Autorecht aktuell Mietwagenkosten erstattungsfähig

Redakteur: Marion Fuchs

Nach einem Urteil des Amtsgerichts Aichach vom 28.12.2018 sind Mietwagenkosten im ländlichen Raum trotz geringen Fahrbedarfs zu erstatten.

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Ein geringer Fahrbedarf kann zu Problemen bei der Geltendmachung von Mietwagenkosten führen.
Ein geringer Fahrbedarf kann zu Problemen bei der Geltendmachung von Mietwagenkosten führen.
(Foto: Archiv)

Das Urteil vom 28.12.2018, AZ: 101 C 696/18 des Amtsgerichts (AG) Aichach besagt, dass Mietwagenkosten bei entsprechender Notwendigkeit trotz geringem Fahrbedarfs (15 km pro Tag) nach „Fracke“ (Mittelwert aus Fraunhofer und Schwacke) geltend gemacht werden können.

Zum Hintergrund:

Die Parteien streiten um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall. Insbesondere Mietwagenkosten sowie restliche Reparaturkosten stehen dabei im Streit.

Aussage des Gerichts:

Nach Ansicht des AG Aichach sind die Mietwagenkosten zu erstatten, wenn sie innerhalb des sogenannten Normaltarifs liegen bzw. diesen berechtigt übersteigen.

Der Kläger ist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, während der Begutachtung des Fahrzeugs auf Mobilität zu verzichten, sodass auch für den Zeitraum der Begutachtung die Mietwagenkosten zu erstatten sind. Auf die Frage, ob die Reparatur schneller hätte durchgeführt werden können, kommt es indes nicht an, da dies außerhalb des Einflussbereichs des Geschädigten liegt. Dieses Risiko trägt der Schädiger.

Es ist weiterhin unerheblich, dass der Kläger durchschnittlich nur 15 km pro Tag gefahren ist. Regelmäßig ist im Vorfeld nicht einzuschätzen, welcher Fahraufwand notwendig sein wird. Gerade im ländlichen Raum, in dem der Kläger lebt, ist es nicht zumutbar, das Risiko fehlender Mobilität einzugehen.

Der Geschädigte kann gemäß § 249 BGB nur diejenigen Kosten erstattet verlangen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für zweckmäßig und notwendig halten darf. Der Geschädigte ist daran gehalten, von mehreren auf dem örtlichen Markt verfügbaren Angeboten für die Anmietung eines vergleichbaren Ersatzfahrzeugs grundsätzlich das günstigste Angebot zu wählen. Er kann auch nur diesen Mietpreis ersetzt verlangen.

Für die Schätzung des Normaltarifs stehen dem Gericht mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Das AG Aichach ermittelt den Tarif aus dem arithmetischen Mittel der Vergleichswerte des Fraunhofer- und Schwacke-Mietpreisspiegels. Danach hat der Kläger Anspruch auf Erstattung weiterer 198,59 €.

In der Praxis:

Das AG Aichach schätzt die erforderlichen Mietwagenkosten anhand des arithmetischen Mittels zwischen dem Schwacke-Mietpreisspiegel und dem Fraunhofer-Mietpreisspiegel. Dieser Mittelwert wird auch „Fracke“ genannt.

Praxisrelevant ist auch die Aussage des Gerichts, dass im ländlichen Raum auch bei einem geringen Fahrbedarf die Kosten für den Mietwagen zu erstatten sind. Dem Autovermieter ist dennoch anzuraten, den Kunden vor der Anmietung über den Umstand zu informieren, dass ein zu geringer Fahrbedarf (weniger als 20 km pro Tag im Durchschnitt) zu Problemen bei der Geltendmachung von Mietwagenkosten führen kann.

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