Autoforensik So werden Oldtimerfälscher enttarnt

Quelle: dpa

Oldtimer sind wertvoll wie nie – und deshalb auch für Fälscher immer interessanter. Um sie zu entlarven, setzen Spezialisten auf Methoden wie im Krimi.

Das 300-SLR-Uhlenhaut-Coupé, eine Ikone unter den Oldtimern, wurde kürzlich für einen Rekordwert von 135 Millionen Euro an einen privaten Sammler versteigert.
Das 300-SLR-Uhlenhaut-Coupé, eine Ikone unter den Oldtimern, wurde kürzlich für einen Rekordwert von 135 Millionen Euro an einen privaten Sammler versteigert.
(Bild: Mercedes-Benz)

Von wegen Ölflecken auf dem Boden, Spinnweben in den Fenstern und rostige Ersatzteile in den Regalen: Wer sein Liebhaberauto zu Sebastian Hoffmann bringt, der steht eher in einem Labor als einer Werkstatt.

Statt mit Maulschlüssel und Schraubenzieher rückt der Oldtimerspezialist dem Fahrzeug mit Röntgenkameras, Ultraschallsensoren oder Spektralanalysen zu Leibe. Hoffmann ist kein gewöhnlicher Kfz-Gutachter, sondern einer der wenigen Autoforensiker im Land. Als solcher hilft er Betrügern auf die Schliche zu kommen, die manchmal Millionen scheffeln.

Mit Akribie und Methoden, wie man sie eher aus der Medizin und Krimiserien wie „CSI“ oder dem „Tatort“ kennt, nimmt der Sachverständige für klassische Fahrzeuge bei einer Prüfstelle des TÜV Rheinland in der Frankfurter „Klassikstadt“ – Treffpunkt und Veranstaltungsort für Autofans – PS-Preziosen im Auftrag von Eigentümern, Auktionshäusern oder Kaufinteressenten unter die Lupe. Dabei prüft er, wie authentisch die Autos sind und wie ehrlich die Besitzer deren Geschichte erzählen.

Gute Auftragslage nährt die Zweifel

„Grund zum Zweifel gibt es mehr denn je“, sagt Hoffmann. Zumindest seine gute Auftragslage lässt darauf schließen. Die Werte für Oldtimer steigen derzeit ins fast Unermessliche. Gerade hat das sogenannte Uhlenhaut-Coupé aus der Frühphase des Mercedes-Flügeltürers mit 135 Millionen Euro einen neuen Rekordwert erreicht, wie die Marktbeobachter der US-Versicherung Hagerty berichten.

Zugleich sei es noch nie so leicht gewesen, an falsche Identitäten für ein Fahrzeug zu kommen, warnt Hoffmann. Dabei müssen die Betrüger gar nicht sehr einfallsreich sein: „Ein alter Fahrzeugbrief oder eine herausgetrennte Fahrgestellnummer aus einer Internet-Auktion, und schon mutiert Omas Golf LS zum frühen GTI, und aus dem Porsche 912 vom Schrottplatz in San Diego wird ein 2.7 RS“, sagt Hoffmann.

Am Beispiel der Vollgasikone kalkuliert Hoffmann die Gewinnspanne der Betrüger: „Ein Spenderfahrzeug kostet aktuell etwa 100.000 Euro.“ Für die „freie Identität“ falle der gleiche Beitrag an. Dabei handelt es sich um Fahrzeugscheine von verschrotteten Autos, die nicht in jedem Land entwertet oder geschreddert werden. Für die Umbauten schließlich kämen etwa noch 180.000 Euro hinzu: „Aber das Ergebnis hat dann einen Marktwert von bis zu einer Million Euro – wenn es nicht als Fälschung entlarvt wird.“

Gefälschte Patina für neues Blech

Je wertvoller die Autos, desto aufwendiger sind meist auch die Fälschungen – und desto schwerer legt man Betrügern das Handwerk. Denn Fahrgestellnummern können abgeschliffen und neu eingeschlagen werden, Schweißspuren verschwinden unter dickem Lack. Und selbst nagelneue Rahmen oder Bleche lassen sich so patinieren, dass sie auch noch auf den zweiten Blick als antik durchgehen.

Was mit bloßem Auge nicht zu sehen ist, macht in Hoffmanns Labor die Technik sichtbar: Mit magneto-optischen Prüfverfahren kann der Experte tiefere Schichten des Metalls durchdringen und so die Einschläge selbst abgeschliffener Fahrgestellnummern wieder lesbar machen. Die Spektralanalyse verrät die Zusammensetzung bestimmter Metalle und lässt Rückschlüsse auf deren Alter zu.

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