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Euler Hermes Mehr Insolvenzen in Deutschland

Redakteur: Marion Fuchs

Nach Aussagen des Hamburger Finanzdienstleisters geraten immer mehr große Unternehmen ins Taumeln. Auch in der Automobilbranche gibt viele Insolvenzen.

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(Bild: Euler Hermes)

Die Zahl der Insolvenzen bei großen Unternehmen nimmt aktuell wieder zu. In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 zählte der Kreditversicherer Euler Hermes nach eigenen Angaben 27 Pleiten von deutschen Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro (Mio. EUR)1. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 19 Fälle gewesen, das ist ein Zuwachs von 42 Prozent.

„Das wirklich dramatische an diesen großen Insolvenzen ist der Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Nicht selten werden sie dabei mitgerissen und geraten selbst in den Abwärtssog. Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen ist in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 81 Prozent auf 339 Mio. EUR gestiegen“.

Großer Name schützt nicht

„Besonders viele große Insolvenzen gab es im bisherigen Jahresverlauf im Handel sowie in der Automobilindustrie, dem Dienstleistungssektor sowie Metall-, Textil- und Energiebranche“, sagt Van het Hof. „Vorsicht ist gerade auch bei großen Namen geboten – sie schützen im Zweifelsfall nicht vor der Pleite. Einige sehr namhafte Unternehmen sind 2019 sogar bereits zum zweiten Mal in die Insolvenz gerutscht.“

Große Insolvenzen häufen sich und der deutsche Wirtschaftsmotor stottert. Trotzdem dürften die Insolvenzen in Deutschland im laufenden Jahr relativ stabil bleiben. Die Bundesrepublik verzeichnete in den ersten acht Monaten 2019 sogar erneut einen leichten Rückgang bei den Insolvenzen. Euler Hermes erwartet allerdings in den letzten vier Monaten des Jahres einen Anstieg bei den Pleitefällen, so dass die Zahlen am Jahresende auf vergleichbaren Niveau liegen dürften wie im Vorjahr. Dieser Anstieg zum Jahresende dürfte sich nach Ansicht der Euler-Hermes-Experten 2020 weiter fortsetzen.

Die durchschnittlichen Schäden für Unternehmen durch Insolvenzen haben sich zwischen 2015 und 2018 verdoppelt. Zwar sind sie im bisherigen Jahresverlauf bisher insgesamt leicht rückläufig, allerdings weiterhin auf sehr hohem Niveau. Mit den zum Jahresende voraussichtlich ansteigenden Fallzahlen dürfte sich dieser Trend jedoch ändern – zumal Kernbranchen wie der Energiesektor, Produktion und unternehmensnahe Dienstleistungen bereits einen deutlichen Anstieg bei den Schäden vermelden.

Strukturwandel schwächt

„Viele Branchen stehen aktuell vor zahlreichen Herausforderungen, die sie erst einmal meistern müssen“, sagt Van het Hof. „Ein massiver Strukturwandel, häufig durch die digitale Transformation oder Nachhaltigkeitsrichtlinien beschäftigt fast alle Unternehmen hierzulande. Zudem sehen wir eine schwache Nachfrage sowie teilweise Profitabilitäts- und Liquiditätsprobleme unter anderem in der Automobilindustrie und ihren Zulieferern sowie in der Chemiebranche und dem Maschinenbau.

„Die Wirtschaft wächst hierzulande zwar weiter – aber nur sehr schwach“, sagt Van het Hof. „Das lässt insgesamt wenig Raum für große Sprünge und könnte bei manchen weiter an die Reserven gehen, die sie in guten Zeiten angelegt haben für den Winter. Die anhaltende Schwäche der Industrie ist für die angelegten Vorräte ein Risiko. Wenn sich diese Schwäche nun auch negativ auf den Privatkonsum auswirkt, der sich aktuell als Fels in der Brandung der deutschen Wirtschaft erweist, wird es eng. Sollte er ins Trudeln geraten, könnte im Laufe von 2020 eventuell erneut eine technische Rezession drohen.“

Vollständige Analyse „Insolvenzradar“ (deutsch, PDF)

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