Nach Konzerninsolvenz Kupplungsspezialist Westfalia versucht den Neustart

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

Nach dem Zusammenbruch des Firmenkonglomerats First Brands im Herbst 2025 sind einige deutsche Zulieferer im Insolvenzverfahren. Der Anhängerspezialist Westfalia Automotive kann sich scheinbar aus dem Strudel des Untergangs befreien. 

Kupplungen von Westfalia soll es weiter geben: Das Unternehmen wagt den Neustart (Bild: Auszug aus dem Katalog 2025).(Bild:  Westfalia)
Kupplungen von Westfalia soll es weiter geben: Das Unternehmen wagt den Neustart (Bild: Auszug aus dem Katalog 2025).
(Bild: Westfalia)

Innerhalb der kriselnden Branche der Automobilzulieferer versucht die insbesondere für Anhängerkupplungen bekannte Firma Westfalia einen Neustart. Seit dem 16. Februar firmiert das Unternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück als Westfalia Automotive Group. Entscheidend dabei ist nicht der Name, sondern dass das Unternehmen nun „unter neuer Führung und Eigentumsstruktur“ läuft, wie es in einer Mitteilung heißt.

Hintergrund ist, dass Westfalia mitsamt seinen europäischen Töchtern wie Siarr in Frankreich oder Monoflex in Schweden schon seit 2016 nicht mehr selbstständig war, sondern damals an einen amerikanischen Investor verkauft worden war. Im Jahr 2023 wurde Westfalia dann Teil der First Brands Group, einem US-amerikanischen Zulieferer-Konglomerat. Und das ging im September 2025 spektakulär in die Insolvenz. Der „Merkur“ spricht von „US-Skandalkonzern“, First-Brands-Gründer Patrick James wird schwerer Betrug vorgeworfen.

First Brands hatte in den 2020er Jahren zahlreiche Firmen aus der Zulieferer- und Aftermarketbranche übernommen – und war laut Presseberichten auf 50 Produktionsstätten gewachsen. Doch die Skalen- und Effizienzeffekte konnten mit dem wachsenden Schuldenberg scheinbar nicht mithalten. Das „Manager Magazin“ berichtete von Schulden in Höhe von elf Milliarden Dollar.

Die First-Brands-Insolvenz brachte zusätzliche Unruhe in die deutsche Zulieferer-Industrie, da einige hochspezialisierte und technikführende deutsche Unternehmen zu dem Firmenkonglomerat gehören. Darunter sind Diepersdorf Plastic Manufacturing, einst bekannt als Bolta-Werke, der Spezialist für Umformtechnik Cofo PWK, der Dichtungshersteller Meteor und der LED-Lichtspezialist Ultinon (früher Lumileds), die alle Insolvenz anmeldeten. Und dann ist da eben noch Westfalia.

Herauslösung aus Gesamtkonzern

Bereits Ende des Jahres 2025 gab es Spekulationen zur Herauslösung der Westfalia-Gruppe aus dem insolventen Konzern. „Ein Herauslösen wäre sowohl finanziell als auch haftungsrechtlich komplex – aber die naheliegendste Option, um die Eigenständigkeit zu sichern“, schrieb „Investment Week“. Auf der Habenseite hatte Westfalia noch immer die zentrale Rolle im Geschäft mit Anhängerkupplungen – das Unternehmen die erste Anhängerkupplung mit Kugelkopf und später abnehmbare Anhängerkupplungen – und profitable Jahresabschlüsse.

Die Herauslösung von Westfalia aus dem First-Brands-Konglomerat scheint nun geglückt zu sein. „Die Abspaltung und das Rebranding ermöglichen nicht nur den Erhalt von Unternehmenswerten, sondern sichern Tausende europäische Arbeitsplätze in der Produktion“, wird Michael Scott, Independent Director der Westfalia-Automotive Group, in einer Pressemitteilung des Kupplungsspezialisten zitiert. Man wolle die Position als Premiummarke in der Anhängerindustrie erhalten.

Mit der Unterzeichnung der Übertragungsvereinbarung ist die Grundlage gelegt für einen Neustart jenseits der Probleme der First Brands Group. Die Westfalia Automotive Group werde durch die finanzielle Unterstützung wichtiger Finanzierungspartner gestärkt, heißt es in der Mitteilung weiter. Wer die Investoren sind, wurde bislang nicht bekannt.

Westfalia-Automotive ist nach eigenen Angaben Marktführer in Europa und einer der weltweit führenden Hersteller von Anhängerkupplungen und Fahrradträgern für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen beliefert Automobilhersteller, Großhändler und Händlernetzwerke.

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