Durchstarten „Machen, was geht!“

Das Münsteraner Unternehmer Evels hat die Auswirkungen der Pandemie genutzt, um den Betrieb an vielen unterschiedlichen Stellschrauben neu zu justieren. Neben konkreten Maßnahmen wurde auch der eine oder andere Prozess im Unternehmen hinterfragt.

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Claus Evels, Geschäftsführer Evels Karosserie-Fahrzeugbau GmbH und Vizepräsident ZKF.
Claus Evels, Geschäftsführer Evels Karosserie-Fahrzeugbau GmbH und Vizepräsident ZKF.
(Bild: Evels)

Redaktion: Wie ist die aktuelle Stimmungslage in Ihrem Unternehmen?

Claus Evels: Wenn wir auf den Beginn der Pandemie in Europa vor fast einem Jahr zurückblicken, als wir durch Werksschließungen der Hersteller innerhalb von zwei Wochen keine Fahrzeuge für viele Wochen mehr bekommen haben, jedoch das Material bereits vorrätig oder bestellt hatten und die Bestellung nicht mehr nach hinten zu verschieben war, sind wir generell am heutigen Tage zufrieden. Wir wurden alle „resettet“, und Selbstverständliches war auf einmal nicht mehr selbstverständlich. Nicht viel anders erging es uns betrieblich. Nach dem momentanen Lockdown, der nun verlängert wurde, sind einige Kunden mit den Bestellungen wieder sehr zurückhaltend geworden.

Wie hat sich Ihr Betrieb auf das Jahr 2021 vorbereitet – was waren bzw. sind die wichtigsten Schritte?

Claus Evels: Ein sicherlich wichtiger Schritt war und ist: Wir haben uns intensiver auf Bereiche konzentriert, die zuvor nur nebenher liefen. So haben wir einige Mitarbeiter im Bereich des SRS Struktur-Reparatur -System schulen lassen und ein entsprechendes Reparaturset bei der Firma Seidl in Sulzemoos bestellt. Anschließend haben wir die umliegenden Versicherungen kontaktiert und darüber informiert. Zudem haben wir einen vierseitigen DIN-A5-Flyer zur Caravan/Wohnmobil/Wohnwagen-Reparatur erstellt. Er wird unter anderem an Tankstellen, Caravan-Abstellplätzen und Campingplätzen verteilt. Auch der Bereich Reparatur und Einbau von Vollluftfederungen wurde weiter ausgebaut. Wir haben Anzeigen in Zeitungen geschaltet, und selbstverständlich nutzen wir die Medien Facebook und Instagram, um auf uns aufmerksam zu machen. Es gibt kaum einen Tag, an dem wir nicht mindestens einen Caravan – und das können ganz schöne Flaggschiffe sein – auf dem Hof stehen haben. Darüber hinaus haben wir uns intensiver auf noch bessere Lösungen für andere Handwerksbereiche konzentriert, um so unseren Kunden eine Lösung zu zeigen, bevor sie selbst das Problem erkannt haben. Auch diese Strategie wird von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Das ist natürlich nur ein kleiner Überblick. Zudem erarbeiten wir für unsere Kunden gerade intensiv Lösungen für all die Probleme, die der Bereich WLTP mit sich gebracht hat.

Welche besonderen Herausforderungen gab es für Ihr Unternehmen durch die Corona-Pandemie?

Claus Evels: Wie schon beschrieben, war ein Problem, Auftragsbücher zufriedenstellend zu füllen – mehr geht immer – und Material, das noch nicht geliefert wurde, zeitlich in der Anlieferung zu verschieben. Aber auf welchen Zeitraum? Zudem mussten wir Gespräche mit den Lieferanten führen, um Rechnungen valutieren zu können, sowie schnell und ohne Angst vor Gesichtsverlust die Kurzarbeit beantragen und umsetzen. Außerdem galt es, Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeiter auszuarbeiten. Wir bildeten beispielsweise mit unserer Mannschaft zwei Gruppen. Diese haben um 30 Minuten zeitversetzt die Arbeit begonnen und beendet. Entsprechend waren auch die Pausen um 30 Minuten verschoben, und sie fanden an verschiedenen Orten statt. Nicht zuletzt galt es, Aufträge zu generieren. So haben wir zum Beispiel Schutztrennwände in Pkw und Transportern verbaut. Das war allerdings nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Aber es verlieh uns eine kleine innere Beruhigung. Denn am Ende des Tages wussten wir: Was immer nun auch mit uns und unserem Unternehmen geschehen wird, wir können erhobenen Hauptes von uns sagen, dass wir alles was in unserer Macht stand, auch getan haben.

Gab es auch positive Aspekte im Pandemie-Jahr ?

Claus Evels: Es ist sehr schwer, etwas Positives zu erkennen, wenn das Negative so stark und erdrückend ist. Dennoch muss ich sagen: Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Maßnahmen im Grunde auf unsere Mitarbeiter positiv ausgewirkt haben. Denn wie erwähnt wurden wir Menschen in Deutschland regelrecht resettet und auf null gesetzt. Auf einmal war es normal, beim Bäcker mit Abstand in der Schlange zu stehen – egal ob bei 30° Celsius im Sommer oder jetzt bei minus 5° Celsius. Ich habe kaum jemanden erlebt, der gestresst an der Supermarktkasse gefragt hat, ob er mit seiner Handvoll Artikel nicht vor könne. Das hat sich auch betrieblich ausgewirkt, und die Mitarbeiter wurden entspannter untereinander. Bei meiner Jahresverabschiedung, zu der wir eigentlich am Jahresende bei bestelltem Essen zusammensitzen, gab es im Kreis in der Werkhalle stehend einen richtigen Applaus. Es war, als ob allen ein Stein vom Herzen gefallen wäre. Ein persönlich sehr schönes Gefühl, das mir zeigte: „Wir sind ein Team.“

Wird sich dies auch auf 2021 auswirken?

Claus Evels: Ich denke schon. Denn in der aktuellen Zeit, in der viele Mitarbeiter mit Problemen wie Homeschooling der Kinder, Schließung der Kitas und so weiter konfrontiert werden, ist ein entspanntes Miteinander am Arbeitsplatz ganz besonders wichtig.

Glauben Sie, dass wir zu einem „Normalzustand“ wie vor der Pandemie zurückkehren werden?

Claus Evels: Nein, es wird nicht mehr so werden, wie es war. Alles hat seine Zeit, und wir haben im Grunde ohne Wechsel eines Jahrhunderts ein neues Zeitalter betreten. Wichtig ist einfach, dass wir aus den Erfahrungen nachhaltig lernen. Denn das bringt uns die Stärke, die wir für den weiteren Wandel im Bereich der Automobilbranche noch brauchen werden.

Was haben Sie, Ihr Unternehmen, aus der Krise gelernt – fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Claus Evels: Nun, gelernt in Bezug auf die Pandemie ist vielleicht nicht ganz der passende Begriff. Wir haben ja auch zuvor schon gelernt, mit Krisen umzugehen. Aber es gilt, an dem was wir verändert und ausgebaut haben, dranzubleiben, weiter neue Bereiche zu suchen, um das Betätigungsfeld auszuweiten und Innovationen zu schaffen. Denn die meisten und besten sind stets aus Krisen und auf der Suche nach Lösungen entstanden. Und ja, ich sehe unser Unternehmen für die Zukunft gut gewappnet. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass mein Bruder und ich als Nachfolger unsere insgesamt drei Söhne haben.

Wie sehen Sie die personelle Entwicklung in der Branche in Bezug auf Ihr Unternehmen? Wird der Fachkräftemangel künftig weiter ein großes Thema sein?

Claus Evels: Der Fachkräftemangel ist seit Jahren für uns und viele Kollegenbetriebe ein großes Thema. Das ist auch ein Grund, warum ich als Obermeister meiner Innung Münster im letzten Jahr den Kontakt zur Kfz-Innung gesucht habe und wir bereits eine gemeinsame Vorstandsversammlung abgehalten haben. Die gemeinschaftlich geplante Innungsversammlung ist leider Covid-19 zum Opfer gefallen. Hier werden wir aber mit zwei Innungen in Zukunft gemeinsam auf die Jugendlichen zugehen, um für unsere zukunftsorientierten Berufe zu werben. Das ist auch ein ganz klarer Appell an alle Kollegen: Bildet aus! Sonst werden wir nicht vom Wettbewerb überrannt, sondern sterben von allein aus, weil niemand mehr da ist, der unsere Arbeit wirklich beherrscht. Da die ersten Kontakte mit der Kfz-Innung mehr als positiv waren, kann ich nur jeder anderen Innung empfehlen, diesen Weg auch einmal zu prüfen.

Welche Tipps bzw. Ratschläge können Sie an ihre Kollegen weitergeben?

Claus Evels: Als Kollege Tipps zu geben, ist immer schwierig. Als Vizepräsident des ZKF würde ich den Spruch wählen, den ich bei den Gesellenfreisprechungsfeiern gern in meiner Rede zitiere: „Man kann einen Menschen nichts lehren; man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“ Das heißt, es gibt keine pauschale Lösung für jedes Unternehmen. Man kann nur raten, über den eigenen Tellerrand hinweg zu schauen, um neue Wege zu entdecken oder vorhandene neu zu pflastern und auszubauen, sich zu schulen, egal welchen Alters man ist. Denn wie ich bei Lossprechungen immer wieder betone: Wer nur an einer Stelle lernt, tritt auf der Stelle, der erfährt nie das, was die anderen schon wissen. Ein weiterer Tipp ist, immer auf die umfangreichen Informationen des Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik zurückzugreifen und den Kontakt zum ZKF zu suchen.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«