Die Karriere von Hans Herrmann war geprägt von zahlreichen Siegen und unvergesslichen Momenten. Seine technische Versiertheit und seine Fähigkeit, unter den härtesten Bedingungen zu fahren, machten ihn zu einem der erfolgreichsten Rennfahrer seiner Zeit. Jetzt ist er im Alter von 97 Jahren gestorben.
Nicht vielen Menschen gelingt es ein Alter von 97 Jahren zu erreichen, zumal wenn sie einst den ristkanten Beruf des Rennfahrers ausübten. Hans Herrmann war es vergönnt.
(Bild: Porsche AG/Mercedes-Benz AG)
Rennfahrer werden? „So ein Quatsch, kommt gar nicht in die Tüte!“ hätte Hans Herrmanns Mutter vermutlich gesagt. Schließlich sollte der Hans nach dem Abschluss seiner Konditorlehre das mütterliche Cafè übernehmen. Doch darauf hatte der am 23. Februar 1928 geborene Stuttgarter nur wenig Lust. Stattdessen kaufte er sich 1947 einen Vorkriegs-BMW und verdiente seinen Unterhalt als Chauffeur und Fuhrunternehmer.
1951 konnte er sich einen Porsche 356 kaufen, mit dem er im Februar 1952 an der 1. Hessischen Winterfahrt, seinem ersten Rennen, teilnahm. Im selben Jahr startete Herrmann auf dem Nürburgring erstmals bei einem Rundstreckenrennen und gewann. Schon 1953 gehörte er zum Porsche-Werksteam und holte hier für die junge Marke einen Klassensieg bei der Mille Miglia in Italien auf einem Porsche 550 Coupe ein. Im Jahr darauf gewann er seine Klasse beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und sicherte sich den Titel des Deutschen Sportwagenmeisters.
Auf den erfolgreichen Schwaben wurde auch ein anderes, im Motorsport engagiertes Stuttgarter Unternehmen aufmerksam: 1954 berief Mercedes-Benz Hans Herrmann ins Werksteam. Parallel ging der rasende Konditor weiterhin für Porsche in den kleineren Hubraumklassen an den Start und wurde 1954 im 550 Spyder Klassensieger bei der Carrera Panamericana und der Mille Miglia. Letzteres Rennen hat es mit einer besonders spektakulären Momentaufnahme in die Geschichtsbücher geschafft: Herrmann pilotierte den offenen Mittelmotorsportwagen unter einer sich schließenden Bahnschranke hindurch. Später betitelt er das Motiv als Briefkarte mit den Worten: „Glück muss man haben.“
Für zwei Marken gleichzeitig am Start
Alfred Neubauer, seiner Zeit Leiter der Mercedes-Benz-Rennabteilung, sah den damals Sechsundzwanzigjährigen für den Wiedereinstieg der Marke in den Grand-Prix-Sport vor, neben Größen wie Juan Manuel Fangio und Karl Kling. Umgehend bewies Herrmann sein Talent auch in der Königsklasse des Motorsports. Schon bei der Premiere der neuen Silberpfeile W 196 R beim Großen Preis von Frankreich am 4. Juli 1954 fuhr Herrmann die schnellste Rundenzeit und errang in der laufenden Saison zwei Podiumsplatzierungen. Im Training zum Großen Preis von Monaco im Mai 1955 verunfallte Herrmann und wurde vor allem an der Hüfte so schwer verletzt, dass er in der laufenden Saison nicht mehr starten konnte. Doch er kämpfte sich zurück in den aktiven Motorsport. Der Volksmund nennt ihn „Hans im Glück“ wegen einiger überstandener, schwerer Unfälle.
Nach dem tragischen Unfall in Le Mans 1955, bei dem 84 Zuschauer ums Leben kamen, zog sich die Daimler-Benz AG im Oktober 1955 vom Rennsport zurück. Doch Hans Herrmann blieb der Marke mit dem Stern eng verbunden. Unter anderem nahm er 1961 mit einem Mercedes-Benz 220 SE „Heckflosse“ Rallyefahrzeug (W 111) am Großen Straßenpreis von Argentinien teil. Er kam auf dem 2. Platz ins Ziel und komplettierte damit zusammen mit dem Sieger Walter Schock, ebenfalls in einem Mercedes-Benz 220 SE, den Doppelsieg bei diesem Langstreckenrennen über mehr als 4.500 Kilometer. Es folgten Stationen bei Borgward, B.R.M., Cooper, Maserati, Veritas und immer wieder Porsche.
Das Rennen seines Lebens
Im Jahr 1960 triumphierten Olivier Gendebien und Herrmann mit einem 718 RS 60 Spyder bei den 12 Stunden von Sebring – der erste Gesamtsieg von Porsche in einem Rennen zur Langstrecken-Markenweltmeisterschaft. Wenig später gewann Herrmann gemeinsam mit Joakim Bonnier im Porsche RS 60 Spyder die Targa Florio, im selben Jahr ließ er sich als Formel-2-Europameister mit dem Porsche 718/2 feiern. 1962 wechselte er zu Carlo Abarth, um bei dem Wiener Konstrukteur ab 1963 Werksfahrer zu werden. 1966 kehrt er in die Porsche-Werksmannschaft mit den Rennfahrern Jo Siffert, Vic Elford, Rolf Stommelen, Udo Schütz und Gerhard Mitter zurück.
Das härteste Rennen seines Lebens stand Herrmann 1970 mit dem Porsche 917 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans bevor. „1969 habe ich den Sieg knapp an Jacky Ickx verloren, nachdem wir uns die letzten eineinhalb Stunden des Rennens in jeder Runde ein paar Mal überholt hatten. 1970 sorgte Ferdinand Piëch dafür, dass wir mit einem stärkeren Motor echte Siegchancen hatten. Dass ich genau ein Jahr nach dem knapp verpassten Sieg in Le Mans gewinnen konnte, war natürlich speziell. Außerdem war es der erste Gesamtsieg für Porsche – und es war mein letztes Rennen“, sagte Herrmann rückblickend. Zu viele Freunde hatte er bis zu diesem Junitag schon verloren, seine Frau sorgte sich und auch Herrmann war klar: „Es kann ja nicht sein, dass ausgerechnet ich so viel Glück habe, und irgendwann ist diese Phase vielleicht zu Ende.
Stand: 08.12.2025
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Dem Motorsport blieb der Ausnahmefahrer bis zu seinem Tod immer eng verbunden – insbesondere als Markenbotschafter von Mercedes-Benz Heritage. Bei zahlreichen Klassik-Veranstaltungen bewies er bis ins hohe Alter sein Feingefühl für unterschiedliche Rennfahrzeuge. Und am Rande dieser Einsätze war er immer gern bereit für ein freundliches Gespräch mit Fans. Für die achtmalige Teilnahme an der Targa Florio ehrte die Stadt Collesano Hans Herrmann im Oktober 2012. Und auch seine enge Verbindung zu Porsche blieb. Er begleitete das Porsche Museum noch Jahrzehnte nach dem Rückzug aus dem aktiven Rennsport im Alter von 42 Jahren bei seinen Fahreinsätzen auf renommierten Klassik-Veranstaltung rund um den Globus. Hans Herrmann hinterlässt seine Frau Magdalena und zwei Söhne sowie einen Enkel.