Tesla Umstrittener E-Autobauer findet viele Gebrauchtwagen-Freunde

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Im Neuwagengeschäft hat Tesla derzeit wenig Freude, mit Gebrauchtwagen kann das Fabrikat aber noch punkten. Die Nachfrage ist hoch, der Handel hat jedoch ein wesentliches Problem.

Gebrauchte Tesla-Fahrzeuge sind derzeit eine gefragte Spezies – anders als Neuwagen.(Bild:  Grimm – VCG)
Gebrauchte Tesla-Fahrzeuge sind derzeit eine gefragte Spezies – anders als Neuwagen.
(Bild: Grimm – VCG)

Das Neuwagengeschäft von Tesla ist seit Anfang 2024 in Deutschland unter Druck – im Gebrauchtwagenmarkt entwickelt sich das US-Fabrikat dagegen vollkommen gegenläufig. Im vergangenen Jahr wechselten nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) 10.450 Tesla-Fahrzeuge den Besitzer – im Jahr zuvor waren es 6.800 Einheiten. Damit legten die Besitzumschreibungen um gut 50 Prozent zu, während die Neuzulassungen um 41 Prozent fielen. Im ersten Quartal 2025 hat sich diese gegenläufige Entwicklung nochmals beschleunigt.

In den steigenden Tesla-Umschreibungen schlägt sich der steile Zuwachs an Tesla-Neuwagen des Jahres 2022 nieder. Was damals neu auf die Straßen kam, kehrt jetzt nach Ablauf der Leasingphase als Gebrauchtwagen in den Fahrzeugmarkt zurück. Beim Blick in die Daten der Plattform Autoscout 24 zeigt sich allerdings eine Diskrepanz zu den steigenden Halterwechseln: Das Tesla-Angebot scheint zu schrumpfen.

„Aktuell werden rund ein Viertel weniger gebrauchte Tesla angeboten als noch vor einem Jahr“, informiert der Onlinemarktplatz. Die Ursache sieht Deutschland-Vertriebschef Stefan Schneck in dem speziellen Vertriebsmodell von Tesla ohne Händler. Der E-Autobauer hat keine Händler, die Leasing-Fahrzeuge kehren in der Folge zum Importeur zurück, der die Gebrauchten dann selbst online vermarktet – nicht aber über Börsen wie Autoscout 24 oder Mobile.de.

Viele Anfragen auf Tesla-Inserate

Trotzdem zeigen die Autoscout-Daten, dass Tesla-Gebrauchtfahrzeuge im Markt derzeit sehr gefragt sind. Alle vier Modelle der Amerikaner erzeugen fünf- bis siebenmal so viele Kaufanfragen pro Inserat als der Durchschnitt aller Elektro-Gebrauchtwagen. Die Zahl der Kaufanfragen pro Tesla-Inserat auf Autoscout 24 liegt laut der Börse um 41 Prozent über dem Wert des ersten Quartals 2024. Ein Nachfrage-Einbruch nach gebrauchten Tesla-Modellen „ist bis jetzt nicht zu erkennen“.

Für eine stabile Tesla-Community spricht auch die Alters- und Preisstruktur der Angebote. Mit Ausnahme des Model Y (Durchschnittsalter 2 Jahre) werden viele Fahrzeuge im fortgeschrittenen Alter angeboten. Ein Tesla Model S ist im Schnitt 7,5 Jahre alt und kostet bei einer Laufleistung von 120.000 Kilometern immer noch rund 36.000 Euro. Ein Model X ist im Schnitt 6,5 Jahre alt (95.000 Kilometer), ein Model 3 kommt auf 3,5 Jahre und 55.000 Kilometer Laufleistung.

Allerdings sind nicht alle ausgewerteten Daten für die gebrauchten Tesla positiv. Die Fahrzeuge sind auf Autoscout 24 derzeit sieben Tage länger eingestellt als vor einem Jahr, bis sie einen Abnehmer finden. Im Schnitt wird ein Tesla-Modell derzeit 111 Tage angeboten. Das ist kürzer als der Durchschnittswert aller elektrischen Gebrauchtwagen von 118 Tagen. Über alle Modelle hinweg sind es derzeit 101 Tage. Am längsten steht derzeit der Model S mit gut 180 Tagen, ein Model 3 ist nach etwa 80 Tagen verkauft.

Gebrauchte Tesla können Händlern Freude machen

„Tesla ist im Gebrauchtwagengeschäft immer noch die EV-Marke mit dem höchsten Ansehen“, ist sich Stefan Schneck sicher. Das Vertrauen der Interessenten in die Technik paare sich mit Pluspunkten für die Ladeinfrastruktur und die Reichweite. Die den Neuwagenkauf überlagernde Diskussion um die politischen Aktivitäten von Tesla-Chef Elon Musk hätten dagegen den „Gebrauchtwagenmarkt noch nicht so sehr erreicht“. Ob das so bleibt, ist schwer abzuschätzen. Das gilt gleichermaßen für die Folgen der aktuellen Kaufzurückhaltung der Neuwagenkunden auf die künftige Verfügbarkeit von Tesla-Gebrauchtwagen.

Grundsätzlich passt die gute Angebot- und Nachfrage-Situation bei Tesla zur allgemeinen Entwicklung im Gebraucht-EV-Markt. Die Preise hätten sich im vergangenen Jahr stabilisiert, auf Käuferseite nehmen die Vorbehalte gegenüber gebrauchten EV ab, zeigen Zahlen des aktuellen Autoscout-Marktreports. „Ein Kauf ist kein pauschales No-Go mehr – es kommt allerdings auf Modell und Preis an“, analysiert Schneck.

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