Messevorstellung Lamborghini: nackte Tatsachen

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Vor 60 Jahren stellte der Sportwagenbauer etwas vor, was normalerweise versteckt bleibt. Genauer gesagt ein bislang einmaliges Konzept für einen Supersportwagen.

Anders als andere Sportwagenbauer präsentierte Lamborghini vor 60 Jahren keinen Sportwagen, sondern nur ein Chassis. Der künftige Karosseriebauer fand sich dann auf der Messe.(Bild:  Lamborghini)
Anders als andere Sportwagenbauer präsentierte Lamborghini vor 60 Jahren keinen Sportwagen, sondern nur ein Chassis. Der künftige Karosseriebauer fand sich dann auf der Messe.
(Bild: Lamborghini)

Eigentlich sind es Fahrzeuge, die auf Autosalons die Blicke auf sich ziehen. Nicht so im November 1965 in Turin. Es ist ein bloßes Fahrgestell, hergestellt aus gefaltetem Blech und durch zahlreiche gebohrte Öffnungen erleichtert. Darauf sitzt ein 4,0-Liter-V12-Motor, der quer im Heck montiert ist. Es sieht aus wie ein Rennprototyp, ist jedoch bereits Serienstand und der Ursprung einer Legende, die des Miura. Dieses Chassis auf dem Lamborghini-Stand der Motorshow vor 60 Jahren offenbart das reine mechanische Wesen des nächsten Serienmodells aus Sant’Agata Bolognese.

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Die erste Idee für die künftige Architektur von Lamborghini hatten im Sommer 1964 drei junge Mitglieder des Lamborghini-Teams in Sant’Agata Bolognese: Giampaolo Dallara, Paolo Stanzani und Testfahrer Bob Wallace. Gerade einmal in den Zwanzigern, teilten sie den Traum, Lamborghini in die Welt des Rennsports zu führen. Da dies nicht zu den Plänen von Ferruccio Lamborghini gehörte, beschlossen sie, dass, wenn ihre Autos nicht auf die Rennstrecke kommen konnten, die Rennstrecke zu den Straßenautos kommen müsste – mit Leistung, Technologie und Emotion. Diese Idee formte das Projekt L105, das zunächst als leichter, kompakter Fahrzeugrahmen entstand. Obwohl Ferruccio Lamborghini anfangs skeptisch war, vertraute er seinem Team und das P400-Fahrgestell samt Motor wurde Realität.

Eigentlich nur 0,8er Blech

Präsentiert wurde dieses zusammen mit dem 350 GT und dem 350 GTS in Satin-Schwarz lackiert mit vier weißen Auspuffrohren. Die damaligen Berichte beschrieben es als das Skelett eines fahrbereiten Rennwagens und hoben dabei die innovative technische Konfiguration hervor. Die Struktur, hergestellt von Marchesi in Modena, bestand aus 0,8 Millimeter dünnem Stahlblech, das gefaltet und gelocht wurde, um Leichtigkeit und Steifigkeit zu gewährleisten. Ein zentraler Tunnel dient als tragendes Element und Montagebasis für die Aufhängung, während zwei Hilfsrahmen vorn und hinten die mechanischen Komponenten, die Aufhängung und Zubehörteile trugen. Das Gesamtgewicht lag bei nicht mehr als 120 Kilogramm – ein beeindruckender Wert für die damalige Zeit. Eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern, Girling-Scheibenbremsen und Borrani-Felgen komplettierten die Technik, mit Lösungen, die man aus dem Motorsport übernommen hatte.

Auf dem Autosalon in Turin fanden sich die wichtigsten italienischen Karosseriebauer am Lamborghini-Stand ein. Ursprünglich stellte die Carrozzeria Touring unter dem Projektnamen Tigre eine Karosserie vor – noch vor seiner öffentlichen Enthüllung des Chassis in Turin. Der Karosseriebauer, der die Modelle 350 und 400 GT eingekleidet hatte, schlug sein eigenes Design vor, doch finanzielle Schwierigkeiten trübten die zukünftige Zusammenarbeit. Auch das Unternehmen Pininfarina, das mit anderen Herstellern verbunden war, konnte sich nicht auf die Marke aus Sant’Agata festlegen. Diese daraus entstehende Gelegenheit ergriff schlussendlich Nuccio Bertone.

Den perfekten Schuh für einen wunderbaren Fuß

Der Legende nach kam Bertone gegen Ende der Messe an den Stand von Lamborghini und wurde vom Firmengründer Ferruccio Lamborghini mit einem Witz begrüßt: „Du bist der letzte der Karosseriebauer, der sich hier zeigt.“ Bertone betrachtete das Fahrgestell und antwortete, dass sein Atelier „den perfekten Schuh für diesen wunderbaren Fuß“ fertigen würde. Ob das Gespräch tatsächlich so stattgefunden hat, ist ungewiss, doch die Geschichte hebt das sofortige Verständnis zwischen den beiden Unternehmern hervor. Bei diesem Treffen fiel die Entscheidung, Bertone mit dem Bau der Karosserie des zukünftigen Lamborghini zu beauftragen.

Während der Weihnachtsferien, als die Fabrik geschlossen war, erhielten Ferruccio Lamborghini, Giampaolo Dallara und Paolo Stanzani die ersten Skizzen. Sie empfanden die Designlinien als so innovativ, dass sie sofort als das endgültige Projekt anerkannt wurden. Im März 1966 nahm das in Turin präsentierte P400-Fahrgestell auf der Genfer Motorshow seine endgültige Form an und wurde zum legendären Miura. Dieses Modell wird 60 Jahre später sein Jubiläum feiern und sein Ursprung liegt für immer hier: in einer satin-schwarzen Struktur, mit vier weißen Auspuffen, zwölf vertikalen Vergasertrichtern und der mutigen Entscheidung, der Welt nicht die Karosserie, sondern das, was darunter lag, zu zeigen.

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