Produktionsjubiläum Porsche: Seit 75 Jahren „Made in Zuffenhausen“

Von Steffen Dominsky 5 min Lesedauer

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Am 6. April 1950 rollte der erste 356 aus deutscher Produktion aus der Montagehalle. Zuffenhausen entwickelt sich schnell zur Heimat für erstmals im österreichischen Gmund gefertigten Fahrzeuge der jungen Marke.

75 Jahre Zuffenhausen: Am 6. April 1950 stellt Porsche mit dem 356 sein erstes Automobil aus deutscher Produktion fertig.(Bild:  Porsche AG)
75 Jahre Zuffenhausen: Am 6. April 1950 stellt Porsche mit dem 356 sein erstes Automobil aus deutscher Produktion fertig.
(Bild: Porsche AG)

Vor 75 Jahren startete die Produktion des Porsche 356 in Stuttgart. Während die ersten Modelle des neuen Typs im österreichischen Gmund in reiner Handarbeit entstehen beginnt mit der Fertigstellung des ersten in Zuffenhausen gefertigten Wagens am 6. April 1950 die „Kleinserienfertigung“ bei Porsche und damit ein neues Zeitalter. Zunächst als Konstruktionsbüro ist Porsche bereits seit 1938 in dem Ort ansässig, der seit 1931 ein Stadtteil von Stuttgart ist. Die eigene Fahrzeugherstellung unter dem Markennamen Porsche beginnt, wie bekannt, erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 8. Juni 1948 erhält der Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster seine allgemeine Betriebserlaubnis. Die ersten 52 Exemplare des 356 mit Heckmotor und hinteren Notsitzen entstehen in den Jahren 1948 bis 1950 wie gesagt noch in Österreich und dienen als Vorbild für den späteren 356 aus Stuttgart.

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Nach der Rückkehr ins Schwäbische ist das eigene Werk von Porsche von den Alliierten besetzt. Während sich das eigentliche Konstruktionsbüro in einer Baracke an der Schwieberdinger Straße befindet, kommt Porsche für die Fertigung der Motoren und die Montage zur Miete auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Reutter Werk II unter. Im Gegenzug dafür erhält das Karosseriewerk den Auftrag zum Bau der fertig lackierten und komplett ausgestatteten Karosserien, die bis 1953 im Reutter Werk I im Stuttgarter Westen in der Augustenstraße entstehen. Bis zum Ende des Jahres 1950 baut Porsche 317 Fahrzeuge. Bedingt durch die frühen Erfolge bei Rennen und die enorme Nachfrage in Exportmärkten entwickelt sich der 356 schnell zu einem großen Erfolg der Marke.

Das Karosseriewerk „einfach“ gekauft

Da sich die Übergabe des Werk 1 durch die US-amerikanische Militärverwaltung verzögert, lässt Porsche vom renommierten Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod das Werk 2 entwerfen. Diese Montagehalle, errichtet auf einem von Reutter an Porsche verkauften Gelände, wird 1952 in Betrieb genommen und bereits 1954 erweitert. Ende 1955 kehrt Porsche zusätzlich in die eigenen Gebäude des Werk 1 nach Zuffenhausen zurück. Dort ziehen die Konstruktionsabteilung, der kaufmännische Stab, die Reparaturabteilung für Firmenwagen und Kundenfahrzeuge sowie die Versuchs- und Entwicklungsabteilung für Rennwagen ein. Produktion, Verkauf und Ersatzteilversorgung bleiben im Werk 2. 1960 startet der Motorenbau im Werk 3. Am 1. Dezember 1963 erwirbt Porsche das Karosseriewerk Reutter mit umfassendem Know-how und knapp 1.000 Mitarbeitern – die Belegschaft verdoppelt sich damit nahezu. So kann Porsche auch den Standort Zuffenhausen sichern. Im selben Jahr rollen die ersten 911, damals noch unter der Bezeichnung 901, in Zuffenhausen vom Band. Bis zum Ende der Produktion im Jahr 1965 fertigt der Sportwagenhersteller rund 78.000 Exemplare des 356. In den folgenden Jahrzehnten erweitert und modernisiert Porsche die räumlichen Kapazitäten kontinuierlich.

Schon in den 1950er-Jahren praktiziert Porsche in Zuffenhausen ein Fertigungsprinzip, das bis heute Bestand hat: die flexible Produktion verschiedener Derivate auf einer gemeinsamen Linie. Ob Coupé, Cabriolet, Roadster oder Speedster – alle Varianten des Porsche 356 werden parallel gefertigt und individuell vollendet. Dieses Prinzip der Variantenvielfalt bei gleichzeitig hoher Effizienz und Qualität ist ein Markenzeichen der Produktion am Stammsitz geblieben. Auch heute ist es charakteristisch für den Standort, dass alle 911-Modelle und -Varianten – vom Carrera über GT-Topmodelle bis hin zu Cup-Fahrzeugen – auf einer Linie gefertigt werden. Die aufwändigen Innenausstattungen entstehen in der werkseigenen Sattlerei.

Man wächst über die Straße

In den 60er-Jahren löst der 911 den 356 ab. Die Produktion wird ausgeweitet, neue Fertigungsgebäude entstehen. Der Motorenbau wird ausgelagert, das Werk 2, das ohnehin kontinuierlich ausgebaut wird, erhält eine zusätzliche Halle. Mit dem Bau 41 entsteht 1969 ein mehrgeschossiges Produktionsgebäude für die Endmontage. Porsche optimiert den Fertigungsfluss und steigert die Kapazitäten. Im Jahr 1973 arbeiten rund 4.000 Beschäftigte bei Porsche, bis Ende der 1980er-Jahre mehr als doppelt so viele an den drei Standorten: der Produktion in Zuffenhausen, dem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach und in Büros in Ludwigsburg. Über die nächsten Jahrzehnte hinweg wächst der Standort Zuffenhausen sukzessive durch die steigenden Produktionszahlen. In den 1970er- und 1980er-Jahren werden neben dem 911 auch Frontmotormodelle wie der 928, 944 und 968 am Standort montiert und gefertigt.

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In den 1980er-Jahren stößt die Karosseriefertigung in Zuffenhausen erneut an ihre Kapazitätsgrenzen. Die wachsende Nachfrage nach Sportwagen erfordert eine räumliche Expansion der Produktion. 1988 entsteht das Werk 5, konzipiert für eine hochflexible Karosseriefertigung. Ein sichtbares Symbol dieser neuen Produktionslogik ist die Förderbrücke, die fortan die gefertigten Karosserien in rund 35 Metern Höhe über die vielbefahrene Schwieberdinger Straße hinwegführt – direkt in die Endmontage des gegenüberliegenden Werk 2. Über Jahrzehnte hinweg wird der Standort Zuffenhausen kontinuierlich modernisiert, durch Umbauten, Erweiterungen und Neubauten. So gelingt es Porsche kreativ und innovativ, den steigenden Anforderungen an Präzision, Effizienz und Flexibilität gerecht zu werden.

Wo Porsche Hightech und Handwerk verbindet

Eine weitere große Veränderung in der Geschichte des Werks markiert die Vorbereitung auf den Produktionsstart des vollelektrischen Taycan, der 2019 in Serie geht. Im Zuge dieser Transformation kreiert Porsche neue Fertigungsbereiche: Im Werk 5 wächst ein neuer Karosseriebau, während im Werk 1 eine moderne Lackiererei realisiert wird – alles maßgeschneidert für die Anforderungen der Elektromobilität. Parallel dazu entsteht im Werk 2, Richtung Adestraße, ein modernes Montagegebäude mit modularer Linienstruktur. Um die neue Produktionslogistik effizient miteinander zu verzahnen, wird eine zweite Förderbrücke über der Schwieberdinger Straße errichtet.

In Zuffenhausen vereint Porsche Tradition mit moderner Fertigungstechnologie: Fahrerlose Transportsysteme, eine zentrale Fabrikcloud und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz – um nur einige zu nennen, die bei der Herstellung der Sportwagen „Made in Zuffenhausen“ zum Einsatz kommen. Am Standort Zuffenhausen ist das Produktionszentrum für den 911 und für den vollelektrischen Taycan. Außerdem werden auf dem insgesamt rund einen Quadratkilometer großen Areal im Norden Stuttgarts in zwei Motorenwerken die Boxermotoren für die Sportwagen sowie die V8-Motoren für die viertürigen Verbrennermodelle und die E-Maschinen für den Taycan und Macan electric gefertigt.

Zudem beherbergt der Standort insgesamt drei Manufakturen: die Porsche Exclusive Manufaktur, in der Kundenfahrzeuge aufwändig individualisiert werden, der Sonderwunsch-Bereich, in dem Unikate entstehen sowie die CFK-Manufaktur, wo abseits der regulären Produktionslinie bei besonders auf Leichtbau getrimmten Sportwagen-Modellen wie dem 911 S/T oder dem 911 GT3 RS die Karosserieaußenteile in Handarbeit montiert werden.

Neben Zuffenhausen und Weissach spielt auch Leipzig eine entscheidende Rolle in der Porsche-Welt. Dort laufen zunächst von 2002 bis 2016 der Cayenne und von 2003 bis 2006 der Carrera GT vom Band. Seit 2009 entsteht dort die Sportlimousine Panamera, seit 2014 auch der Macan, für dessen Produktion Porsche den Standort Leipzig von 2011 bis 2014 zum Vollwerk ausbaut.

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