Der ZKF-Branchentreff in Köln hatte neben dem fachlichen auch viel Unterhaltungswert. Vor allem eine Diskussionsrunde zwischen Verband und Versicherern verdeutlichte, wo die Perspektiven noch auseinander und wo schon näher beieinander liegen.
ZKF-Präsident Arndt Hürter diskutierte mit Michael Schnapp von der HUK und Stefan Artz von der Allianz und wurde von ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm unterstützt. (von li. nach re.)
(Bild: Otto - VCG)
Pures Entertainment – so hätte die Unterschrift des ZKF-Branchentreffs dieses Jahr auch lauten können. Denn es ging in die Fernsehhauptstadt Köln und für den Event-Tag in die dortigen MMC Studios, die auch der Privatsender RTL nutzt, um Unterhaltungsdauerbrenner wie Let´s Dance aufzuzeichnen. Getanzt wurde weder während des Pkw- noch des Nutzfahrzeugsymposiums. Dafür bot der Gala-Abend am Freitag ausreichend Gelegenheit.
Im Studio 50, dem Veranstaltungsort des Branchentreff-Tages, wurde allerdings viel gemahnt und diskutiert. Das erste Wort hatte dabei ZKF-Präsident Arndt Hürter, der vor allem eine zunehmende Konsolidierung des Marktes ansprach: „Es sind vor allem auch Allianzen, um dem Kostendruck standzuhalten“, so Hürter.
Dass man zusammen stärker sei, sieht der Verband vor allem dann, wenn es um eine gemeinsame Stimme in Brüssel geht. Deshalb brachte Arndt Hürter seine Freude darüber zum Ausdruck, dass man als ZKF ein Gründungsmitglied der Allianz Mobilität sei, der unter anderem auch der Bundesinnungsverband Kfz (BIV Kfz) und der Bundesverband der Fahrzeuglackierer (BFL) angehöre. Auf EU-Ebene wolle man so mehr Einfluss geltend machen.
In diesem Zusammenhang blickte Hürter auch auf die Nutzfahrzeugbetriebe in seinem Verband. Dort gebe es vielfältige Herausforderungen, die sich stark von denen im Pkw-Geschäft unterscheiden. Dazu zählten eine teilweise schleppende Auftragslage, eine immer schwierigere Zusammenarbeit mit den OEMs und eben auch die Vorgaben der EU, wie der neuen Altautoverordnung.
Auch im klassischen K&L-Bereich sei das Geschäft immer schwieriger. Vor allem die Kosten für Energie und Ersatzteile stiegen. „Ersatzteile nehmen immer mehr Raum bei der Reparaturrechnung ein. Wir liegen da bei 70 bis 80 Prozent und können kaum noch Lohn verkaufen“, so Hürter.
Deshalb ging ein Impuls auch an die Versicherer mehr Einfluss auf die OEMs auszuüben, damit man die Preise gemeinsam wieder in den Griff bekomme. Die Versicherer adressierte er auch beim Dauerbrenner Regress. Man wolle in diesem Jahr als Verband ein beiderseitiges Entgegenkommen mit den Versicherungen erzielen. In diesem Zusammenhang sei ein Pilot zur kooperativen Zusammenarbeit geplant: „Wir müssen weg von den reinen Konfrontationen“, erklärte der ZKF-Präsident, ohne weiter Details zu kommunizieren.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz griff er in seiner Begrüßung noch auf. Die KI werde die Unternehmen immer mehr beeinflussen und man müsse deshalb fragen, wie sie unterstützen kann. „Es wird nicht die qualifizierten Mitarbeiter ersetzen. Aber Lackierroboter zeigen, dass sie eine sehr gute Ergänzung sein können“, führte Hürter aus.
ZDH-Präsident macht Mut
Ein sehr starkes Grußwort folgte dann von Jörg Dittrich, dem Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Er legte die Finger auf die derzeitigen Schmerzpunkte in Deutschland und adressierte seine Kritik vor allem an die Politik. Allerdings sprach er den anwesenden Vertretern der Handwerksbetriebe auch Mut zu. Denn die Stärke der Unternehmen sei ihre hohe Relevanz. Doch Wirkung erziele man nur in der Einheit. Es gelte deshalb das Handwerk zusammenzuhalten. Deshalb müsse man aufmerksamkeitsstark auch die Sorgen vertreten. „Die Währung lautet in Berlin nicht die gute Idee, sondern öffentliche Wahrnehmung“, so der ZDH-Präsident, dessen Rede mit viel Applaus belohnt wurde.
Der Veranstaltungstag war dann sowohl bei Kfz- als auch beim Nutzfahrzeugsymposium mit vielen aktuellen Themen gespickt. Während für die K&L-Betriebe im Pkw-Bereich Impulse zur Reparatur von Elektroautos und der Reparatur von Fahrzeugen mit Gigacasting-Technologie für Abwechslung sorgten, nahmen die Nutzfahrzeug-Experten unter anderem neue Vertriebswege für Aufbauhersteller, die Altfahrzeug-Verordnung und die Nachhaltigkeitsberichterstattung unter die Lupe. Neben diesem Input hieß es permanent „Netzwerken“. Dabei half auch eine umfassende Fachausstellung.
Ein inhaltlicher Höhepunkt war aber in jedem Fall die Diskussionsrunde unter dem Titel „Gipfeltreffen der Versicherer“, das von Arndt Hürter und ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm moderiert wurde. Sie trafen auf Stefan Artz, Leiter Kraftfahrt-Schaden der Allianz, und Michael Schnapp, Leiter Abteilung Schaden Prozessmanagement HUK-Coburg. Beide bestätigten im Gespräch, dass die fiktive Abrechnung wahrnehmbar zugenommen habe. Schnapp sieht hierfür vor allem die Ersatzteilkosten und das Fahrzeugalter als wesentliche Treiber.
Stand: 08.12.2025
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Thomas Aukamm sprach Stefan Arzt auf das Tochterunternehmen Solvd an, zu dem die Innovation Group, ControlExpert, GT Motive, SSV Schadenschutzverband GmbH und die PDR-Team & Careoss Group gehören. Mit Blick auf diese Kompetenzen scheine doch laut Aukamm auch ein eigenes Werkstattnetz eine Option zu sein. Diese Frage allerdings verneinte der Allianz-Manager und verwies auf die Erfahrungen der Vergangenheit mit der Beteiligung an einem Werkstattnetz, die man dann wieder aufgegeben habe. „Für den deutschen Mark sind wir gut unterwegs und wir gehen nicht auf Einkaufstour“, stellte Artz fest. Und er sieht in dem allumfassenden Ansatz vor allem für die Versicherten aber auch den Markt Vorteile, da ein Anbieter das System von Anfang bis zum Schluss verstehe. Auch der Frage nach dem Kauf des auf gebrauchte Ersatzteile spezialisierten Unternehmens Claimparts gab Stefan Artz eine Absage.
Mensch nicht zu 100 Prozent ersetzbar
Die beiden Moderatoren hakten aber nochmals bezüglich der Solvd-Tochter Contol Experts nach, die die Abwicklung des Unfalls rein über die KI ohne Menschen vorantreibt. „Ist das eine Vision, dass die ganze Schadenabwicklung digitalisiert und zu einem Menschen-kontaktlosen Prozess geformt wird?“, wollte Thomas Aukamm wissen.
Auch hier erwiderter Artz die Frage mit der Kundensicht und verwies auf die Abwicklung von Glasschäden, die es so schon seit über 20 Jahren automatisiert gebe. Folglich werde die Digitalisierung weiter zunehmen. „Die Vorstellung, dass es keine Menschen brauchen wird, ist aber unrealistisch. Es wird gewollte und ungewollte Momente geben, wo wir weiterhin mit Menschen eingreifen werden“, erklärte er. Die KI und Digitalisierung werden nicht zu 100 Prozent greifen.
Dieser Ansicht ist auch Michael Schnapp, erklärte aber auch die Notwendigkeit der technischen Hilfe: „Wir haben bei unserem Volumen keine andere Chance als digitale Prozesse für den Kunden anzubieten.“ Auch die HUK baue digitale Schadenaufnahme-Prozesse weiter auf.
Arndt Hürter sprach nochmals die sich aus Sicht der Werkstätten zuspitzende Situation bei den Regressfällen an. Michael Schnapp verwies hierbei auf die aktuell bis zu 2,4 Millionen Schäden im Jahr, die sein Unternehmen abwickle und von denen 1,8 Millionen Kasko-Schäden und 600.000 Haftpflichtschäden seien. Im Haftpflichtbereich sei man bei einer Regressquote von etwa 1,x Prozent und von den dann etwa 600 Fällen seien 300 Regresse bei Sachverständigen und die anderen Hälfte Werkstatt-Regresse. „Bezogen auf die Menge ist das Thema Regress relativ marginal“, so die Einschätzung von Schnapp.
„In den einzelnen Fällen ist es für den Kunden natürlich ein Problem, weil er zwischen Versicherer und Werkstatt steht. Der Kunde soll nicht der Gelackmeierte sein“, sagte der HUK-Manager. Stefan Artz versuchte hier auch diplomatische Töne anzuschlagen: „Wir sind offen für Diskussionen, ob die Regeln, die wir unseren Prüfdienstleistern mitgeben richtig oder falsch sind.“ Aber auch er sieht die Anzahl der Fälle, wo die Allianz Regresse anwende, als verhältnismäßig niedrig an.
Michael Schnapp sieht beim Thema Abwicklung Österreich als spannendes Vorbild: „In 99 Prozent der Fälle läuft dort die Kommunikation zwischen Werkstatt und Versicherer ohne Anwalt und Sachverständigen ab. Das macht den Prozess wesentlich günstiger.“
Engerer Austausch angeregt
Andt Hürter entgegnete, dass der ZKF und er als Präsident eine klare Linie gegenüber Betrieben vertrete, die falsch abrechnen. Es dürfe nur korrekte Abrechnungen passend zum Schaden geben. Also dürften keine Positionen angeführt werden, die nicht passen. Und Hürter reagierte auch auf die Aussagen der Manager: „Auch wenn die Regressfälle prozentual geringer sind, müssen die Systeme so eingestellt sein, dass sie nicht in den falschen Kanal geraten.“ Stefan Artz sieht hier auch die Verantwortung im eigenen Haus und begrüßte den Vorschlag des ZKF-Präsidenten, sich in kürzeren Abständen zu den Fällen auszutauschen.
Ein weiterer Diskussionspunkt betraf explizite Anreize, um die „I statt E“-Quote zu erhöhen. Michael Schnapp sieht hier keine Notwendigkeit: „Im HUK-Werkstattnetz liegt die I vor E-Quote deutlich höher als sonst im Markt.“ Bei der Allianz wisse Stefan Artz über die Steuerer Innovation Group und SPN, dass die Instandsetzungsquoten auch deutlich höher seien als im nicht gesteuerten Bereich. Er habe aber die Innovation Group gebeten für die Allianz mit Partnerbetrieben zu sprechen, wie die Instandsetzungsquote noch weiter zu erhöhen ist. Der freie Markt bleibe hingegen schwierig anreizbar.
Zuletzt widmete sich die Diskussion der Ersatzteile und Arndt Hürter wiederholte seine Bitte, über den GDV mehr Einfluss auf die Hersteller zu nehmen, um Ersatzteilpreise zu senke. Stefan Artz relativierte: „Der GDV hat sich zu den Preisen klar positioniert. Am Ende wird es der Markt regeln.“ Er verwies dabei auf die Typklassen-Einordnung als Anreiz für die Hersteller. Und auch die Gebrauchtteile wurden noch kurz angeschnitten. Die Allianz sei hier laut Artz weiter am Thema dran: „Wir halten es für sehr relevant. Es wird aber deshalb morgen nicht in allen Betrieb stattfinden.“ Auch die HUK ist nach Angaben von Michael Schnapp für das Thema offen. „Wir glauben aber das noch Dinge fehlen, wie Verfügbarkeit, Qualität, Logistik und bei der Regulatorik. Wir sind in einer beobachtenden Rolle.“