Ein bisschen der Blick in die Glaskugel, ein bisschen nackte Analyse der letzten großen US-Auktionen: Frank Wilke von Classic-Analytics sieht in Sachen Handel mit dem rollenden Kulturgut zwei Trends: Teure Autos werden immer jünger und im Zustand schlechtere immer weniger wert.
Ging beim Auktionshaus Barrett-Jackson für einen Rekordwert über den Tresen: ein makellos restaurierter 1956 Mercedes-Benz 300SL Flügeltürer für 3,14 Millionen US-Dollar (2,92 Millionen Euro).
(Bild: Barrett-Jackson)
Wer das Wetter vorhersagen möchte, blickt nach oben. Wer etwas in Sachen Handelsmarkt klassische Automobile prognostizieren möchte, der blickt nach Westen. Genauer gesagt in die USA – allen voran nach Scottsdale, einem Stadtteil von Phoenix (Arizona). Hier finden regelmäßig Auktionen für Young- und Oldtimer statt. Ausgetragen nicht von einem Auktionshaus an einem Tag oder so. Nein, gemäß dem amerikanischen Grundprinzip „Size is everthing“ (Größe ist alles) finden hier Auktionen, veranstaltet von mehreren Auktionshäusern, gleich eine ganze Woche lang statt. Das nennt sich dann „Scottsdale auction week“.
Die letzte ging am 28. Januar zu Ende. Sage und schreibe 2.724 historische Fahrzeuge kamen hier unter den Hammer. Davon fanden 2.375 Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von gewaltigen 244,8 Millionen US-Dollar (226,8 Millionen Euro) einen neuen Eigentümer. Das ergibt einen Durchschnittspreis von nicht minder beeindruckenden 103.083 US-Dollar (95.870 Euro). „Diese Zahl blieb zwar hinter der von 2023 zurück, übertraf jedoch die Prognose um satte 23 Prozent“, berichtet Frank Wilke, Geschäftsführer des Marktbeobachters Classic-Analytics. Auf der anderen Seite räumt der Fachmann ein, dass sich der Oldtimermarkt seit mehr als einem Jahr moderat abgekühlt, sprich sich das Kaufverhalten wieder normalisiert hat, nachdem es zuletzt stärker ausgefallen war.
Käufer sind geduldiger und selektiver
Ein Trend, der sich laut den Classic-Analytics-Experten weiter fortsetzen wird, ist der: Gute Autos schnitten in Scottsdale gut ab, weniger begehrte Autos hingegen nicht. Außerdem: Langfristige Investitionen brachten Renditen, bei schnellen Verkäufen sah das anders aus. „Für Fahrzeuge, die in Arizona verkauft und davor innerhalb der letzten vier Jahre versteigert wurden, betrug die mittlere Rendite null Prozent und diese Kurzzeit-Eigentümer hatten eine 50/50-Chance, ihr Geld zurückzugewinnen. Fahrzeuge, die vor 2020 bereits versteigert wurden, wiesen hingegen eine mittlere Rendite von 26 Prozent auf“, listet Frank Wilke die nackten Fakten auf.
So erkennen Käufer im oberen Marktsegment nach wie vor den Mehrwert etablierter Sammlerautos, insbesondere in der Preisklasse über 500.000 US-Dollar. Zwar war die Verkaufsrate in dieser Kategorie deutlich niedriger (44 Prozent im Vergleich zu 85 Prozent im Jahr 2023), aber die Autos, die verkauft wurden, erzielten oft Rekordpreise. 65 Prozent der Autos mit einem Preis über 500.000 US-Dollar wurden über den entsprechenden Classic-Analytics-Notierungen verkauft, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 53 Prozent des Vorjahres darstellte. Zum Beispiel verkaufte das Auktionshaus Barrett-Jackson einen makellos restaurierten 1956 Mercedes-Benz 300SL Flügeltürer – ein echtes „Blue-Chip“-Sammlerstück – für einen Rekordbetrag von 3,14 Millionen US-Dollar (2,92 Millionen Euro). Qualitativ hochwertige Großserienautos schnitten ebenfalls gut ab. Zum Beispiel gingen über 75 Prozent der C2 Chevrolet Corvettes (Baujahr 1963 bis 1967) über den Classic-Analytics-Werten über den Tresen.
Die hochpreisigen Oldtimer werden immer jünger
„Der Druck im Kessel ist geringer geworden, aber das ist nicht unbedingt schlecht. Oldtimerfans, die das Gefühl hatten, vom Markt ausgeschlossen zu werden, können jetzt wieder einsteigen“, stellt Oldtimerkenner Wilke fest. Gleichzeitig festigt sich seiner Ansicht nach der Trend zu immer neueren Sammlerfahrzeugen: „Wir sehen weiterhin, dass moderne Supersportwagen mit etablierten Klassikern um die Spitzenplätze bei hochkarätigen Auktionen konkurrieren.“
So waren bei den Auktionen in Monterey 2019 und 2021 zwei McLaren F1 aus den Neunzigerjahren die größten Verkäufe an den jeweiligen Wochenenden. 2020 war der Spitzenverkauf in Scottsdale ein 1995er Ferrari F50. Und auch dieses Jahr zeichnet sich Scottsdale durch besonders moderne Fahrzeuge aus. Ein zwei Jahre alter Supersportwagen erzielte das höchste Gebot, gefolgt von einem traditionelleren Klassiker auf dem zweiten Platz. Der größte Verkauf der Woche war der Bugatti Chiron Super Sport von 2022 für 5,175 Millionen US-Doller (4,812 Millionen Euro).
Schlechtere Autos verlieren weiter an Wert
Die restlichen Top Ten bestanden aus fünf Supersportwagen, die nach 2005 gebaut wurden. Dies ist der höchste Anteil von Autos aus den 2000er-Jahren in den Top Ten einer Markenauktion überhaupt. Die anderen drei Top-Verkäufe waren jedoch Vorkriegsklassiker. Dies zeigt, dass trotz wechselnder Geschmäcker die Wertschätzung für traditionelle Klassiker weiterhin groß ist.
Unabhängig von den Ergebnissen von (US-)Oldtimerauktionen ist Classic-Analytics-Mann Frank Wilke generell der Ansicht, dass das Interesse an Old- und Youngtimern ungebrochen ist, wenn auch die Verkaufsfrequenz etwas zurückgegangen ist bzw. zurückgehen wird. Die allgemeine Inflation und die Häufung weltweiter Negativmeldungen drücken die Kauflust. Und, wie bereits angesprochen: Jüngere Sammlerfahrzeuge erfahren eine steigende Wertschätzung. „Ein Lexus LFA ist mittlerweile doppelt so viel wert wie ein Toyota 2000GT“, argumentiert Wilke. Und auch im Bereich der Massenfahrzeuge werden Zustand und Qualität ein immer wichtigeres Verkaufsargument. Steigende Lohn- und Ersatzteilkosten machen Zustand-4-Autos zusehends uninteressanter.
Stand: 08.12.2025
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