Autorecht aktuell Verbringungskosten sind voll zu begleichen

Redakteur: Marion Fuchs

Nach einem Urteil des Amtsgerichtes Königswinter vom Oktober 2018 hat die Versicherung die Verbringungskosten vollständig zu übernehmen, wenn ansonsten der Geschädigte schlechter als vor Schadenseintritt gestellt wäre.

Firma zum Thema

Verbringungskosten sind den Versicherern „ein Dorn im Auge“.
Verbringungskosten sind den Versicherern „ein Dorn im Auge“.
(Bild: ADAC)

Das Amtsgericht (AG) Königswinter verurteilte (Urteil vom 08.10.2018, AZ: 14 C 32/18) den regulierungspflichtigen Haftpflichtversicherer dazu, die vollen Verbringungskosten zu zahlen. Im Vordergrund müsse die Befriedigung des Geschädigten stehen, denn dieser dürfe nach dem Schadeneintritt nicht schlechter stehen als vorher.

Hintergrund

Vorliegend streiten die Parteien um die Verbringungskosten der verunfallten Fahrzeuge. Diese beliefen sich auf Kosten in Höhe von insgesamt 157,20 €, von denen bereits 100,00 € vorgerichtlich gezahlt wurden.

Die Beklagte wendet ein, dass eine Verbringung nicht stattgefunden habe, weil im Sinne guter Kundenpflege entsprechende Verbringungsleistungen durch Lackierer allgemein nicht abgerechnet werden.

Aussage

Nach Ansicht des Gerichts ist die Klage zulässig und vollumfänglich begründet, wodurch die Beklagte zur Zahlung der gesamten Verbringungskosten in Höhe von 157,20 € verpflichtet ist.

Einigkeit besteht insoweit zwischen den Parteien, dass die Beklagte hinsichtlich des § 7 Abs. 1 StVG in vollem Umfang einstandspflichtig ist. In dessen Rahmen ist die Beklagte verpflichtet, der Klägerin den aus dem Verkehrsunfallereignis entstandenen Schaden zu ersetzen. Dieser Schaden ist durch Naturalrestitution zu ersetzen, was heißt, dass der Beklagte den gleichen Zustand herstellen muss, der ohne das schädliche Ereignis bestehen würde.

Demzufolge hat der Beklagte die Aufwendungen zu ersetzen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage der Klägerin für zweckmäßig und notwendig halten durfte.

„Gerade im Fall der Reparatur von Kraftfahrzeugen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass den Erkenntnis- und Einwirkungsmöglichkeiten des geschädigten regelmäßig Grenzen gesetzt sind. Es würde dem Sinn und Zweck des § 249 Abs. 2 S.1 BGB widersprechen, wenn der Geschädigte bei Ausführung der ihm durch das Gesetz eingeräumten Ersetzungsbefugnis im Verhältnis zum ersatzpflichtigen Schädiger mit Mehraufwendungen der Schadensbeseitigung belastet bliebe, deren Entstehung seinem Einfluss entzogen ist und die Ihren Grund darin haben, dass die Schadensbeseitigung in einer fremden, vom Geschädigten nicht kontrollierbaren Einflusssphäre stattfinden muss.“

Gerade weil der Geschädigte nicht auf jedes Detail in der Schadenregulierung Einfluss haben kann, ihm dennoch aber ein möglichst vollständiger Schadenausgleich zukommen soll, ist der Schaden subjektbezogen. Insofern war nach der subjektbezogenen Bestimmung der erforderlichen Reparaturkosten für die Verbringungskosten der genannte Betrag zu ersetzen.

Bezüglich des von der Beklagten vorgetragenen Einwands, Verbringungskosten würden allgemein nicht abgerechnet, kann das Gericht entgegensetzen, dass ihm keinerlei Erfahrungssätze bekannt seien, welche dies belegten. Auch könne diese Behauptung durch die Beklagte nicht ausreichend dargelegt werden.

(ID:45923100)