Schwere Klasse Stegmaier bringt Ford Trucks nach Deutschland

Autor Julia Mauritz

Der Crailsheimer Pkw- und Nutzfahrzeughändler wird mit „F-Trucks Deutschland“ Generalimporteur der Nutzfahrzeugmarke und baut als solcher ein Handels- und Servicenetz aus. Bereits Ende 2022 soll es deutschlandweit über 50 Stützpunkte geben.

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Ford Trucks wagt den Eintritt in den deutschen Lkw-Markt.
Ford Trucks wagt den Eintritt in den deutschen Lkw-Markt.
(Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

In weltweit 45 Ländern ist die Lkw-Marke Ford Trucks bereits vertreten – Deutschland gehörte bislang nicht dazu. Das ändert sich jetzt: Mit der Gründung der Importeursgesellschaft F-Trucks Deutschland GmbH bringt der Crailsheimer Zweirad-, Pkw- und Nutzfahrzeughändler Stegmaier eine achte Lkw-Marke auf den hiesigen Markt.

Ford Otosan, der türkische Hersteller von Ford Trucks, und der Generalimporteur Stegmaier haben sich dabei für einen sachten Markteintritt entschieden. Obgleich Ford Trucks ein breites Nutzfahrzeug-Portfolio hat, startet die Marke in Deutschland mit nur einem Modell: der Sattelzugmaschine F-Max. In den kommenden ein bis zwei Jahren soll das Angebot dann schrittweise um Fahrgestelle erweitert werden. Perspektivisch streben die beiden Partner in Deutschland einen Marktanteil zwischen drei und fünf Prozent an. Insgesamt wurden 2020 hierzulande 53.796 Lkw verkauft.

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Herstellerseitig steht Özenc Kirandi an der Spitze von Ford Trucks International. Er ist Geschäftsführer für die DACH-Region. Mit der Geschäftsführung der Importeursgesellschaft F-Trucks haben Thomas und Hermann Stegmaier, die das Crailsheimer Familienunternehmen in der dritten Generation führen, Jan Plieninger, Alex Kröper und Marc Stegmaier betraut – die vierte Stegmaier-Generation. Ihnen zur Seite steht mit Holger Hahn ein erfahrener Nutzfahrzeugspezialist. Er ist General Manager von F-Trucks.

Händler- und Servicenetz wird aufgebaut

Dem neu gegründeten Importeur steht eine herausfordernde Zeit bevor: Er muss unter anderem eine funktionierende Lieferlogistik und ein Schulungskonzept für die Vertriebs- und Servicepartner aufbauen. Zudem gilt es, die Marke bei den Kunden bekannt zu machen. Dafür will F-Trucks vor allem auf Roadshows und Probefahrten bei den Kunden setzen. Vor allem aber hat F-Trucks die Aufgabe, ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz auf die Beine zu stellen.

Zum offiziellen Markteintritt von Ford Trucks besteht dieses aus 21 Vertriebs- und Servicestützpunkten – bei denen es sich aktuell vielfach um Nutzfahrzeugbetriebe der Stegmaier-Gruppe handelt. Bis Ende dieses Jahres soll das Netz auf 30 Stützpunkte ausgebaut werden. Bis Ende 2022 hat sich F-Trucks Deutschland über 50 Stützpunkte auf die Fahne geschrieben. Geplant ist dabei, ausschließlich erfahrene Nutzfahrzeugbetriebe als Partner zu gewinnen. Die Kosten für den Start als Servicepartner beziffert Holger Hahn inklusive der Erstausrüstung und der Spezialwerkzeuge auf knapp 50.000 Euro. Dazu kommen noch die CI-Kosten. Bei den Händlern stoße Fords Lkw-Marke auf großes Interesse, bekräftigt Hahn.

„Man braucht ein starkes Servicenetzwerk, um erfolgreich zu sein“, bemerkte Özenc Kirandi anlässlich der offiziellen Unterzeichnung des Importeurvertrags in Crailsheim. Bereits Mitte der Siebzigerjahre hatte Ford versucht, mit dem Ford Transcontinental im deutschen Lkw-Markt mitzumischen. 1984 zog sich der Hersteller dann wieder zurück, weil es unter anderem nicht gelungen war, ein flächendeckendes Werkstattnetz mit Kompetenz in der schweren Klasse aufzubauen.

Stegmaier hat langjährige Nutzfahrzeugkompetenz

Mit Stegmaier als Partner sieht sich Kirandi diesbezüglich gut aufgestellt. Die inhabergeführte Firmengruppe umfasst derzeit 20 Tochterunternehmen und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Die Nutzfahrzeugsparte bildet mit ihrem Handels-, Service- und Vermietgeschäft den größten Teil des Familienunternehmens. Aber auch im Zweirad- und Pkw-Vertrieb ist Stegmaier aktiv. Seit gut 90 Jahren hat das Familienunternehmen einen Ford-Händlervertrag.

Aktuell betreibt es zwei Ford-Autohäuser. „Durch unsere langjährige Kompetenz im Bereich der Dienstleistungen, der Reparatur und der Wartung bieten wir mit unserem internationalen Netzwerk ideale Voraussetzungen für einen schnellen Aufbau der Ford-Nutzfahrzeugorganisation in Deutschland“, ist F-Trucks-Deutschland-Geschäftsführer Alex Kröper überzeugt.

Das reine Volumen spielt dabei zumindest in der Aufbauphase nur eine untergeordnete Rolle: „Wir wollen gesund und organisch wachsen“, betont Holger Hahn.

Die Kunden vom 44-Tonner F-Max überzeugen will F-Trucks vor allem mit attraktiven Servicepaketen und Finanzierungslösungen, besonders geringen Unterhaltskosten und dem Versprechen, die Kunden rund um die Uhr mobil zu halten. Mit FMC, einem Vermietkonzept für Spezialfahrzeuge auf Basis des Ford Transit, und der Truckvermietung BFS Business Fleet Services bringt Stegmaier hier bereits das nötige Know-how mit.

Deutschland ist nicht der einzige Markt, den Ford Otosan mit der Marke Ford Trucks neu ins Visier nimmt. Der stellvertretende Geschäftsführer Dave Johnston wies bei der Vertragsunterzeichnung darauf hin, dass man auf neue Vertriebspartnerschaften in bislang unbesetzten Schlüsselmärkten setze: „Wir haben unsere Wachstumspläne aufgrund der hohen Nachfrage aus Europa beschleunigt“, betonte der Ford-Manager. Nach dem Marktstart in Italien, Belgien und Luxemburg sowie in Polen, Litauen, Portugal und Spanien sprach er Deutschland, dem größten Markt für schwere Nutzfahrzeuge in Europa, eine hohe strategische Bedeutung und gute Absatzchancen zu. Innerhalb der kommenden drei Jahre will Ford Trucks in 55 Märkten weltweit vertreten sein. Das jährliche Produktionsvolumen des Werks im türkischen Kocaeli liegt aktuell bei rund 16.400 Lkw.

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