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Autorecht aktuell Sachverständigenkosten sind zu ersetzen

| Redakteur: Marion Fuchs

Das Amtsgericht Hanau kommt in seinem Urteil vom 5.4.2019 zum Schluss, dass plausible Sachverständigenkosten vom Schädiger zu tragen sind.

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Gutachterkosten müssen vom Schädiger ersetzt werden, sofern sie plausibel, nachvollziehbar und für den Geschädigten offensichtlich nicht erhöht sind.
Gutachterkosten müssen vom Schädiger ersetzt werden, sofern sie plausibel, nachvollziehbar und für den Geschädigten offensichtlich nicht erhöht sind.
(Bild: Wenz)

Das Amtsgericht (AG) Hanau befindet in seinem Urteil (AZ: 39 C 37/19 (19) vom 05.04.2019, dass Gutachterkosten vom Schädiger ersetzt werden müssen, sofern sie plausibel, nachvollziehbar und für den Geschädigten offensichtlich nicht erhöht sind.

Hintergrund

Vornehmlich streiten die Parteien um die Begleichung der restlichen Sachverständigenkosten. Die zu 100 % einstandspflichtige Haftpflichtversicherung des Schädigers regulierte zunächst das Honorar in Höhe von 366,00 €.

Offen bleibt ein Betrag von 42,17 €, welchen die Klägerin – aus abgetretenem Recht – erstattet verlangt.

Aussage

Zunächst ist die Klägerin aktivlegitimiert. Das Bestreiten der Beklagten diesbezüglich geht ins Leere.

Die beklagte Haftpflichtversicherung muss auch die übrigen 42,17 € zahlen. Ist wegen der Beschädigung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Geschädigte gemäß § 249 Abs. 2 S. 1 BGB nach eben diesen Grundsätzen frei die Mittel der Schadenbehebung wählen und den Weg der Schadenbeseitigung einschlagen, der aus seiner Sicht seinen Interessen am besten zu entsprechen scheint.

Darüber hinaus ist der Geschädigte grundsätzlich berechtigt, einen qualifizierten Gutachter seiner Wahl mit der Erstellung eines Schadensgutachtens zu beauftragen. Sind diese Kosten aus der Sicht eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen nachzuvollziehen, so scheinen sie notwendig und zweckmäßig und gehören zum erforderlichen Herstellungsaufwand.

Dabei obliegt dem Geschädigten die Last des sogenannten Wirtschaftlichkeitsgebots. Er ist gehalten, den wirtschaftlichsten Weg der Mangelbeseitigung einzuschlagen, ohne jedoch Marktforschung in Bezug auf verschiedene Honorare der Sachverständigen zu betreiben. Dies sei ihm nicht zuzumuten.

Im vorliegenden Fall ist dem Geschädigten kein Versäumnis vorzuwerfen. Das bemessene Grundhonorar des Sachverständigen beläuft sich auf ca. 33,9 % der von ihm ermittelten Reparaturkosten und laässt kein Missverhältnis erkennen.

Die Nebenkosten des Gutachters sind des Weiteren auch nicht zu beanstanden und orientieren sich an den Vorgaben des JVEG zuzüglich 20 %.

Praxis

Sind die Gutachterkosten plausibel, nachvollziehbar und für den Geschädigten offensichtlich nicht erhöht, so gehören sie zum erforderlichen Herstellungsaufwand, den er vom Schädiger ersetzt verlangen kann.

(ID:46144856)