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ADAC Spurhalteassistenten-Test: BMW schneidet schwach ab

Autor: Viktoria Hahn

Fahrspurassistenten haben ein großes Potenzial, Unfälle zu verhindern – sofern sie aktiviert sind und gut funktionieren. Deshalb hat der Automobilclub ADAC den Euro-NCAP-Test moderner Assistenzsysteme ausgewertet. Während viele gut abschnitten, gab es besonders eine Überraschung im Premiumsegment.

Funktionierende Spurhalteassistenten können gefährliche Unfälle verhindern. Deshalb hat der ADAC sich nun mit 71 verschiedenen Modellen internationaler Autohersteller befasst und einige Mängel an der Assistenten-Front aufgezeigt.
Funktionierende Spurhalteassistenten können gefährliche Unfälle verhindern. Deshalb hat der ADAC sich nun mit 71 verschiedenen Modellen internationaler Autohersteller befasst und einige Mängel an der Assistenten-Front aufgezeigt.
(Bild: ADAC/Uwe Rattay)

Spurhalteassistenten können Autounfälle durch das Abkommen von der Fahrbahn oder eine Kollision mit dem Gegenverkehr verhindern. Doch längst nicht alle Assistenten haben bei einer aktuellen Euro-NCAP-Crashtest-Auswertung des Automobilclubs ADAC zufriedenstellende Ergebnisse erzielt: Unter den 71 getesteten Modellen internationaler Autobauer fielen vor allem die des Premiumherstellers BMW mehrfach negativ auf.

Alle vier getesteten Fahrzeuge der Münchner – Z4, X5 und die 1er- und 3er-Serie – erreichten lediglich 44 Prozent der Punkte auf der Anforderungsliste. Damit landeten sie allesamt weit im unteren Drittel. So bietet der Assistent bei keinem der BMWs Schutz vor Kollisionen mit dem Gegenverkehr – etwa durch einen starken Lenkimpuls im Fall der Fälle. Außerdem erkennt er den Straßenrand nicht, sobald die Markierung fehlt. Ebenfalls kein Teil des Systems ist ein Totwinkelwarner oder ein Aktiver Totwinkelassistent. Weiterhin bleibt der Spurhalteassistent nach dem Neustart deaktiviert, wenn der Fahrer ihn zuvor ausgestellt hatte. Lediglich beim grundsätzlichen Spurhalten überzeugte das Assistenzsystem der BMW-Modelle.

Schlusslichter und Top-Platzierungen

Schlechter schnitten lediglich drei Modelle ab: Der Suzuki Jimny (6 %), der nur einen Spurverlassenswarner hat, sowie der Fiat Panda (0 %) und der Jeep Wrangler (0 %), die über keinerlei Fahrspurassistenten verfügen.

Doch es gibt auch Positives zu vermelden. Einige Assistenten überzeugten sogar mit dem vollen Funktionsumfang und erreichten 100 Prozent in der Auswertung: Besonders gut performten die Audi- und Tesla-Assistenten. Das Model 3 und X des kalifornischen E-Auto-Herstellers und der Q3 der Ingolstädter landeten punktgleich auf den Spitzen-Plätzen in der ADAC-Auswertung. Ihre Fahrspurassistenten beinhalten alle sinnvollen Funktionalitäten – von der automatischen Aktivierung beim Neustart, über das Erkennen des Straßenrandes auch ohne Markierung, bis hin zum Schutz vor Kollision mit dem Gegenverkehr.

Das Vorgehen der Tester

Im Euro-NCAP-Test erhalten Spurhalteassistenten Punkte auf Basis von standardisierten Tests auf einer Teststrecke. Die Systeme werden mit unterschiedlichen Straßenmarkierungen, einschließlich durchgezogener und gestrichelter Linien, sowie bei unmarkierten Fahrbahnrändern getestet. Die Leistungsbewertung richtet sich danach, wie nahe das Fahrzeug den Spurmarkierungskanten oder Fahrbahnrändern kommt und ab wann ein Eingriff erfolgt. Zusätzliche Punkte werden Fahrzeugen verliehen, die mit einem Spurhalte- und Spurwechsel- bzw. Totwinkelassistenten ausgerüstet sind.

Letztlich wollte der ADAC mit seiner Auswertung aufzeigen, dass aktuell bereits ausgereifte Systeme zur Verfügung stehen und diese ein großes Potenzial haben, Unfälle zu verhindern. Ab 2022 ist ihr Einsatz in neuen Fahrzeugmodellen vorgeschrieben, ab 2024 in allen neu zugelassenen Pkw und leichten Lkw bis 3,5 Tonnen. Wichtig sei aber, dass der Fahrer sie auch nutze. Denn die Systeme werden schnell als störend empfunden, wenn man ihre Funktionsweise nicht versteht. Manche Systeme führen das Fahrzeug in der Spurmitte, greifen dafür aber auch permanent in die Spurführung ein.

Am sinnvollsten sind laut dem Automobilclub Systeme, die anzeigen, ob das Auto die Fahrbahnbegrenzung erkennt, und nur dann sanft eingreifen, wenn Gefahr besteht, dass die Spurbegrenzung überfahren wird. Solange das Fahrzeug weitgehend in der Spurmitte bleibt, erfolgt kein Lenkeingriff. Notfall-Spurhalteassistenten schalten sich dagegen beherzter ein, aber nur dann, wenn die Situation kritisch zu werden droht.

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Über den Autor

 Viktoria Hahn

Viktoria Hahn

Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG