Premium-Marken sind gut, das Quality-Segment geht so, und von Budget-Reifen sollte man die Finger lassen? Das könnte man aus dem ADAC-Winterreifentest herauslesen. Doch wie immer gibt es ein paar Überraschungen.
Die Schneeeigenschaften spielen im mitteleuropäischen Winter nicht mehr die Hauptrolle. Deshalb gibt es in der Schneewertung auch einen sehr überraschenden Sieger.
(Bild: ADAC)
Der ADAC geht bei seinem Reifentest neue Wege: Anstatt wie bisher zwei unterschiedliche Größen zu testen, hat sich der Klub diesmal auf nur eine Dimension beschränkt (225/40 R18 H/V). Dafür ist unter den nicht weniger als 31 Probanden die gesamte Bandbreite des Reifenmarkts vertreten – von Premium- über das Quality bis hin zum Budgetsegment. Darunter sind auch viele ausgesprochene Billigprodukte: Die Preisspanne reicht von 93 bis 177 Euro pro Reifen.
Teuer gleich gut – billig gleich schlecht? So einfach könnte man das Ergebnis wohl zusammenfassen, und viele Massenmedien werden das auch so machen. Allerdings sollten Reifenverkäufer mehr wissen als ihre Kunden, deshalb lohnt sich wie immer ein genauerer Blick auf die Testergebnisse, um die speziellen Stärken und Schwächen der einzelnen Produkte herauszuarbeiten.
Goodyear Ultragrip Performance 3, Michelin Pilot Alpin 5 und Bridgestone Blizzak 6 besetzen das Siegerpodest beim ADAC-Reifentest 2025.
(Bild: ADAC)
Wie fast immer beim ADAC erreicht kein Reifen die Note „Sehr gut“; immerhin sechs Produkte können sich mit der Note „gut“ schmücken. Es ist wohl kein Zufall, dass es sich samt und sonders um die im Test vertretenen Premiumprodukte handelt: Goodyear Ultragrip Performance 3, Michelin Pilot Alpin 5, Bridgestone Blizzak 6, Dunlop Winter Sport 5, Hankook Winter Icept Evo 3 und Continental Wintercontact TS 870 P.
Den Spitzenplatz sicherte sich der Goodyear, der laut dem ADAC vor allem auf nassen Untergründen gute Fahrleistungen bietet und zudem mit einer prognostizierten Laufleistung von über 76.000 Kilometern extrem langlebig ist. Nur knapp dahinter landete der Michelin Pilot Alpin 5.
Am unteren Ende der Ergebnistabelle finden sich insgesamt elf Reifen mit der Note „mangelhaft“. Es sind alles Produkte aus dem Budgetsegment, darunter kaum bekannte Marken wie Landsail, Tomket oder Evergreen. Aber auch Produkte ambitionierter Fernost-Konzerne wie Nankang und CST haben sich hier platziert. Fun Fact: Der Letztplatzierte, ein Reifen mit dem programmatischen Namen „Syron Everest“, einer Handelsmarke des deutschen Tuningspezialisten Keskin, ist unter allen Probanden der mit den besten Wintereigenschaften. Für Mitarbeiter von Skiliften in den Alpen, die ihn nur im Winter fahren, könnte er also eine gute Wahl sein.
Unbekannte Marke mit guter Platzierung
Das breite Mittelfeld unterteilt sich beim ADAC wie gewohnt in die Noten „befriedigend“, für die der Klub zumindest noch eine eingeschränkte Empfehlung abgibt, und „ausreichend“. Unter „befriedigend“ tummeln sich zahlreiche Quality-Marken und die Zweitfabrikate großer Konzerne, etwa Kleber (Michelin), Uniroyal und Semperit (Continental) und Fulda (Goodyear). Hinzu kommen asiatische Anbieter wie Giti und GT Radial (beide aus dem Giti-Tire-Konzern) sowie Ceat.
Etwas überraschend sind das mäßige Abschneiden des Nokian Snowproof P, der immerhin vom finnischen Erfinder des Winterreifens stammt, aber auch die ordentlichen Leistungen der Continental-Budgetmarke Matador und des (zumindest uns) vollkommen unbekannten „Momo W-20 North Pole“ (Gesamtnote 2,7).
Nicht zufrieden mit ihrem Abschneiden können die Quality-Marken Firestone, Maxxis und Apollo sein, denn sie mussten sich im Test mit der Note „ausreichend“ begnügen und erhalten damit keine Kaufempfehlung vom ADAC.
Neben dem Schnee-Kraxler von Syron gibt es übrigens noch andere „Inselbegabungen“ unter den Reifen im Testfeld: Der Kleber Krisalp etwa kann sich mit den Noten „gut“ in den Fächern „trockene Fahrbahn“ und „Schnee“ schmücken – nur eine minimal schlechtere Leistung auf nassem Asphalt vermasselte ihm den Einzug in die Top-Liga.
Mehrere Nässespezialisten im Feld
Unterschiedliche Fahrprofile hin oder her, aber beim Bremsweg auf Nässe sollte man keine Kompromisse eingehen. Allerdings gibt es auch zwischen den Premiumreifen messbare Unterschiede im Bremsweg.
(Bild: ADAC)
Auf nasser Straße hingegen schlagen sich außer den Premiumprodukten noch der Momo, der Uniroyal und der Semperit „gut“. Mehrere weitere Produkte, auch welche aus dem Budgetsegment, schaffen immerhin die Note 2,6 in der wichtigen Nässewertung, schrammten dort also nur ganz knapp an einem „gut“ vorbei.
Kfz-Betriebe oder Reifenfachhändler, die sich nicht nur mit dem jeweils aktuellen Testsieger eingedeckt haben, können also aufatmen. Mit der richtigen Beratung und einer genauen Analyse der Bedürfnisse der Autofahrer lassen sich auch weniger gut platzierte Produkte gut verkaufen.
Nur von Profilen mit „mangelhafter“ Fahrsicherheit sollte man wirklich die Finger lassen. Denn eine Vollbremsung kann bei jedem Fahrprofil vorkommen. Und auf nasser Straße steht der schlechteste Reifen, der Syron, erst unglaubliche 15,4 Meter nach dem besten, dem Goodyear. Das eine Auto hätte in diesem Fall also noch knapp 46 km/h auf dem Tacho, wenn das andere schon steht.
Stand: 08.12.2025
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