Autoforensik

So werden Oldtimerfälscher enttarnt

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Mit Ultraschall lassen sich verdächtige Unterschiede bei der Materialstärke zutage fördern. Mit ätzender Säure kommt der Forensiker umgeschlagenen Fahrgestellnummern auf die Schliche. Mit dem mobilen Röntgengerät, das er von einem Tierarzt übernommen hat, findet er versteckte Schweißnähte und verdächtige Veränderungen im Material.

Nicht jede versteckte Reparatur ein Frevel

Nach über zehn Jahren im Job, nach tausenden Untersuchungen und zahllosen Gutachten auch für Gerichte und Behörden kennt Hoffmann mittlerweile nicht nur die verdächtigsten Kandidaten und kann Porsche 911, Mercedes 300 SL und so manchen Maserati oder Ferrari sprichwörtlich blind auseinander und wieder zusammenbauen. Er hat auch ein gutes Gespür für die Originalität und deckt mit seinen Methoden die meisten Modifikationen auf.

Nur mit dem Urteil tut sich der Experte noch immer schwer: „Natürlich ist nicht jede Reparatur ein Frevel oder eine Fälschung, sondern gehört oft einfach zum Auto dazu.“ Rennwagen zum Beispiel seien über die Jahre immer wieder verbessert worden, und niemand könne dem Besitzer eines Oldtimers einen Vorwurf machen, wenn er einen Unfallschaden repariere.

„Wichtig ist nur, dass die Geschichte dazu stimmt und Transparenz gewahrt wird. Erst wenn solche Arbeiten verschwiegen werden, fängt die Sache an zu stinken.“ Und dieser „Gestank“ stört Sammler bei ihren millionenschweren Schätzen genauso wie die Besitzer von bürgerlicheren Liebhaberautos – und natürlich auch die Versicherungen und die Behörden.

Zwar seien Oldtimer für Liebhaber, Sammler und Fans alter Autos oft eine emotionale Herzensangelegenheit, schreibt der TÜV Rheinland auf seiner Website, mahnt aber nicht zuletzt wegen der Zulassung zu Sachlichkeit.

Gutachten nicht gleich Gutachten

Denn für das begehrte H-Kennzeichen müssen Autos nicht nur 30 Jahre alt sein, sondern sich auch weitgehend im Originalzustand befinden, fassen die Experten die Gesetzeslage zusammen. Im Einzelfall sei es für Laien jedoch schwer zu bewerten, ob es sich bei einem teuer gekauften Wagen um das Originalfahrzeug handelt, um einen Umbau oder eine geschickte Fälschung. Dann sind Sachverständige und Gutachter gefragt.

Gutachten ist dabei nicht gleich Gutachten, sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Analytics in Bochum, der seine Wertermittlungen mit einem bundesweiten Netz an Experten teilt und daraus Oldtimer-Gutachten generiert. Je nach Wert des Fahrzeugs, nach Aufwand und Detailgrad dieser Analyse reiche der Preis dafür von 20 Euro für eine Online-Wertermittlung und wenigen hundert Euro für ein Kurzgutachten bis zu manchmal 1.000 Euro für ein sogenanntes Wiederherstellungsgutachten.

Darin werden detailliert etwa auch alle Reparaturarbeiten protokolliert. „Aber weil sich daran nicht nur der Versicherungstarif bemisst, sondern auch die Entschädigung bei einem Unfall oder einem Diebstahl, ist das Geld auf jeden Fall gut angelegt“, sagt Wilke.

Neues Vertrauen in altes Metall

Auch bei Autoforensiker Hoffmann gibt es eine große Preisspanne. Wenn er seine Sensoren, Sonden, Prüfköpfe und Kameras ansetzt, muss zuvor geklärt werden, welche Analysen gefragt sind, wie lange er an den Probanden schrauben muss, ob er dafür um die Welt fliegen muss oder das Auto zu ihm in die Klassikstadt kommt. Da können dann auch mal fünfstellige Beträge zusammenkommen.

„Aber bei den Millionenwerten, über die solche forensischen Gutachten mitunter entscheiden, spielen solche Beträge am Ende kaum eine Rolle“, sagt er. Ob seine Tiefenanalyse oder ein günstigeres Oldtimer-Gutachten: Eine fundierte Einschätzung sei eine Rückversicherung, sagt Hoffmann. Diese erhöhe schon bei einem Käfer Cabrio oder jedem Youngtimer das Vertrauen ins Fahrzeug und damit den Besitzerstolz.

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