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Spies Hecker 30 Jahre Profi Club: Wie alles begann

Autor: Dr. Holger Schweitzer

1990 wurde der Spies Hecker Profi-Club gegründet: Gründungsvorstand und langjähriger Geschäftsführer des Profi Clubs Helmut Becker berichtet über die Anfänge.

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Der Spies Hecker Profi Club feiert 30 jähriges Bestehen – die Anfänge haben viel mit der deutschen Wiedervereinigung zu tun.
Der Spies Hecker Profi Club feiert 30 jähriges Bestehen – die Anfänge haben viel mit der deutschen Wiedervereinigung zu tun.
(Bild: Spies Hecker)

1990 wurde Deutschland wiedervereinigt und veränderte für die in der ehemaligen DDR ansässigen Lackierbetriebe das Alltagsgeschäft deutlich. Der Kölner Lackhersteller Spies Hecker reagierte deshalb bei der Erschließung des neuen Marktes mit neuen Wegen – und erweiterte sein Angebot an Lacken um Dienstleistungen.

Ende 1990 wurde so der Profi-Club gegründet. Betriebe konnten so erstmals an Seminaren, Schulungen und Treffen teilnehmen. Im Interview berichtet Helmut Becker,Gründungsvorstand und über ein Jahrzehnt Geschäftsführer des Profi-Clubs über die Gründungszeit:

Helmut Becker war Gründungsvorstand und über ein Jahrzehnt Geschäftsführer des Profi-Clubs
Helmut Becker war Gründungsvorstand und über ein Jahrzehnt Geschäftsführer des Profi-Clubs
(Bild: Spies Hecker)

Herr Becker,wie war die Situation in den K+L-Betrieben in der damaligen DDR zur Wendezeit?

Von freier Marktwirtschaft und Wettbewerb war naturgemäß keine Rede:Die Inhaber öffneten ihre Betriebe einmal im Quartal. Die Kunden campierten regelrecht vor den Werkstätten, damit sie auf jeden Fall an die Reihe kamen. Für uns nicht vorstellbar, aber nicht der Inhaber musste um die Kunden werben, sondern umgekehrt. Dann wurde der Betrieb wieder drei Monate zugesperrt, die Reparaturen wurden ausgeführt und danach ging das Spiel wieder von vorne los.

Und auf einmal kam das Ende der Planwirtschaft und jeder musste sich mit seinem Betrieb dem Wettbewerb stellen.

Ganz genau. Dazu kam,dass auf einmal ganz neue Modelle auf den Straßen unterwegs waren. Renault zum Beispiel war extrem stark vertreten – aber wann hatte jemals ein DDR-Betrieb einen Renault repariert? Ihnen musste regelrecht in die neue Welt hineingeholfen werden. Die Hersteller unterstützten hier natürlich mit Schulungen, aber es gab so viel Wissen nachzuholen, dass wir hier unsere Chance sahen.

Eine Chance worauf?

Marktführer in der Autoreparaturlackbrancheder gesamten Bundesrepublik zu werden – das war die Vision des leider früh verstorbenen Dieter Nixdorf, damaliger Vertriebsleiter von Spies Hecker. Meine Frau hatte schließlich die Idee, einen Verein zu gründen, indem wir diese nötige Wissensvermittlung organisiert haben und der dann zu einem SpiesHecker Fan-Club wurde. Das hieß in einem ersten Schritt, dass die Spies-Hecker Kundenberater quer durch die neuen Bundesländer gefahren sind und die Betriebe besucht und für den Profi-Club geworben haben. Wir haben dann auf Seminare gesetzt, die wir äußerst schnell konzipiert haben. In den ersten vier Wochen haben wir wöchentlich ein Seminar abgehalten, danach monatlich. Die Seminare gingen über zwei Jahre.

Ging es in den Seminaren ums Lackieren?

Nein, zunächst ging es vor allem um betriebswirtschaftliche Dinge. Zum Beispiel: Wie schreibe ich Rechnungen? Wie muss gebucht werden? Brauche ich einen Steuerberater? Welche Preise kann ich verlangen? Was ist bei Personal und Arbeitsrecht zu beachten? Welche Versicherungen brauche ich? Wie geht Marketing?Und dann ging es natürlich auch ums Lackieren – Applikation in mehreren Schichten war für die DDR-Betriebe ein ganz neues Feld.

Wie entwickelte sich der Profi-Club im Westen?

Das Angebot war für die Betriebe in den neuen und in den alten Bundesländern gleich. Es wurde Schritt für Schritt ausgebaut. Da gab es dann Werkstattplanung, Qualitätsmanagement mit ISO-9001, Standortanalysen, ein Umweltpaket, Softwareberatung, juristische Beratung durch den Club-Anwalt oder einen Praxiskurs zum Aufbau einer Karosserieabteilung. Das kam sehr gut an. 1995 hatte der Profi-Club schon fast 2.500 Mitglieder.

Sie haben selbst Seminare gehalten und waren zwölf Jahre Geschäftsführer des Profi-Clubs. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Es das war eine spannende Zeit. Anfang des neuen Jahrtausends, zwei,drei Jahre nach dem Tod von Dieter Nixdorf, der in der gesamten Branche als Lichtgestalt galt, änderte sich bei Spies Hecker die Strategie zum Thema Profi-Club. Der neue Eigentümer DuPont verfolgte ein anderes Konzept. Damit ging auch meine Zeit beim Profi-Club zu Ende. Ich habe die Geschäftsführung niedergelegt. Rückblickend kann ich sagen, dass diese zwölf Jahre eine Zeit waren,für die ich sehr dankbar bin und an die ich gerne zurückdenke.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

Dr. Holger Schweitzer

Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG