Oldtimer, Street-Art und Produktionsgeschichte: Renault bereitet sich auf den 130. Geburtstag vor und beschenkt sich mit einer ungewöhnlichen Sammlung in einer traditionsreichen Fabrik.
So soll die Renault Collection, die 2027 eröffnet, einmal aussehen.
(Bild: Renault)
Wenn in Autofabriken die letzten Modelle von Band laufen, dann setzt meistens ziemlich schnell Tristesse ein: Die Farbe blättert, zerbrochene Fenster lassen eisige Windstöße durch riesige Hallen wehen, bis auf ein paar grimmige Wachleute sind die gerade noch wimmelnden Flächen menschenleer. Glitzernde Autos, frisch gepresst, das scheint lange her. Adieu Depression: Auch aus dem Werk Flins rollt zwar seit dem vergangenen Jahr kein Renault mehr zu den Kunden. Doch dafür sollen die Menschen schon bald in Massen auf das Fabrikgelände 40 Kilometer westlich von Paris strömen. Denn hier baut der französische Hersteller bis 2027 eine der ungewöhnlichsten Sammlungen der Industrie auf: Mehr als 800 Fahrzeuge, 10.000 Designzeichnungen und 3.000 Kunstwerke spannen einen Bogen über fast 130 Jahre Geschichte – und ein gutes Stück darüber hinaus.
„Wir brauchen einen Ort, um der Welt unsere reiche Geschichte zu zeigen – aber auch unseren Beitrag zu Kultur und gesellschaftlichem Leben“, umreißt Fabrice Cambolive, Chef der Marke Renault, den Ansatz für die Renaissance des Werkes. Seit 1952 wurden dort mehr als 18 Millionen Autos gebaut: Klassiker wie Dauphine, Renault 4 und 5 oder Clio haben nicht nur Franzosen oft zum ersten Mal individuell mobil gemacht. Und mit dem Zoe ist auch die Elektrifizierung der Marke eng mit dem Standort verbunden. Heute ist Flins zur „Refactory“ geworden, wo Renault auf Kreislaufwirtschaft setzt. Fahrzeuge und Batterien werden repariert, Teile wiederverwertet und neue Energien erforscht.
Eine Fabrik wird zum Kunstwerk
Zur Arbeit an der Zukunft kommt jetzt die Konzentration auf die Geschichte – in Form der „Renault Collections“: „Schließlich ist das Gebäude selbst ja ein architektonisches Kunstwerk“, so Cambolive. Der Architekt Jacob Celnikier wird die langgezogene Fabrik aus den Fünfzigern so ergänzen, dass die stufenweise ansteigenden Linien des historischen Werks erkennbar bleiben. Eine waagerecht durch große Fenster strukturierte ansteigende Fassade gibt dann schon von Weitem Einblick auf Hunderte Fahrzeuge, die in Regalen einem Setzkasten aus automobilen Schätzen gleichen. Sie reicht vom allerersten Renault Type A über Vorkriegsmodelle, legendäre Alpine-Sportwagen und Formel-1-Renner bis zu modernen Konzeptfahrzeugen. Und wer ab dem übernächsten Jahr die Hallen besucht, erfährt auch reichlich über Geschichte und Geschichten aus fast 130 Jahren Renault-Produktion.
Das alles soll über die Exponate hinaus auch mit immersiver Technik mit erlebbar sein. Der Besucher könnte dann vielleicht die weihnachtliche Geburtsstunde der automobilen Angebote à la française nachempfinden: 1898 steuert Louis Renault an Heiligabend seinen ersten Prototyp, die „Voiturette“, die steile Rue Lepic in Paris hinauf. Passanten bleiben staunend stehen und klatschen spontan Beifall. Die Ausstellungsbesucher könnten bald virtuell mitten unter ihnen stehen. Solche Szenen machen die Museumsmacher auf einer Fläche von eineinhalb Fußballfeldern erlebbar – ebenso wie die Rennsiege der Weltmeisterautos von Michael Schumacher und Fernando Alonso, den Kompaktvan-Pionier Espace, sechsrädrige Renaults, die in den 1920er Jahren die Sahara durchquerten oder den 40 CV, der 1925 mit François Repusseau und seiner Frau an Bord die Rallye Monte Carlo gewann. Mehr als die Hälfte dieser Autos ist fahrbereit. Sechs spezialisierte Techniker kümmern sich um Restaurierung und Wartung.
Auch Werksrestaurierungen geplant
Am neuen Standort gibt es zudem eine eigene Werkstatt für Antrieb und Karosserie. Besucher dürfen hier den Restauratoren über die Schulter schauen oder perspektivisch auch eigene historische Fahrzeuge in den Originalzustand zurückversetzen lassen. Aber auch in anderer Weise lässt sich in Flins selbst kreativ werden: Denn neben Plakaten, Konstruktionszeichnungen, Miniaturen, Spielzeugen, Pokalen, Medaillen und Büchern wollen die Franzosen auch lebendiger Gegenwarts-Kunst einen großen Raum verschaffen. Eine große, weiß getünchte Halle gibt da schon mal einen Vorgeschmack. Die ehemalige Lackiererei ist heute Arbeitsplatz für moderne Street-Art-Künstler. Die „Artists in residence“ nutzen die industrielle Umgebung als Inspirationsquelle – und „ihre Werke werden wieder Teil von Ausstellungen“, so Kuratoren Gaël Lefeuvre. Ein zentrales Werk ist schon zu sehen: Gérard Zlotykamien hat einen Renault-Bus von 1937 mit Graffiti in ein Kunstobjekt verwandelt.
Stand: 08.12.2025
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Die Familie Renault hat allerdings schon lange vorher mit dem Aufbau der „Collections“ das Kunst-Sammeln angefangen: Schon seit den 1930er-Jahren fördern die Gründer zeitgenössische Kunst. Die Sammlung umfasst mehrere Hundert Werke, darunter Fotografien von Robert Doisneau, der jahrelang Renault-Angestellter war. Skulpturen von Arman und Jean Tinguely nutzen Materialien aus der Produktion. Jean Dubuffet bringt mit seiner Art Brut eine neue Perspektive auf Kreativität und Innovation. Und Victor Vasarely hat sogar das Markenzeichen mit der dreidimensionalen Raute geschaffen. Jahrzehntelang lagen viele ihrer Kunstschätze im Depot.
Brücke zwischen gestern und morgen schlagen
Schade, denn ihre Kunst ist besonders wertvoll: Arbeitswelt, soziale Verhältnisse und Zeitgeschichte zu spiegeln, das ist ein Schwerpunkt der Exponate. Das Auto als mobiler Möglichmacher für die Massen passt in diese Logik. Und bunte Renault-Werbung aus vielen Jahrzehnten bietet einen passenden Spiegel auf Wunsch und Wirklichkeit des Lebens. Spannend, anspruchsvoll und unterhaltsam. „Das soll hier kein klassisches Museum sein, sondern ein Ort des gesellschaftlichen Austauschs und der Kreativität“, sagt die künstlerisch Verantwortliche der Collections Catherine Gros.
Die Sammlung will aber auch in die Zukunft blicken; nicht nur mit Ausblicken auf kommende Twingos oder Clio. Seit 2024 unterstützt ein eigener Fonds aktuelle Künstlerinnen und Künstler, besonders im Bereich Street Art. Werke wie „Bourgeon“ von Dan Rawlings, entstanden aus historischen und aktuellen Renault-Modellen, sollen für den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart stehen. Die Sammlung wächst stetig – durch neue Kunst, Oldtimer und neue Modelle. Um Platz für diese Exponate zu schaffen, werden gelegentlich Modelle verkauft, die Renault doppelt im Fundus hat. Am ersten Dezember-Wochenende findet so eine Auktion statt, bei der seltene Fahrzeuge neue Besitzer finden. „Die Einnahmen dienen der Pflege und Erweiterung der Sammlung“, kündigt Gros an. In dieser Fabrik soll die Produktion eben niemals enden.