Technische Mängel an Nutzfahrzeugen Jedes fünfte Fahrzeug fällt durch die HU

Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Laut TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2025 stiegen in den beiden vergangenen Jahren die Mängelquoten in allen Gewichtsklassen, wobei erstmals die schwere Klasse mehr Mängel als die Klasse der 3,5-Tonner aufweist. Häufigste Defekte sind Beleuchtungsausfälle, Ölverluste und Schäden an den Achsaufhängungen.

Seit 2015 ist der Bestand an Lkw ab 7,5 Tonnen um 22 Prozent von 173.166 auf 211.809 Fahrzeuge gewachsen und das Durchschnittsalter aller Nutzfahrzeuge um ein Jahr auf nunmehr 8,7 Jahre gestiegen.(Bild:  TÜV Süd/Conny Kurz)
Seit 2015 ist der Bestand an Lkw ab 7,5 Tonnen um 22 Prozent von 173.166 auf 211.809 Fahrzeuge gewachsen und das Durchschnittsalter aller Nutzfahrzeuge um ein Jahr auf nunmehr 8,7 Jahre gestiegen.
(Bild: TÜV Süd/Conny Kurz)

Erstmals führen schwere Nutzfahrzeuge ab 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht die HU-Mängelstatistik der Technischen Überwachungsvereine (TÜV) an. Zuvor galten Transporter bis 3,5 Tonnen als Negativ-Spitzenreiter. „Dass gerade die schweren Lkw am schlechtesten abschneiden, ist bemerkenswert: Sie sind überwiegend auf der Langstrecke unterwegs, werden häufiger geprüft und gelten als besonders sorgfältig gewartet“, sagte Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband, während der Pressekonferenz zur Vorstellung des TÜV-Reports Nutzfahrzeuge.

Die Gründe für den Mängelzuwachs bei schweren Nutzfahrzeugen sind mehrschichtig. Als ein Grund kommt die hohe Beanspruchung in Frage. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) legten Lkw ab 7,5 Tonnen 2024 im Schnitt 43.309 Kilometer zurück, Sattelzugmaschinen sogar 86.585 Kilometer. „Durch die intensive Nutzung wächst das Risiko altersbedingter Defekte: Einjährige Lkw ab 18 Tonnen fallen nur zu 7,4 Prozent durch die HU, bei fünf Jahre alten Fahrzeugen liegt die Quote bereits bei 20,5 Prozent, bei zehnjährigen bei 29 Prozent“, so der TÜV-Verband.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Hinzu kommt, dass seit 2015 der Bestand an Lkw ab 7,5 Tonnen um 22 Prozent von 173.166 auf 211.809 Fahrzeuge gewachsen und das Durchschnittsalter aller Nutzfahrzeuge um ein Jahr auf nunmehr 8,7 Jahre gestiegen ist. „Viele Speditionen investieren zwar in neue Fahrzeuge, lassen ältere Fahrzeuge aber auch länger im Betrieb“, so Richard Goebelt. „Das erhöht den Wartungsbedarf und wirkt sich spürbar auf die Prüfergebnisse aus.“ Erschwerend wirkt laut Goebelt, dass angesichts hoher Kosten, schwacher Konjunktur und starkem Wettbewerbsdruck offenbar weniger in Wartung und Instandhaltung investiert wird.

Neben den schweren Nutzfahrzeugen betrifft der Mängelzuwachs aber auch andere Gewichtsklassen. Konkrete Veränderungen der Quoten:

  • Transporter bis 3,5 Tonnen 21,5 Prozent (+ 1,1 Prozentpunkte gegenüber 2023)
  • Fahrzeuge zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen 20,0 Prozent (+ 0,8 Prozentpunkte)
  • Fahrzeuge zwischen 7,5 und 18 Tonnen 16,5 Prozent (+ 2,9 Prozentpunkte)
  • Fahrzeuge ab 18 Tonnen 21,9 Prozent (+ 2,1 Prozentpunkte)

Besonders häufig stellten die TÜV-Sachverständigen Mängel an der Beleuchtung fest, beispielsweise bei der hinteren Beleuchtung, nämlich bei 2,7 Prozent der einjährigen Nutzfahrzeuge, bei 7,1 Prozent der Fünfjährigen und bei 12,2 Prozent der Zehnjährigen. Weitere häufige Mängel betrafen Ölverlust am Motor (von 0,9 Prozent bei einjährigen Nutzfahrzeugen bis 7,6 Prozent bei den Zehnjährigen) und Schäden an den Achsaufhängungen (von 0,3 Prozent bei ein- bis zweijährigen Fahrzeugen bis 5,3 Prozent bei den Zehnjährigen).

„Auch bei elektronischen Assistenzsystemen besteht Handlungsbedarf“, betont der TÜV-Verband. „Systeme wie Notbremsassistenten, Abbiegeassistenten oder Müdigkeitswarner retten Leben, lassen sich bislang jedoch nicht umfassend in die Hauptuntersuchung integrieren, weil Hersteller den Prüforganisationen einen vollständigen Zugriff auf sicherheitsrelevante Fahrzeugdaten verwehren.“ Richard Goebelt bringt es auf den Punkt: „Um die Verkehrssicherheit nachhaltig zu erhöhen, braucht es eine zeitgemäße und effiziente HU, die auch digitale und automatisierte Systeme zuverlässig abdecken kann.“

Für den TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2025 wurden vom TÜV-Verband rund 2,31 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2023 und 2024 ausgewertet. Die Ergebnisse unterscheiden die vier genannten Gewichtsklassen. Batterie- oder wasserstoffelektrisch angetriebene Fahrzeuge sind laut TÜV-Verband noch nicht bestandsrelevant, weshalb derzeit keine belastbaren Aussagen zu deren Mängeln möglich sind.

Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge erscheint alle zwei Jahre im Wechsel mit dem TÜV Bus-Report. Der vollständige Report lässt sich von der Website des Verbands herunterladen.

(ID:50561019)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung