Spies Hecker Profi-Club Ist Mechanik rentabel?

Redakteur: Slawa Schaub

Der neu eingeführte HUK-Autoservice und der damit verbundene Einstieg ins Geschäftsfeld der Mechanik sorgten während des Profi-Club-Treffen in Bad Schandau für rege Diskussionen. Die Meinungen der rund 200 Teilnehmer des Profi-Club-Themenforums waren dabei sehr unterschiedlich.

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Michael Wellnitz, Vorstandsvorsitzender des Proficlubs, eröffnete im Juni 2016 das Themenforum in Bad Schandau.
Michael Wellnitz, Vorstandsvorsitzender des Proficlubs, eröffnete im Juni 2016 das Themenforum in Bad Schandau.
(Bild: Foto: Spies Hecker)

Im Rahmen des Profi-Club-Themenforums in Bad Schandau nahm HUK-Geschäftsführer und Schadenprozessmanagement-Leiter Thomas Geck erstmals öffentlich Stellung zum neuen HUK-Autoservice. Die Pilotbetriebe hätten das Konzept und das Marketing positiv aufgefasst. Zudem kündigte Geck an, mit den Partnerwerkstätten eine Ausschließlichkeitsvereinbarung abzuschließen.

Als „lohnenswert“ bezeichnete Gerhard Strakeljahn den Eintritt ins Mechanik-Geschäft. Die Identica Brillant in Köln, einer seiner fünf Karosserie- und Lackierbetriebe, gehörte zu den zehn Pilotbetrieben. Eigenen Angaben zufolge zählte der Unternehmer im Mai 202 Aufträge aus dem Mechanik-Bereich und verbuchte 27.500 Euro Umsatz. 70 weitere Aufträge seien durch Kundenempfehlungen hinzugekommen. Sein Betrieb habe von Januar bis Mai mit insgesamt 617 Mechanik-Aufträgen 85.500 Euro Umsatz erwirtschaftet.

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Der operative Geschäftsführer des Bundesverbandes der Partnerwerkstätten (BVDP) Marco Senger sieht den HUK-Autoservice ebenfalls positiv: Er biete für einige Werkstätten die Chance, Zusatzgeschäft zu generieren. Jedoch sollten Fachbetriebe nicht nur die betriebswirtschaftlichen Größen berücksichtigen. Senger rührte auch in eigener Sache die Werbetrommeln und verwies auf den Mechanik-Checker sowie das dreistufige Beratungskonzept des Verbands. Es soll Betrieben in diesem Geschäftsfeld Chancen und Risiken aufzeigen.

Die andere Sicht der Dinge

Den Flatrate-Paketen des HUK-Autoservice stand der Geschäftsführer von Global Automotive Service (GAS), Andreas Brodhage, sehr kritisch gegenüber. In Kooperation mit Coparts sammelt sein Netzwerk bereits seit über zehn Jahren Erfahrungen im Geschäftsfeld Mechanik. Laut Brodhage ist der Inspektionspreis immer abhängig vom Wagentyp. Nur der Betrieb selbst könne eine genaue Kostenkalkulation erstellen. Er empfahl, die Betriebswirtschaftlichkeit stets im Blick zu behalten und Investitionen in den Mechanik-Bereich genau abzuwägen. Ansonsten bestehe die Gefahr, von einem Schadensteuerer abhängig zu werden.

Laut Marina Markanian von der BPR Mittelstandsberatung muss jeder Betrieb die Höhe seiner Investition in die Mechanik-Abteilung individuell berechnen. Im Durchschnitt 80.000 Euro für die Grundausstattung seien das Minimum. Für weitere Ausstattung und Umbaumaßnahmen steige das Investitionsvolumen entsprechend. Gerhard Strakeljahn etwa investierte eine Gesamtsumme von 100.000 Euro. Nach dem Umbau hatte der Unternehmer seinen Worten nach „einen völlig anderen Betrieb“: nämlich eine neue Dialogannahme mit einer zusätzlichen Mitarbeiterin in der Serviceannahme, einen Prüfplatz für Bremsen, neue Hebebühnen und Fachpersonal.

Markanian riet Betrieben, sich mit einer Standortanalyse ein Bild von den Mitbewerbern in ihrem Umfeld zu verschaffen und bereits in der Planungsphase Fördermittel zu beantragen. Die Möglichkeiten dafür seien je nach Bundesland unterschiedlich. Für Proficlub-Mitglieder gibt es dafür eine extra Hotline (0800-37-33666).

Gespaltenes Publikum

Die Meinungen der Zuhörerschaft zum dem Thema gingen weit auseinander. Laut Detlef Hartleib, einem Betriebsinhaber aus Greiz, würden viele Betriebe durch die Einführung von Mechanik an ihre Grenzen geraten. Er selbst biete Mechanik-Leistungen zwar an, bewerbe sie jedoch nicht aktiv. André Hoffmann, Inhaber eines Berliner Karosserie- und Lackierbetriebs, sieht im Fachkräftemangel ein großes Problem. Er will sich das Mechanik-Know-how daher von einem externen Partner in den Betrieb holen. Kritik kam ebenfalls von Joachim Wolf, einem Betriebsinhaber aus Ahrensfelde. Seine Werkstatt lebe hauptsächlich von Reparaturen und sehe Mechanik als notwendiges Übel ansehen. Investitionen in dieses Geschäftsfeld sollten seiner Meinung nach deshalb gut durchdacht sein.

Eines haben die kontroversen Reaktionen gezeigt: Viele Betriebe stehen in Sachen Mechanik noch am Anfang. Das Thema wird wohl noch einige Zeit für Diskussionen sorgen.

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