Die Berichterstattung rund um die Corona-Pandemie drängt ein Thema immer weiter in den Hintergrund: Die Flutkatastrophe, die Mitte 2021 einige Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zerstört hat. Man könnte fast meinen, dort sei die Welt wieder in Ordnung – aber das ist weit gefehlt. Viele Menschen sind traumatisiert.
Mit dem vom ZKF zur Verfügung gestellten Bus wird die Seelsorge im Ahrtal mobil.
(Bild: Wenz | F+K)
Im Ahrtal – insbesondere zwischen Ahrweiler und Dernau – wird einem die Gewalt des Wassers vor Augen geführt: Zerstörte Häuser – teilweise unbewohnbar, teilweise erst ab dem ersten oder zweiten Stock bewohnbar – zerstörte Brücken und Straßen, nicht mehr nutzbare Schulen und Kindergärten, weggespülte Bahngleise, unterspülte Friedhöfe, keine Gas- und Stromversorgung usw.; diese Schreckensliste lässt sich nahezu beliebig fortführen. Verursacht hat das alles eine durch starke Regenfälle ausgelöste Flut im Juli dieses Jahres, von der Gebiete in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz betroffen waren.
Fünf Monate nach der Flut sind ihre katastrophalen Ausmaße noch erkennbar.
(Bild: Wenz | F+K)
Doch die obige Katastrophenbeschreibung ist kein halbes Jahr alt. Vielmehr handelt es sich um einen Eindruck, der erst vor ein paar Tagen entstand. Und dadurch wird unmissverständlich klar: die Menschen in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten brauchen Hilfe – und zwar noch lange Zeit. Dennoch berichtet Pastor Arnd Kolla, Evangelische Katastrophenhilfe, dass in den vergangenen Monaten schon sehr viel passiert sei. Tausende von freiwilligen Helfern hatten sich ins Ahrtal aufgemacht, um beim Aufräumen zu helfen. Sie seien teilweise mit privaten Schaufeln und Spitzhacken bewaffnet durch die Straßen gezogen, um den Schutt zu beseitigen, hätten beim Leerräumen und Trockenlegen der Häuser und Ladenlokale geholfen und vieles mehr. Und die Menschen an der Ahr waren ob dieser großen Hilfe und Solidarität einfach nur dankbar. Doch in fast allen, in den Monaten Juli bis September, geführten Gesprächen schwang immer eine Angst mit: „Was ist später, wird man die Opfer und Betroffenen der Flutkatastrophe einfach vergessen?“
Tatsächlich ist es ruhiger geworden im Ahrtal. Die großen Helfercamps gibt es nicht mehr, und die freiwilligen Helfer werden immer weniger. Und so wird es gerade in der vorweihnachtlichen und sogenannten dunklen Jahreszeit auch einsamer für die Menschen im Ahrtal – sie benötigen eine weitere Hilfe, ganz konkret Seelsorge. Denn nun kommen Fragen auf, wie „wo werde ich im Winter wohnen, wie soll es weitergehen, wie kann ich heizen und wie sollen wir Weihnachten feiern?“ Die Spendenbereitschaft ist nach wie vor vorhanden, wie beispielsweise die Weihnachtspäckchen-Aktion, die Einraum-Heizungenaktion (Wärme fürs Ahrtal) und die vielen Geldzuwendungen zeigen. Auch der ZKF hat mit seinem Spendenaufruf für von der Flutkatastrophe betroffene Betriebe viel Geld gesammelt (siehe auch / und).
Doch was immer mehr benötigt wird ist die persönliche Ansprache, das tröstende bzw. mutmachende und auch helfende Wort. Das hat auch Klaus Steinforth, ZKF-Vorstandsmitglied, K&L-Unternehmer und einer der vielen freiwilligen Helfer, erkannt. Gemeinsam mit dem Verein für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau „Die AHRche e.V.“ und dem Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) entstand die Idee der mobilen Seelsorge und Beratung. Beides sollte mittels eines Busses zu den Menschen gebracht werden.
Die ARHche engagiert sich seit der Katastrophe im Ahrtal mit verschiedenen Maßnahmen. Angefangen hatte dies beispielsweise mit der Zurverfügungstellung von sanitären Anlagen – denn nach der Flutkatastrophe hatten die Menschen im Ahrtal wirklich nichts mehr. Darüber hinaus wurden Sach- und Geldspenden gesammelt und verteilt sowie die Verpflegung für Betroffene und Helfer organisiert. So leistete die Katastrophenhilfe einen wertvollen Beitrag zum Wiederaufbau und in der Organisation von Hilfe.
Doch zurück zum Bus: Michael Grabig, Geschäftsführer des Karosseriefachbetriebs Schierling, konnte durch seine guten Kontakte einen erschwinglichen Linienbus besorgen. Dieser wurde im Düsseldorfer Karosserie- und Lackierbetrieb Thedens lackiert und mit dem ZKF-Branding versehen. Im Betrieb von Klaus Steinforth in Grevenbroich wurden Technik, Innenraum und mithilfe der Firma Breuer & Schneider die Elektrik, inkl. der notwendigen Kabelkanäle, auf Vordermann gebracht. Letztlich kümmerte sich das Unternehmen Hecka aus Rotthalmünster um den Innenausbau des Busses. Dafür holte die Familie Hecka den Bus in Grevenbroich ab und brachte ihn nach dem Innenausbau auch dorthin zurück.
Entstanden ist ein Bus mit zwei Räumen und einem Zwischenflur. Im hinteren Teil des Busses befindet sich ein Büroraum mit zwei Arbeitstischen – groß genug, um bei eventuellen Beratungsgesprächen auch einmal Baupläne ausbreiten zu können. Der Raum im vorderen Teil des Busses ist deutlich gemütlicher eingerichtet. Hier soll die Seelsorge stattfinden. In beiden Räumen gibt es 220V-Stromanschlüsse
Insgesamt werden sieben Seelsorger mit dem Bus unterwegs sein, berichtet Pastor Arnd Kolla. Derzeit sei man dabei einen Einsatzplan für den Bus zu erstellen, und zwar so, dass immer mindestens ein Seelsorger mit an Bord sei. Der Büroraum kann bei Bedarf von Beratern, beispielsweise Architekten, genutzt werden.
Pastor Arnd Kolla und Lukas Bornschlegl, Geschäftsführer AHRche e. V., sind dankbar und freuen sich, über das Engagement des ZKF im Ahrtal. Der Einsatz des Busses ist zeitlich nicht begrenzt und kann sicherlich dazu beitragen, dass die Menschen im Ahrtal sich nicht vergessen fühlen.
Stand: 08.12.2025
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AHRche-Geschäftsführer Lukas Bornschlegl begrüßt Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Ahrweiler.
(Bild: Stephan F. F. Dinges)
Auch die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist schon auf das Projekt aufmerksam geworden. Sie besuchte kürzlich das Ahrtal, um sich über den Fortschritt des Wiederaufbaus ein Bild zu machen. Dabei ließ sie es sich nicht nehmen, auch den ZKF-Seelsorge-Bus genauer unter die Lupe zu nehmen und sich beim ZKF für das tolle Engagement des Branchenverbands zu bedanken.