Kraftstoffpreise Statistiker sehen keine ungewöhnlich dramatische Entwicklung

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

In Krisen steigen fast automatisch die Energiepreise, die aktuelle Kostenwelle passt da ins Bild. Die Anstiege bewegen sich im erwartbaren Rahmen, sagen Forscher. Der Tankrabatt funktioniert dagegen nur „so leidlich“ – sagt der Kanzler.

(Bild:  Grimm – VCG/bearbeitet mit Gemini 3.1 Flash Image)
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Die gestiegenen Preise für Benzin und Diesel belasten Arbeitnehmer nach Ansicht von Experten des Dresdner Ifo-Instituts nicht mehr als in vergangenen Jahren. Grund dafür sind die stetig gestiegenen Löhne, teilt das Institut mit. Den Berechnungen zufolge musste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im April etwa fünf Minuten für einen Liter Benzin arbeiten. In den vergangenen 35 Jahren seien es demnach zwischen drei und sechs Minuten gewesen. „Selbst bei Spritpreisen von 240 Cent pro Liter Super oder 250 Cent pro Liter Diesel liegt die benötigte Arbeitszeit meist unter den Werten der Jahre 2006 bis 2013“, sagte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden.

Die Preissteigerung belaste Haushalte mit geringeren Einkommen stärker, während der Tankrabatt der Bundesregierung geringe und hohe Einkommen gleichermaßen entlaste. Gleichzeitig zeigten Mobilitäts- und Steuerdaten, dass ein hoher Kraftstoffverbrauch zumeist mit einem hohen Einkommen einhergehe, heißt vom Ifo in Dresden.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt das Statistische Bundesamt. Die Preisanstiege für Energie seien wegen des Iran-Kriegs ähnlich stark wie in früheren Öl- und Weltwirtschaftskrisen – aber weniger heftig als im Ukraine-Krieg 2022, hat das Destatis ausgewertet. Basis waren Daten zur Preisentwicklung unter anderem für Sprit und Heizöl in den vergangenen 50 Jahren. 

Prozentualer Anstieg bleibt im Rahmen

Im März 2026 zahlten Verbraucher an Tankstellen in Deutschland demnach im Schnitt 17,3 Prozent mehr für Superbenzin und 29,7 Prozent mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren ein Fünftel (20 Prozent) teurer. Die Verbraucherpreise für leichtes Heizöl stiegen fast um die Hälfte (44,4 Prozent) im Vergleich zum März 2025.

Die Preisanstiege bei Sprit und Energie unmittelbar zu Beginn des Ukraine-Kriegs waren noch deutlich stärker: Im März 2022 zahlten Verbraucher an deutschen Tankstellen im Mittel fast 42 Prozent mehr für Superbenzin und knapp 63 Prozent mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 46,8 Prozent teurer. Für leichtes Heizöl mussten Verbraucher sogar fast zweieinhalbmal so viel (+144,4 %) bezahlen wie im März 2021. 

Allerdings hinkt der Vergleich ein wenig. Denn bei Ausbruch des Ukraine-Kriegs lag das Preisniveau deutlich niedriger als jetzt vor dem Nahost-Krieg. Deshalb wirkt sich der „Kriegszuschlag“ derzeit prozentual weniger deutlich aus als vor vier Jahren, erläuterten die Statistiker.

Für Merz funktioniert der Tankrabatt „so leidlich“

Kanzler Friedrich Merz schätzt die Wirkung des Tankrabatts zur Entlastung der Autofahrer von gestiegenen Spritpreisen vorerst zurückhaltend ein. „Er funktioniert so leidlich“, sagte der CDU-Politiker in der ZDF-Sendung „Was nun, Herr Merz?“. Einige Tankstellen hätten wirklich um 17 Cent reduziert, andere hätten es weniger getan. Nun sei der Markt auch relativ beweglich. „Insofern kann man das jetzt auch nicht eins zu eins alles nachvollziehen.“ 

Merz machte deutlich, dass er die auf zwei Monate befristete Entlastung für gerechtfertigt hält. Man habe dies „in einem vernünftigen Kompromiss in der Koalition so beschlossen, und das wirkt.“ Der Kanzler sagte: «Wir haben die Preise gesenkt, indem wir auf Mineralölsteuereinnahmen verzichten.» Dies sei auch eine Forderung etwa von Arbeitgebern und Gewerkschaften gewesen.

Merz sagte mit Blick auf mögliche weitere wirtschaftliche Folgen des Iran-Krieges: „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Wenn sie eintreten, wird uns das nicht überraschen.“ Beim Wirtschaftsministerium beobachte ein Ausschuss tagesgenau die Marktlage. Das Kabinett habe dazu am Mittwoch einen Bericht bekommen, der nächste folge am kommenden Mittwoch. Die Regierung stehe in Kontakt mit allen Akteuren etwa der Mineralölwirtschaft und den Raffinerien.

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