com), die neben Automobilen, Motorrädern, Booten und Motorhomes (Wohnmobilen) auch Classic Cars auflisten. Die Besonderheit an den NADA Guides für Classic Cars ist ebenfalls die differenzierte Auflistung der Automobil- und Motorradmarken nach Baujahren und Karosserieformen. Die Marktpreise werden in drei Kategorien ausgegeben (Low, Average und High Retail). Als Besonderheit listen die NADA Guides auch den Original MSRP (Manufacturer Suggested Retail Price) auf, der mit unserem „vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis“ gleichzusetzen ist.

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