TÜV Nord / IFA Studie Betriebsgröße bringt Rentabilität

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Kann das Autohaus mit dem Geschäftsbereich Karosserie und Lack Geld verdienen? Dieser Frage ging das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) in einer durch TÜV Nord in Auftrag gegebenen Studie nach. Eine Antwort darauf: Auf die Größe kommt es an.

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„Bunt aber auch Profitabel?“ lautet der Titel der Schadenmarktstudie von TÜV Nord.
„Bunt aber auch Profitabel?“ lautet der Titel der Schadenmarktstudie von TÜV Nord.
(Bild: Wenz)

Die Betriebsgröße ist ein entscheidender Faktor hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Tragfähigkeit von Lackier- und Karosseriebetrieben. Künftig wird es bei stagnierendem Branchenumsatz und rückläufiger Rendite weniger Betriebe geben. Dies sind zwei der zentralen Ergebnisse einer Studie, die das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) im Auftrag von TÜV Nord unter dem Titel „Bunt aber auch profitabel?“ während der Automechanika in Frankfurt vorstellte. Die Studie hat den aktuellen und künftigen Schadenmarkt untersucht.

Etwa 40 Prozent aller Autohäuser in Deutschland würden selbst K&L-Arbeiten erledigen, schätzt Prof. Dr. Stefan Reindl vom IFA. Reindl führte aus, dass der Umsatz von reinen K&L-Betrieben bis zum Jahr 2015 auf durchschnittlich 1,58 Millionen Euro angestiegen sei.

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„Insgesamt hat es im Jahr 2015 etwa neun Millionen Schäden gegeben, die über die Versicherungen abgerechnet worden sind. Dazu kommen rund zwei bis drei Millionen Fälle, in denen die Versicherung nicht eingeschaltet wurde und viele Bagatellschäden“, erklärte Reindl. Der Umsatz in diesem Bereich habe im Jahr 2015 bei rund 17 Milliarden Euro gelegen.

Obwohl über 43 Prozent Autohausbetreiber der Meinung seien, dass die Umsätze in diesem Bereich in den nächsten Jahren sinken, würden immer mehr Autohaus- und Händlergruppen in sogenannte Lackier- und Karosseriezentren (Lakaze) investieren.

Hohe Investitionen

Dabei sei das Investitionsvolumen nicht zu unterschätzen. Für einen Betrieb mit drei produktiven Mitarbeitern beliefe es sich auf etwa 1,3 Millionen Euro. Hat das Unternehmen mehr als 40 Mitarbeiter so handele es sich bereits um mehr als sieben Millionen Euro. Für Freie K&L-Betriebe sei es angesichts solcher Investitionsvolumen, der zunehmenden Zahl der gesteuerten Schäden sowie steigenden Kundenansprüchen immer schwieriger wirtschaftlich zu arbeiten. So sei der EBITA von durchschnittlich 14,3 Prozent im Jahr 2012 auf fünf Prozent im Jahr 2015 gesunken. „Dagegen arbeiten Lakaze in Autohausgruppen mit einem EBT von 14,4 Prozent relativ rentabel“, erklärte Reindl.

Der Wissenschaftler gibt an, dass künftig die durchschnittliche Größe eines K&L-Betriebs bei etwa 18 bis 24 Mitarbeitern liegen müsse, nur so ließen sich die hohen Kapitalkosten von den Betrieben erwirtschaften. Zudem würden derzeit rund 25 Prozent aller Schäden gesteuert. Dadurch und durch höhere Zahl an Flottenkunden sei der Anteil an mit Nachlässen verbundenen Aufträgen sehr hoch. „Wenn dieser Anteil einmal 60 Prozent übersteigt, kann der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich arbeiten“, erklärte Reindl.

Hartmut Abeln, Geschäftsführer von TÜV NORD Mobilität erklärte: „Neben größeren Betriebseinheiten wird die Prozessoptimierung eine wichtige Aufgabe zur Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse. Hier werden digitale Prozesse im Schadenmanagement und in der Auftragsabwicklung eine zentrale Rolle spielen.“

Halle 9.0, F70

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