Autorecht aktuell Vorsicht mit der Vollkasko

Redakteur: Marion Fuchs

Nach einem Urteil des Amtsgerichtes Ansbach kann es sinnvoll sein, nach einem Verkehrsunfall die Vollkaskoversicherung nicht vorschnell in Anspruch zu nehmen.

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Nach einem Verkehrsunfall sollte die Vollkaskoversicherung nicht vorschnell in Anspruch genommen werden.
Nach einem Verkehrsunfall sollte die Vollkaskoversicherung nicht vorschnell in Anspruch genommen werden.
(Bild: Archiv)

Das Urteil vom 24.11.2017, AZ: 4 C 987/17 des Amtsgerichtes Ansbach (AG) rät zur Vorsicht bei vorschneller Inanspruchnahme der Vollkaskoversicherung nach einem Verkehrsunfall.

Dem vorliegenden Verfahren lag nachfolgender Sachverhalt zugrunde: Am 07.11.2016 verunfallte auf der BAB 7 zwischen Dinkelsbühl und Feuchtwangen der Pkw der Klägerin durch das Verschulden des Fahrers des bei der Beklagten versicherten Fahrzeugs. Die Eintrittspflichtigkeit der Beklagten war unstreitig.

Am 28.11.2016 schrieb die unfallgegnerische Haftpflichtversicherung die Klägerin an, um die Schadensabwicklung vorzunehmen. Diese antwortete am 01.12.2016 und teilte mit, sie habe die Abrechnung des Unfallschadens bereits über ihre eigene Kaskoversicherung vorgenommen nachdem sich die verantwortliche Versicherung nicht unverzüglich bei ihr gemeldet habe. Sie sei auf das Geld angewiesen gewesen. Sodann forderte sie von der gegnerischen Haftpflichtversicherung den ihr durch die Inanspruchnahme der Vollkaskoversicherung entstandenen Prämienschaden, für das laufende Jahr 2017 in Höhe von 166,90 und für die zukünftigen Jahre in Höhe von insgesamt 1.909,99 €.

Das AG Ansbach wies die Klage ab, das LG Ansbach bestätigte die erstinstanzliche Entscheidung, sodass diese rechtskräftig wurde.

Die Aussage:

Das AG Ansbach habe zurecht ausgeführt, dass die Klägerin die Regulierungsbereitschaft der gegnerischen Versicherung nicht hinreichend abgewartet und vorschnell über die eigene Vollkaskoversicherung abgerechnet habe. Dadurch habe sie gegen ihre Pflichten zur Geringhaltung des Schadens verstoßen. Sie habe auch nicht beweisen können, dass sie dringend auf das Geld angewiesen war. Somit bestand nach Ansicht des LG Ansbach kein Anspruch auf Erstattung des Prämienschadens.

Zur Praxis:

Die Entscheidung des AG Ansbach, welche vom LG Ansbach bestätigt wurde, ist diskussionswürdig. Letztendlich kommt es immer auf die Besonderheiten des Einzelfalls an.

Möglicherweise hätte hier die Klägerin die unfallgegnerische Versicherung ausdrücklich darauf hinweisen müssen, dass sie zu einer Vorfinanzierung des Schadens nicht in der Lage ist. Ob und in welchem Umfang dies im konkreten Fall geschehen war, ist zweifelhaft.

Dass die Rechtsprechung hier nicht einheitlich ist und für den Geschädigten erhebliche Rechtsunsicherheit besteht, zeigt eine Entscheidung des LG Berlin vom 14.07.2015 (AZ: 42 S 220/14). Der Kläger machte hier einen höheren Ausfallschaden geltend, weil sich die Regulierung der gegnerischen Haftpflichtversicherung hinzog. Der Kläger war aber auch nicht bereit seine vorhandene Vollkaskoversicherung in Anspruch zu nehmen.

Hier kam das LG Berlin als Berufungsinstanz zu einem ganz anderen Ergebnis und führte wörtlich aus: „Nach Auffassung der Kammer wäre es dem Kläger vorliegend auch zuzumuten gewesen, seine Kaskoversicherung frühzeitig in Anspruch zu nehmen und dort den Reparaturschaden geltend zu machen. Die Inanspruchnahme des Kaskoversicherers zum Zwecke der Schadensminderung ist dem Geschädigten jedenfalls dann zuzumuten, wenn der ansonsten drohende Schaden – wie hier – den Verlust des Schadensfreiheitsrabatts erheblich überwiegt.“

Letztendlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung, ob der Geschädigte, der auf die Regulierung der gegnerischen Haftpflichtversicherung wartet, vorzeitig den Kaskoversicherer in Anspruch nimmt und dann Prämienschaden einfordert oder die Regulierung der gegnerischen Versicherung abwartet, wobei dann das Risiko besteht, dass je nach Ansicht des Gerichts durch die Inanspruchnahme bzw. die Nichtinanspruchnahme der Kaskoversicherung entstehender Mehrschaden nicht erstattet wird.

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