Caravan-Salon Düsseldorfer Premieren: Zwischen Landyacht und Elektro-Exoten

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Die meisten Modell-Premieren für den Düsseldorfer Caravan-Salon werden von den Reisemobil-Herstellern schon im Voraus angekündigt. Sind die Pforten für die Leitmesse aber erst mal geöffnet, entdeckt man auf dem Rundgang immer noch viel Neues. Sogar elektrisches.

Den Vogel schießt in diesem Jahr der 26-Tonner Vario Mobil Perfect Assoluto ab.(Bild:  SP-X/Michael Lennartz)
Den Vogel schießt in diesem Jahr der 26-Tonner Vario Mobil Perfect Assoluto ab.
(Bild: SP-X/Michael Lennartz)

Wer sich auf dem Düsseldorfer Caravan-Salon, der noch bis zum 7. September geöffnet ist, auf die Suche nach Neuem begibt, findet grundsätzlich in jeder der 15 Messehallen etwas. Vieles, was schon vorher über die Medien kommuniziert wurde. Aber auch manch versteckte Premiere.

Nun kann man in Halle 16 wahrlich nicht von Versteck sprechen. Das ist der Ort, wo häufiger Ahs und Ohs zu hören sind, wo die Gänge gefühlt schmaler ausfallen, weil sich rechts und links dort die Luxusliner von Concorde, Morelo, Phoenix oder Volkner wie Steilwände auftürmen. Die fast vier Meter hohen Motorhomes, in deren Heckgaragen auch schon mal ein Ferrari Platz findet, durchbrechen preislich oft die siebenstellige Schallmauer.

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Den Vogel schießt in diesem Jahr allerdings der Vario Mobil Perfect Assoluto ab. Auch siebenstellig, aber nicht mal mehr mit einer 1 ganz vorne. Der nach Kundenwunsch maßgeschneiderte Luxusliner ist ein veritabler 26-Tonner auf Basis eines Mercedes Actros mit 530 PS, 12 Meter lang und kostet stolze 2,85 Millionen Euro. Mit vier seitlichen Slide-outs dringt die Vario-Landyacht in völlig neue Raumdimensionen vor. Allein das Schlafzimmer mit King-Size-Bett ist zehn Quadratmeter groß, das Wohnzimmer wirkt wie ein Ballsaal mit Tanzfläche und das XXL-Badezimmer würde auch für einen Whirlpool reichen. In der Garage gibt man sich mit einem Mini Cabrio dagegen relativ bescheiden.

Frankia Noctra als Luxus-Schnäppchen

Dagegen ist Debütant Frankia Noctra mit einem Basispreis von 135.000 Euro ein regelrechtes Schnäppchen. Dabei bedeutet die Weltpremiere des Noctra Cruiser 7.6 L für den Traditionshersteller, der gerade sein 65-jähriges Jubiläum feiert, den Startschuss zu einer neuen, innovativen Luxus-Wohnmobil-Baureihe. Der noble Teilintegrierte, der wegen einer Namenskollision mit der neuen Fendt-Wohnwagenmarke Next, kurzfristig umbenannt werden musste, wird entweder auf Basis eines Mercedes Sprinter oder des Fiat Ducato angeboten.

Äußerlich fällt er schon mit einem markanten Heck auf, das auf Wunsch mit einer großen Panoramascheibe ausgestattet werden kann – ebenso ungewöhnlich wie beeindruckend in dieser Wagenklasse. Auch im Innenraum ist vieles neu gedacht. Der leichtere Zugang zu den Heckbetten durch eine verschiebbare Treppe auf Schienen, ein neu konzipiertes Bad mit Wellness-Duschkopf, ebener Duschwanne, einem Waschtisch aus hochwertigem Mineralwerkstoff sowie einem großen Spiegelschrank und ein tiefer Küchenblock mit hybridem Gas-Elektro-Kochfeld.

Neben der großen Heckgarage gibt es einen durchgängigen Doppelboden, bei dem ein komfortables Auszugssystem für Ordnung sorgt. Weitere Schlafplätze gibt es in einem zweiten, absenkbares Hubbett, das den Noctra von außen fast schon wie ein Alkoven-Modell aussehen lässt. Zum Verkaufsstart wird ein umfassend ausgestattetes Editionsmodell ab 157.900 Euro auf Ducato-Basis angeboten. Für einen Sprinter als Untergestell müssen exakt 10.000 Euro mehr investiert werden.

Hymer setzt auf Offroad und Preisdruck

In derselben Preisklasse bewegt sich der Hymer ML-T 580 Crosstrail, den die Bad Waldseer neben der bereits vorgestellten B-Klasse Modern-Comfort als Neuheit mit nach Düsseldorf genommen haben. Mit Allradantrieb, Höherlegung, 18-Zoll-Offroad-Bereifung, voller Autarkie und smarter Technik wagt er sich auch abseits der Straßen ins Gelände.

Die Camper-Vans Hymer Redwood 600 und 601, beide mit Querbetten im Heck und ebenfalls neu, haben wie bei anderen Herstellern die Sondermodelle hauptsächlich die Funktion, die Preise zu drücken. Die Redwoods auf Ducato-Basis liegen zu Preisen ab 68.900 Euro rund 10.000 Euro unterhalb der vergleichbaren Camper-Van-Modelle Hymer Grand Canyon und Yellowstone.

Ungewöhnliche Grundrisse und bunte Vielfalt

Interessanteres in puncto Innenraum-Architektur hat beispielsweise Bürstner zu bieten. Was bei der Radikalkur des renommierten Herstellers aus Kehl bereits anklang, kann in Düsseldorf jetzt auch in der Praxis getestet werden: der verschiebbare Waschraum im Sprinter-Camper-Van Habiton.

Einen für den Kastenwagen-Bereich ungewöhnlichen Grundriss bietet auch Rapido an. Der V62 hat ein seitlich angeschlagenes, längs eingebautes Doppelbett im Heck, das Platz schafft für ein langgestrecktes Bad nebenan. Der ausgebaute Ducato-Camper-Van der Franzosen wird ab rund 70.000 Euro angeboten.

Bunt geht es dagegen beim italienischen Hersteller Laika zu. Die Kosmo-Camper-Vans gibt es als Supremo-Sondermodelle in den Außenlackierungen Azzuro Capri (Blau), Verde Mugello (Grün) und Arancio Sicilia (Orange), zu denen es im Innenraum die passenden Interieurs in nicht minder kräftigen Farbtönen gibt: Helles Blau mit orangefarbenen Bezügen, kräftiges Orange mit weißen Polstern oder dunkles Grün kombiniert mit Cognac-Tönen. Stets mit einem 180-PS-Motor und Automatik an Bord werden die Ducato-Camper-Vans ab 75.000 Euro angeboten.

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E-Mobilität als seltene Ausnahme

Obwohl sie eigentlich die Helden sein müssten, findet man zwei weitere Camper-Vans eher versteckt in den Hallen 12 und 15. Sieht man nämlich einmal von der Dethleffs-Nachhaltigkeitsstudie e.home ab, die aber in dieser Form nicht für eine Serienfertigung vorgesehen ist, spielt das Thema E-Mobilität aktuell keine Rolle in den 15 Messehallen – mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen wie jenen beiden Exemplaren auf zudem ungewöhnlichen Basis-Fahrzeugen.

So findet man am Stand von Alpincamper, der auch schon seit zwei Jahren einen ausgebauten ID.Buzz anbietet, einen zum Campingbus ausgebauten Maxus e-Deliver 5, der mit einer 64-kWh-Batterie bis zu 300 Kilometer weit kommen soll. Der China-Camper wird ab 64.000 Euro angeboten.

Nissan Interstar als elektrische Alternative

Und bei Eifelland, einst eine bekannte Wohnwagenmarke, die zeitweise auch zur Knaus-Tabbert-Gruppe gehörte, heute aber wieder eigenständig ist, taucht der Nissan Interstar als Basisfahrzeug auf. Er ist baugleich mit neuen Renault Master, den die Eifelländer als erste in einen Camper-Van verwandelten. Da Renault aber eine exklusive Kooperation mit dem Speyerer Hersteller Ahorn Camp eingegangen ist, wechselt Eifelland zum 6,32 Meter langen Interstar, der mit einem 150 oder 170 PS starken Diesel angeboten wird, aber auch mit rein elektrischem Antrieb und 143 PS bestellt werden kann.

Der Nissan hat eine 87-kWh-Batterie an Bord, die eine WLTP-Reichweite von 410 Kilometer verspricht. Ein Wert, der wegen der zusätzlichen Pfunde des Eifelland-Ausbaus aber noch zu relativieren ist. Der Grundriss sieht auf der Fahrerseite hinter den Frontsitzen eine Längsküche vor, der sich eine Face-to-Face-Sitzgruppe für zwei Personen vor dem ausziehbaren Bett anschließt. Der Eifelland e-Interstar Relax ist ab 84.900 Euro zu haben und damit rund 25.000 Euro teurer als der günstigste Diesel.

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