Jubiläum Polo: 50 Jahre kleiner Golf

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Mit über 20 Millionen verkauften Fahrzeugen in sechs Generationen gilt der Polo als eines der erfolgreichsten Modelle seiner Klasse. In diesem Jahr wird der kleine Bruder des Golf ein halbes Jahrhundert alt – ein Rückblick.

Audi 50 und VW Polo basieren auf dem Entwicklungstyp K50 von NSU, der als Nachfolger für den legendären NSU Prinz dienen sollte. 1969 fusionierten die damalige NSU AG und die zum Volkswagen-Konzern gehörende Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG mit Sitz in Neckarsulm. (Bild:  Volkswagen)
Audi 50 und VW Polo basieren auf dem Entwicklungstyp K50 von NSU, der als Nachfolger für den legendären NSU Prinz dienen sollte. 1969 fusionierten die damalige NSU AG und die zum Volkswagen-Konzern gehörende Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG mit Sitz in Neckarsulm.
(Bild: Volkswagen)

Als in den 1970er-Jahren die Ablösung des inzwischen kaum mehr erfolgreichen VW Käfers anstand, hatte Volkswagen gleich mehrere Pfeile im Köcher: 1973 kam der Passat auf den Markt, ein Jahr später folgte der Golf und 1975 startete der Polo. Kein Volkswagen zuvor war so kurz und zierlich. Eine Klasse unter dem Golf angesiedelt, rundete der Polo die damals neue Modellfamilie mit Frontantrieb perfekt ab. Dabei basiert der im März 1975 vorgestellte Kleinwagen auf einem Audi, genauer gesagt dem „50“. Leicht abgewandelt geht er als VW Polo in Wolfsburg in Serie – dort, wo auch das Modell aus Ingolstadt gebaut wird. Beide Modelle gingen auf den Prototyp K50 der zuvor übernommenen NSU Motorenwerke zurück. Zunächst ist der Polo die Sparversion des etwas besser ausgestatteten Audi 50, dessen Produktion Mitte 1978 eingestellt wurde. Die technischen Unterschiede umfassten geringeren Hubraum, den Entfall einer Startautomatik am Vergaser und Ersatz durch einen einfachen Choke-Zug sowie lediglich Trommelbremsen an der Vorderachse und Diagonalreifen.

Mit klarem Design und hoher Funktionalität trifft der Polo den Nerv der Zeit. Effizient, praktisch und erschwinglich, zeichnet sich das Leichtgewicht auch durch Agilität, gutes Fahrverhalten sowie wirtschaftliche und leistungsstarke Motoren aus. Im Februar 1979 gab es ein Facelift, das den Kühlergrill und die Stoßfänger (nunmehr aus Kunststoff) umfasste. Die Armaturentafel wurde ebenfalls neu gestaltet, mit einer Leiste aus Holzimitat versehen und erhielt eine Ablagebox. Zudem erschien der 44 kW (60 PS) starke Polo GT auf dem Markt. Bereits ab Februar 1977 konnten Kunden unter dem Namen Derby auch eine Stufenheckvariante des Wolfsburgers ordern. Von der ersten Generation des Polo, intern Typ 86 genannt, entstanden bis 1981 circa 753.900 Einheiten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 15 Bildern

86C, der Marathonläufer

Im September 1981 stellte VW den Nachfolger der ersten Polo-Generation auf der IAA vor, der zunächst nur mit Steilheck erhältlich war. Mit einem für diese Klasse großzügigen Kofferraum, der durch Umlegen der Rückbank vergrößert werden kann, lassen sich selbst Güter von der Größe einer Waschmaschine transportieren. Im Februar 1982 folgte die Neuauflage der Stufenheckvariante Derby. Die Schrägheckvariante Polo Coupé folgte im August 1982 und war von Anfang an eher auf Sportlichkeit ausgelegt. Deshalb war der neu entwickelte 1,3-l-55-kW-Motor (75 PS) vorerst auch nur für das Coupé in der neuen Ausstattungsvariante GT erhältlich. Produziert wurde der „neue“ Polo von 1981 bis Juli 1994 in den Werken Wolfsburg, Mosel und Pamplona (Spanien) insgesamt in rund 1,7 Millionen Einheiten. Der intern Typ 86C genannte Wagen wurde insgesamt 13 Jahre lang gebaut – fast so lange wie der Vorgänger 86 und der Nachfolger 6N zusammen.

Im Oktober 1990 erfolgte eine umfassende Modellpflege des Polos. Im Innenraum fand ein neues Armaturenbrett mit mehr Ablagen, höher gelegtem Radioschacht, Drehreglern für Heizung und Lüftung und neu gestalteten Instrumenten Platz. Außerdem wurden mit der Modellpflege neue Lenkräder, vollverkleidete Türen und hintere Seitenwände, neue Lenkstockhebel und erstmals zwei vordere Lautsprecherschächte eingebaut. Technikseitig verbesserten die Ingenieure den Cw-Wert des Polo 86C um 10 Prozent, indem sie unter anderem die Heckscheibe bei Steilheck und Coupé bündig verklebten und den Vorderwagen abrundeten. Bereits im Juli 1984 brachte Volkswagen das spartanisch ausgestattete Sondermodell Fox auf den Markt. Es kostete rund 1.000 DM weniger als das C-Modell und sollte die Kunden ansprechen, die bis dahin wegen des niedrigen Preises einen Käfer gewählt hatten. Der 29-kW-Motor (39 PS) kam in Verbindung mit einem 4-Gang-Schaltgetriebe zum Einsatz. Auf Extras wie Uhr, Tageskilometerzähler, Zigarettenanzünder, Handschuhfachklappe, abschließbaren Tankdeckel und feste Hutablage (diese war als Spanntuch ausgeführt) wurde verzichtet. Durch ein modisches Design sollte auch eine jüngere Kundschaft angesprochen werden.

Erstmals als Fünftürer

Die dritte Generation des Polo (intern Typ 6N genannt) wurde im September 1994 vorgestellt und war eine völlige Neuentwicklung. Der Polo III war der erste Polo, den es drei- und fünftürig gab. Für diesen Polo, den Golf III und den Seat Ibiza II nutzte Volkswagen eine Gleichteilstrategie. Eine Vielzahl von Komponenten und alle Aufhängungskomponenten waren unter den drei Modellen austauschbar. Ab 199 gab es zudem eine viertürige Limousine unter dem Namen „Polo Classic“, „Limousine“ oder „Derby“ und den fünftürigen Kombi „Polo Wagon“ oder „Variant“. Antriebsseitig konnten Kunden zwischen Ottomotoren von 33 kW (45 PS) bis 92 kW (125 PS) sowie Dieselmotoren von 42 kW (57 PS) bis 81 kW (110 PS) Leistung sowie zwischen einem Fünfgang-Schaltgetriebe oder einer 4-Stufen-Automatik wählen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Besonders bekannt ist das vierfarbige Sondermodell „Harlekin“ – ursprünglich nur mit 20 Fahrzeugen (Ur-Harlekin) für Werbezwecke als Symbol für das Baukastenprinzip der Ausstattungsmodule gebaut. Aufgrund der Nachfrage nach dem bunten Polo ging die Modellvariante in Serie. Angeblich wurden in der Zeit von 1995 bis Anfang 1997 nur 3.806 Fahrzeuge ausgeliefert. Es gab den Polo Harlekin in vier verschiedenen Farbkombinationen, die sich der Kunde bei der Bestellung nicht aussuchen konnte. Die Farbgestaltung war nach einem festen Muster vorgegeben, wobei niemals zwei Flächen gleicher Farbe nebeneinanderliegen durften.

Ur-Polo auf der Bremen Classic Motorshow

Die deutlich gewachsene vierte Generation bietet ab 2002 ein neues Level an Komfort und Sicherheit, so gibt es Front- und Seitenairbags, Servolenkung und ABS serienmäßig. Im Polo V halten digitale Innovationen Einzug: Infotainment- und Assistenzsysteme machen das Fahren ab 2009 komfortabler denn je. Auch im Motorsport beeindruckt der Polo V: Mit dem Polo R WRC holt Volkswagen ab 2013 viermal in Folge den Titel bei der Rallye-Weltmeisterschaft. Die sechste Generation basiert auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) und bietet ein Plus in Sachen Vernetzung, Sicherheit und Fahrdynamik.

Volkswagen Classic begleitet den Polo in seinem Jubiläumsjahr und präsentiert in den kommenden Monaten historische Modelle aus der eigenen Sammlung. Den Auftakt macht die Bremen Classic Motorshow vom 31. Januar bis 2. Februar. Hier sind zwei frühe Exemplare zu sehen: ein ozeanicblauer Polo L von 1975 und ein einzigartiger Bergrenn-Polo von 1977.

(ID:50289524)