Abschleppkosten Abschleppvorgänge sind ersatzfähig

Autor / Redakteur: Autorechtaktuell.de / Marion Fuchs

Das Amtsgericht Weiden urteilte im Februar dieses Jahres, dass auch zwei Abschleppvorgänge durch die Versicherung zu bezahlen sind, wenn diese nachweislich notwendig waren.

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Auch wenn notwendigerweise zweimal abgeschleppt wird, ist die Versicherung in der Erstattungspflicht.
Auch wenn notwendigerweise zweimal abgeschleppt wird, ist die Versicherung in der Erstattungspflicht.
(Bild: ADAC)

Das Amtsgericht (AG) Weiden i. d. Opf. ist in seinem Urteil AZ: 3 C 998/18 vom 26.02.2019, der Ansicht, dass auch die weiteren Abschleppkosten vom Sachverständigen zur Werkstatt ersatzfähig sein können, wenn die Reparaturwerkstatt am Tag des Unfalls geschlossen hat. Eine solche Situation ist jedoch die Ausnahme und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Regel nur das Abschleppen zur Werkstatt ersetzt wird – wo der Sachverständige das Fahrzeug dann besichtigen kann.

Hintergrund

Im vorliegenden Fall streiten die Parteien um die Erstattung der Abschleppkosten. Die Klägerin macht aus abgetretenem Recht ihre Ansprüche gegen die Versicherung des Geschädigten geltend. Die Besonderheit des Falles ergibt sich daraus, dass das Unfallfahrzeug zunächst zum Sachverständigen und erst einen Tag später zur Reparaturwerkstatt gebracht wurde.

Die Beklagte vertritt die Meinung, die Abschleppkosten am Folgetag des Unfalls gehörten nicht mehr zu den mit dem Schaden unmittelbar verbundenen und somit auszugleichenden Vermögensnachteilen, für die sie einzustehen hat.

Aussage

Nach Ansicht des Gerichts ist die Klage zulässig und vollumfänglich begründet, wodurch die Beklagte zur Zahlung der gesamten Abschleppkosten verpflichtet ist.

Die Haftung der Beklagten als Kfz-Haftpflichtversicherung dem Grunde nach aus dem Verkehrsunfallgeschehen vom 01.05.2018 in Weiden ist unstreitig. Eine Regulierung seitens der Beklagten erfolgte lediglich für den Transport am Tag des Unfalls, jedoch nicht für jenen des Folgetags.

Die Klägerin vermittelt glaubhaft, dass ein Transport des Fahrzeugs des Geschädigten am Unfalltag (einem Feiertag) zur Reparaturwerkstatt nicht möglich gewesen sei. So wurde das Fahrzeug zunächst in eine Halle des Sachverständigen und erst einen Tag später in die Werkstatt gebracht. Aufgrund der Schließzeiten des Autohauses konnte das Fahrzeug auch nicht am Unfalltag auf dem Gelände des Autohauses abgestellt werden.

„Diese erhöhte Sorgfaltspflicht gegenüber dem Fremdeigentum gebietet es zur Überzeugung des Gerichts, dass das verunfallte und abgeschleppte Kfz im abgesperrten Werkstattgelände abgestellt wird. Seiner Sorgfaltspflicht gegenüber dem Geschädigten würde der Kläger nicht gerecht, wenn er das verunfallte Kfz irgendwo auf oder außerhalb des Werkstattgeländes des Autohauses abstellt und den Schlüssel in den dortigen Briefkasten einwirft.

Aus Sicht eines wirtschaftlich denkenden verständigen Geschädigten war es daher notwendig und zweckmäßig, das verurteilte Kfz nicht sofort zum Autohaus zu verbringen, sondern es bis zur Erreichbarkeit des Autohauses während der normalen Öffnungszeiten zwischenzulagern.“

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