ASA-Verband Nach der Krise ist vor der Krise

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Durchaus positiv bewertet der Bundesverband Automobil-Service-Ausrüstungen e. V. (ASA) das abgelaufene Geschäftsjahr – und blickt mit gemischten Gefühlen in die nahe Zukunft. Denn nicht nur die Auswirkungen der weltweiten Krisen dämpfen die Investitionsbereitschaft der Betriebe, sondern auch der Fachkräftemangel.

Die Vertreter des Bundesverbands der Hersteller und Importeure von Automobil-Service-Ausrüstungen e. V., kurz ASA, blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft des automobilen Aftermarkets.(Bild:  Dominsky – VCG)
Die Vertreter des Bundesverbands der Hersteller und Importeure von Automobil-Service-Ausrüstungen e. V., kurz ASA, blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft des automobilen Aftermarkets.
(Bild: Dominsky – VCG)

Den Blick in den Rückspiegel werfen nicht nur Autofahrer. Gleiches tun auch Unternehmen und Verbände wie etwa Wirtschaftsverbände. Da ist der Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service-Ausrüstungen e. V. keine Ausnahme: Bei seinem Jahrespressegespräch blickte der kurz ASA genannte Verband mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Jahr 2023 zurück.

Einerseits sorgten und sorgen weiterhin die immer älter werdenden Fahrzeugflotten und die Kaufzurückhaltung bei Neuwagen für eine hohe Auslastung in den Werkstätten. Die florierenden Umsätze schaffen eine gute Basis für Investitionen, allen voran bei den freien Werkstätten. Und auch neue gesetzliche Anforderungen bei der Hauptuntersuchung – Stichwort Partikelzählung – haben in jüngster Vergangenheit dazu beigetragen, dass Kfz-Betriebe bereit waren oder sein mussten, in neue Werkstattausrüstung zu investieren.

Wie ASA-Präsident Frank Beaujean berichtete, ist zwar der Absatz an Werkstattequipment 2023 zurückgegangen. Dafür waren Kfz-Betriebe aber eher bereit, in höherwertige Ausrüstung zu investieren. Das sorgte dafür, dass 65 Prozent der im ASA-Verband vertretenen Unternehmen zufrieden oder sehr zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr waren.

Auf der anderen Seite machen nach wie vor weltweite Krisen und die damit verbundenen steigenden Material-, Liefer- und Produktionskosten den Herstellern von Hebebühnen, Achsmessständen-, Reifenservice- und Diagnosegeräten zu schaffen. Hinzu kommt die allgegenwärtige Herausforderung in Sachen Fachkräftemangel. „Was nutzt einem Betrieb ein neues, modernes und zeitsparendes Gerät, wenn er niemanden hat, den er an dieses stellen kann“, brachte es Präsident Beaujean auf den Punkt.

Und wie lautet die Prognose für das aktuelle Jahr bzw. die nahe Zukunft? „Optimismus sieht anders aus“, umschrieb Beaujean die Einschätzung des Verbands.

EU stärkt Rechte der Freien – und endlich zeitgemäßes AU-Verfahren

Wie wichtig der Kampf das ASA-Verbandes für einen starken freien Werkstattmarkt ist, zeigt ein Urteil des europäischen Gerichtshofs vom 5.10.2023. Darin heißt es, dass alle Zugangsbeschränkungen zu Wartungs- und Reparaturdaten aus der On-Board-Diagnoseschnittstelle (OBD) unzulässig sind, sofern sie nicht explizit in der Typzulassungs-Verordnung EU 2018/858 (Art. 61 Abs. 1 und 4 in Verbindung mit Anhang X) erwähnt sind.

Konkret heißt das: Hersteller, die den Datenzugriff auf Informationen aus der OBD-Schnittstelle ihrer Fahrzeuge über so genannte Secure Gateways (SGW) einseitig unterbinden bzw. durch Zertifikate verhindern, verstoßen gegen die Typzulassungsverordnung 2018/858. Diese sieht für solche Verstöße Strafen bis hin zum Entzug der Typgenehmigung der betroffenen Fahrzeuge vor.

Harald Hahn, Vorsitzender des Fachbereichs Diagnose und Abgasmessgeräte im ASA-Verband, erklärte: „Dieses Urteil stärkt den fairen und freien Wettbewerb und schafft endlich Klarheit im Umgang mit einseitigen Interpretationen geltenden Rechts durch die Fahrzeughersteller.“

Ebenfalls ein positives Resümee zog Hahn in Sachen Partikelzählung. So hatten ASA-Mitglieder zum Einführungszeitpunkt 1. Juli 2023 über 21.000 Partikelzähler für die sogenannte Pn-Messung produziert bzw. dazu beigetragen, diese in den Markt zu bringen.

Eine erste Bilanz über die Wirksamkeit der Prüfung zog kürzlich der TÜV-Verband e. V. gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und dem ASA-Bundesverband in Form der Analyse „Bewertung der Feinstaubmessung bei der Abgasuntersuchung“. Ausgewertet wurden insgesamt 940.809 Untersuchungen von Kraftfahrzeugen, die im Zeitraum 1. August bis 30. Oktober 2023 bei TÜV, Dekra, KÜS und anerkannten AU-Werkstätten zur PN-AU vorgefahren waren.

„Mit Einführung des Pn-Verfahrens hat man die AU der technischen Entwicklung angepasst und ein äußerst wirksames Instrument zur Verbesserung von Luftqualität und Umweltschutz gewonnen. Die Untersuchung überwacht wirksam während der gesamten Lebensdauer der Fahrzeuge, ob die ursprünglich bei der Homologation festgelegten Emissionsgrenzwerte eingehalten werden“, so Harald Hahn.

ASA-Fachbereich Reifendienst und Achsmessgeräte neu aufgestellt

Ein neues Führungsduo hat der ASA-Verband für seinen Fachbereich Reifendienst- und Achsmessgeräte bei seiner Sitzung am 16. Januar gewählt. An dessen Spitze stehen für die nächsten zwei Jahre Jan Wagner (Hunter Deutschland) als Leiter und Karsten Meinshausen (Nexion Group) als Stellvertreter.

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Jan Wagner betonten anlässlich des Pressegesprächs: „Wir sind darin einig, dass die Achsvermessung, die ein Teil der inhaltlichen Schwerpunkte im Fachbereich Reifenservice und Achsvermessung ist, aufgrund der technologischen Entwicklungen der letzten Jahre und künftig zu erwartender technischer Innovationen stärker in den Fokus unserer Arbeit gerückt werden muss.“ Denn wie jeder weiß, beeinflusst die Fahrwerksgeometrie erheblich die korrekte Funktion der Fahrerassistenzsysteme.

Allerdings herrscht teilweise nur unzureichende Kenntnis über die Funktionsweisen der am Markt etablierten Systeme und ihre Besonderheiten bei Handhabung, Wartung und Reparatur. Insbesondere das allgegenwärtige Thema Fahrerassistenzsysteme erfordert mehr Aufmerksamkeit.

Karsten Meinshausen betonte deswegen: „Assistenzsysteme zu kalibrieren, ist für Werkstätten heute so selbstverständlich wie es in den Achtzigerjahren der Kompressionstest am Motor war.“ Deshalb erwägt der ASA-Verband, den aktuellen Sachstand und künftige Entwicklungen rund um FAS-/ADAS-Systeme in eine in den Fachbereich integrierte Arbeitsgruppe auszulagern und parallel zu allen Themen rund um Reifen, Wuchten und Montieren einen eigenen Know-how-Pool zu Fahrerassistenzsystemen aufzubauen.

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