Opel 50 Jahre Opel GT

Redakteur: Marion Fuchs

Das Sportcoupé des Rüsselsheimer Autobauer rollte 1968 erstmals vom Band. Dieses Jahr geht der Opel GT Anfang Mai bei der Bodensee-Klassik an den Start.

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Der Opel GT feiert dieses Jahr seine fünzigste Geburtsstunde.
Der Opel GT feiert dieses Jahr seine fünzigste Geburtsstunde.
(Bild: Opel)

„Nur Fliegen ist schöner…“ – diese vier Worte reichten nach Firmenangaben aus, um Sehnsüchte und Emotionen zu wecken. Vor 50 Jahren rollte der erste Opel GT – ein reinrassiges Sportcoupé – vom Band. Damals wie heute ein Traumauto und ein Meilenstein der Automobilgeschichte. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres geht der Opel GT vom 3. bis 5. Mai bei der Bodensee-Klassik an den Start. Und auch auf weiteren Events können die Fans die automobile Stilikone in den kommenden Monaten live erleben, zum Beispiel beim Klassikertreffen in Rüsselsheim im Juni.

Experimental GT

Die Karriere des Opel GT begann genau genommen nicht vor 50, sondern vor 53 Jahren. Auf der IAA 1965 in Frankfurt präsentierte der Hersteller einen zweisitzigen Sportwagen, der mit seiner Karosserielinie, dem flachen Bug mit Klappscheinwerfern, bauchigen Kotflügeln und scharfer Abrisskante am Heck deutlich vom europäischen Automobildesign abwich. Sein Äußeres erinnerte an die stark taillierte Form der klassischen Coca Cola-Flasche, deshalb auch „Coke Bottle Shape“ genannt. Entsprechend wiesen die Verantwortlichen den „Experimental-GT“ – das erste Konzeptfahrzeug eines deutschen Herstellers – zunächst als einzelne Hochleistungsstudie aus.

Entworfen haben das Fahrzeug die Designer um Erhard Schnell im Rüsselsheimer „Styling-Studio“ – dem ersten Designcenter eines Automobilherstellers in Europa. Erhard Schnell erinnert sich, wie geheim die Entwicklung des Experimental GT war: „Am Anfang war sie ein Alleingang von uns im Styling. Mein Chef hatte den Vorstand nicht eingeweiht. Als die Studie dann fast fertig war und auf der IAA gezeigt werden konnte, kam er aber nicht drum herum, seine Vorgesetzten zu informieren. Wir hatten wirklich große Bedenken, als der Experimental GT zum ersten Mal intern vorgeführt wurde. Uns ist dann ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, als die hohen Herren spontan applaudiert haben und völlig hingerissen waren.“

Und sie hatten damit genau das richtige Gespür für Kundenwünsche bewiesen. Das Publikums- und Medienecho auf der IAA kurz darauf war enorm, denn von Opel hätte man nicht einen derart extravaganten Sportwagen erwartet. So kam es, dass sechs Jahre nach den ersten Designskizzen und drei Jahre nach der Initialzündung auf der IAA der GT-Prototyp zum Serienauto reifte.

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

1968 rollte der erste Opel GT vom Band, zuvor auf Herz und Nieren geprüft im neuen Opel-Testzentrum Dudenhofen. Das Sportcoupé war das Ergebnis einer deutsch-französischen Zusammenarbeit. Die französischen Karosseriebauer Chausson und Brissoneau & Lotz, bei Opel aufgrund vorangegangener Projekte wohlbekannt, übernahmen die Press- und Schweißarbeiten der Blechteile sowie Lackierung und Innenausstattung, in Deutschland fand die Montage von Fahrwerk und Motor statt.

Bei aller Begeisterung, die die Opel-Konstrukteure mit dem GT auslösten, achteten sie jedoch penibel auf den Insassenschutz: Mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten, eingebautem Überroll- und Seitenaufprallschutz, einem stabilen Fahrgastraum, abgewinkelter Sicherheitslenksäule und vielen weiteren Vorkehrungen setzte der Opel GT Maßstäbe für seine Zeit.

Sportliche Erfolge

Der Opel GT ist mit seinem tiefen Schwerpunkt, niedrigem Gewicht, steifer Karosserie und Dynamik wie gemacht für den Motorsport. So fuhren beispielsweise Conrero-GTs Anfang der 1970er Jahre bei Langstreckenrennen genauso wie bei den Opel-Markenrennen auf dem Nürburgring Erfolge ein. Dazu kammen weitere technische Highlights: 1971 machte Dr. Georg von Opel, Enkel des Firmengründers, den GT zum Stromer. Die mittels Elektromotor angetriebene Version erzielte knapp 189 km/h Spitze und mehrere Weltrekorde. Im Juni 1972 stellte ein modifizierter Opel GT mit Dieselmotor – auch „Nagelfeile“ genannt – auf der Hochgeschwindigkeitskreisbahn in Dudenhofen bei Versuchsfahrten zwei Welt- und 18 internationale Rekorde auf: Die gestoppte Höchstgeschwindigkeit über die Distanz von 1.000 Metern bei fliegendem Start lag bei 197 km/h – für Dieselfahrzeuge damals eine Sensation. Dazu bekam das Fahrzeug eine nochmals flachere Form. Um Kosten zu sparen, hatten die Designer bei einem Auto, das ursprünglich zum Cabrio umgestaltet werden sollte, einfach das Dach abgeschnitten.

Bereits 1969 scheint sich für die Freiluft-Fans unter den Autofahrern ein weiterer Traum zu erfüllen: Opel stellt den Aero GT mit elektrisch versenkbarer Heckscheibe und abnehmbaren Dach auf der IAA vor. Doch zum Leidwesen der Cabrio-Liebhaber bleibt der offene GT eine Studie.

Nichtsdestoweniger begeisterte der Serien-GT bis zu seinem Produktionsende 1973 die Kunden: Seine starke Leistung, das eigenwillige Design und der attraktive Einstiegspreis von nur 10.767 Mark machten den Sportwagen zum Renner in der Käufergunst. In nur fünf Produktionsjahren erreichte er eine Gesamtauflage von 103.463 Einheiten.

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