Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2025 (WKST) Was bringt das gebrauchte Ersatzteil wirklich?

Aktualisiert am 14.02.2025 Von Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz 4 min Lesedauer

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Gebrauchte Ersatzteile bei der Unfallreparatur sollen künftig die Nachhaltigkeit der Reparatur erhöhen und die Kosten senken – so die Vorstellung der Allianz. Der ZKF hat hier große Bedenken. Die WKST am 21. und 22. März 2025 liefern Antworten auf noch offene Fragen.

Mehr als 1.200 Teilnehmern konnten die 90 Aussteller auf den WKST im vergangenem Jahr ihre Innovationen zeigen.(Bild:  Stefan Bausewein)
Mehr als 1.200 Teilnehmern konnten die 90 Aussteller auf den WKST im vergangenem Jahr ihre Innovationen zeigen.
(Bild: Stefan Bausewein)

Wenig wird in letzter Zeit so heftig diskutiert, wie die Ankündigung der Allianz, künftig bei der Unfallreparatur auch gebrauchte Ersatzteile einsetzen zu wollen. Die Allianz will dadurch die CO2-Emissionen bei der Unfallinstandsetzung senken. Zudem reagiert der Versicherungskonzern damit auf die explodierenden Kosten in der Unfallreparatur, die zu einem Großteil auf exorbitante Preissteigerungen durch die Fahrzeughersteller bei Ersatzteilen zurückzuführen sind. Bis zu 420.000 Tonnen CO2 ließen sich dadurch einsparen, so die Schätzung des Versicherungskonzerns. Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) hegt große Bedenken, was den Einsatz von gebrauchten Ersatzteilen angeht. Mitte Januar konkretisierte der Verband seine Kritik in einer gemeinsamen Presseerklärung mit der Eurogarant Auto Service AG (»Fahrzeug+Karosserie«-Online berichtete). Acht ungeklärte Punkte führte der Verband an:

  • Ein gebrauchtes Ersatzteil wird nach der Verwendung in der Reparatur mindestens die doppelte Schichtdicke aufweisen, was insbesondere bei Leasingrücknahmen zu Problemen führe.
  • Soll eine Werkstatt in ein neu startendes Garantieversprechen eintreten, ohne zu wissen, welchen Weg das Teil bisher genommen hat?
  • Ist es für die Werkstatt möglich, bei einem gebrauchten Ersatzteil die Herkunft einwandfrei zu erkennen und bei Aftermarket-Ersatzteilen sicherzustellen, dass das Teil den gleichen Anforderungen wie das Originalersatzteil entspricht?
  • Elektronische Bauteile (alle mit einem Steuergerät) sind in vielen Fällen mit den Steuergeräten des Fahrzeuges „verheiratet“, die Verwendung mit anderen VIN-Nummern ist oft nicht möglich.
  • Tragende und sicherheitsrelevante Bauteile müssen aus diesem gesamten Verwendungsprozess ausgeschlossen werden.
  • Die auskömmliche Marge für die Werkstatt muss auch für zusätzliche Arbeiten an den gebrauchten Teilen gelten.
  • Zusätzliche Zeit und Kosten für Montage und Entsorgung von Anbauteilen sowie das Handling müssen übernommen werden.
  • Die wichtige Ersatzteilmarge für gebrauchte und Erstausrüsterersatzteile bei der Rendite muss vergleichbar bleiben.

Für die Allianz sind viele der vom Verband angeführten Punkte bereits geklärt. Beispielsweise stehe der Werkstatt auch bei der Verwendung von gebrauchten Ersatzteilen eine angemessene Marge zu. Dominik Hertel, Schaden Allianz Versicherungs-AG, sagt: „Das war von Beginn an klar und wurde so auch von uns kommuniziert. Der Einsatz von gebrauchten Ersatzteilen soll einen hohen ökologischen Nutzen bringen. Gleichzeitig ist es das Ziel, bei keinem der Beteiligten finanzielle Nachteile zu verursachen.“ Zudem sei schon seit Beginn der Diskussion um gebrauchte Ersatzteile klar gewesen, dass die Kosten einer Reparatur mit einem gebrauchten Ersatzteil eine eigene Kalkulation erforderten und nicht 1:1 vergleichbar einer Reparatur mit einem Neuteil seien.

Ziel soll es aus Sicht des Versicherers sein, dass marktweit eine möglichst breit abgestimmte Lösung für die Kalkulation des Mehraufwandes erreicht werde, um den Verwaltungsaufwand bei Gutachten-, Kostenvoranschlags- und Rechnungsstellung sowie der gegebenenfalls erforderlichen Prüfung zu minimieren.

Ob und wie dies gelingen kann, dem gehen die Würzburger Karosserie- und Schadenstage am 21. und 22. März 2025 im Vogel Convention Center nach. Neben der technischen und kostenmäßigen Sicht auf das Thema spielt auch die rechtliche Seite eine wichtige Rolle: Was wird dem Geschädigten geschuldet? Muss er akzeptieren, dass sein Fahrzeug mit gebrauchten Teilen repariert wird? Auch darauf gehen die WKST ein – und zwar höchstrichterlich. Dr. Oliver Klein, Richter am BGH, sagt beispielsweise: „Die 130-Prozent-Klausel beim Kfz-Unfallschaden ist die große Anomalie des deutschen Schadensersatzrechts. Nirgendwo sonst erhält der Geschädigte mehr als 100 Prozent des ihm entstandenen Schadens ersetzt.“

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2025

Würzburger Karosserie- und Schadenstage

Was bedeutet Nachhaltigkeit im K&L Betrieb? Bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen am 21./22. März 2025 werden die wichtigsten Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Reparatur und im betrieblichen Umfeld aufgegriffen, mögliche Risiken gegenüber gestellt und die Außenwirkung sowie Chancen beim Recruiting und der Kundengewinnung betrachtet.

Die Moderatoren der Veranstaltung, Timm Diesbach (Voigt) und Konrad Wenz (»F+K«) mit Branchenvertretern über deren Erfahrungen mit Gebrauchtteilen bei der Unfallinstandsetzung. Letztlich heißt eine Alternative zum Teileersatz natürlich Reparatur. Dies ist sicherlich die Reparaturmethode, die am wenigsten CO2-Emissionen verursacht. Auch damit beschäftigen sich die WKST. Erleben Sie live, was dabei rauskommt, wenn ein Schaden mittels Gebraucht- beziehungsweise Neuteil oder durch eine handwerklich anspruchsvolle Reparatur instand gesetzt wird. Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage veranstalten die Fachmedien »kfz-betrieb« und »Fahrzeug+Karosserie« in Kooperation mit Voigt Rechtsanwälte und dem ZKF. Unterstützt wird das Event von den Sponsoren Carbon, Dekra, Fix Auto und Nexa Autocolor sowie den Businesspartnern AZO, BASF Coatings, Bosch, GT Motive, Heni, PDR.Cloud, Innovation Group und Riparo sowie vielen weiteren Ausstellern.

Mehr Informationen und die Anmeldung finden Sie unter: www.karosserie-schadenstage.de  (we)

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