TÜV-Report 2026 Die Mängelquoten steigen weiter

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 6 min Lesedauer

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Nur noch zwei von drei Autos kommen mängelfrei durch die Hauptuntersuchung, zeigt die Auswertung des TÜV-Verbands. Als Mängelriesen erwiesen sich erneut die Fahrzeuge von Tesla. Erstmals küren die TÜVs die Marke mit der besten Langzeitqualität.

Für den TÜV-Report 2026 wurden 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen in den TÜV-Prüfstellen ausgewertet.(Bild:  Oliver Tjaden)
Für den TÜV-Report 2026 wurden 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen in den TÜV-Prüfstellen ausgewertet.
(Bild: Oliver Tjaden)

Das wachsende Durchschnittsalter des deutschen Pkw-Bestands schlägt immer stärker auf die Ergebnisse der Hauptuntersuchungen durch, meldete der TÜV-Verband am Donnerstag (20. November) bei der Präsentation des TÜV-Reports 2026. Die Mängelquote ist auch im aktuellen Untersuchungszeitraum (Juli 2024 bis Juni 2025) weiter gestiegen und hat damit den Trend der letzten zehn Jahre fortgesetzt.

Mehr als jedes fünfte Fahrzeug (21,5 Prozent) ist bei der Hauptuntersuchung (HU) mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ durchgefallen und hat keine Plakette erhalten. Im Vergleich zum Vorjahresreport ist die Mängelquote damit um 0,9 Punkte gestiegen und hat den Wert von 2020 wieder erreicht. „Die steigende Mängelquote ist ein anhaltender Trend, der nur durch die Corona-Delle unterbrochen wurde“, sagte Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, bei der Vorstellung des TÜV-Reports 2026 in Berlin. „Dieser Effekt ist aber längst aufgebraucht.“

Der Grund für diese Entwicklung liegt für Bühler im ebenfalls anhaltend wachsenden Durchschnittsalter des Pkw-Bestands in Deutschland. Es liegt laut dem Kraftfahrtbundesamt mittlerweile bei 10,6 Jahren – zum Vergleich: 2015 waren es noch 9,0 Jahre. „In der Gesamtschau macht die Alterung des Fahrzeugbestands die technischen Fortschritte bei der Sicherheit zunichte.“

Im Einzelnen ergab die Auswertung von insgesamt 9,5 Millionen Pkw-Hauptuntersuchungen – laut TÜV-Verband die „die größte Bestandsaufnahme der technischen Sicherheit im realen Betrieb weltweit“ – folgende Ergebnisse:

  • 21,5 Prozent (Vorjahr: 20,6 %) der Fahrzeuge zeigten „erhebliche“ oder gar „gefährliche“ Mängel und bekamen keine Plakette zugeteilt.
  • 12,3 Prozent (Vorjahr: 11,5 %) bestanden die Hauptuntersuchung mit „geringen Mängeln“.
  • 66,1 Prozent (Vorjahr: 67,9 %) waren „ohne Mängel“.
  • Das Auto mit der niedrigsten Mängelquote insgesamt ist der gerade ausgelaufene Mazda 2 (2,9 % bei den 2- bis 3-Jährigen).
  • Die höchste Mängelquote in dieser Altersklasse zeigt der Tesla Model Y mit 17,3 Prozent.

Starker Anstieg der Mängelquote mit dem Fahrzeugalter

Insgesamt sind 27,4 Prozent des Fahrzeugbestands schon über 15 Jahre alt, und offensichtlich sparen viele Halter älterer Autos an der nötigen Wartung. Laut einer Auswertung des TÜV-Verbands steigt die Mängelquote ab einem Fahrzeugalter von acht Jahren schnell an; dieser Anstieg flacht aber bei höheren Fahrzeugaltern (ab 16 Jahren) wieder ab.

Wenig überraschend nutzte der TÜV-Verband die Gelegenheit zur erneuten Forderung, die „Vorschläge der EU-Kommission faktenbasiert und sachgerecht prüfen und europaweit einheitliche Mindeststandards für Prüfintervalle älterer Fahrzeuge (zu) definieren“. Obwohl nicht explizit ausgesprochen, dürfte sich dahinter der bekannte Wunsch nach einer jährlichen Hauptuntersuchung für ältere Fahrzeuge verbergen. Zur sachlichen Untermauerung führt der TÜV-Verband aktuell zusammen mit einer Hochschule eine wissenschaftliche Untersuchung von 5.000 Unfallfahrzeugen durch, um den Einfluss technischer Mängel auf die Unfallursache zu evaluieren. Ergebnisse sollen Anfang 2026 vorliegen.

E-Autos nicht prinzipiell besser oder schlechter als der Durchschnitt

Mit dem zunehmenden Bestand an Elektroautos werden auch die Aussagen über ihre Langzeitqualität immer valider. Im aktuellen TÜV-Report sind unter 110 untersuchten Fahrzeugmodellen im Alter von zwei bis drei Jahren immerhin 18 Stromer. Zwei von ihnen (Mini Cooper SE und Audi Q4 E-tron) schafften es in die Top Ten, der Rest verteilte sich relativ gleichmäßig über das Feld. Das zeigt: Die Einflüsse des E-Antriebs auf Achsen und Bremsen ist zwar gegeben, kann aber durch geeignete konstruktive Vorsorge ausgeglichen werden.

Überraschend ist vor diesem Hintergrund allerdings das stark differierende Abschneiden der Modelle aus dem Volkswagen-Konzern: Während der Audi Q4 E-Tron mit 4,0 Prozent auf Platz 8 der Gesamtliste landet und Volkswagen ID 3 (5,5 %) und ID 4/5 (6,1 %) im Mittelfeld, findet sich der beliebte Skoda Enyaq mit 9,1 Prozent nur auf Platz 94 unter 110 Modellen wieder.

Andererseits bleibt mit Tesla ausgerechnet der Elektromobilitäts-Pionier schlechthin am Ende der Gesamtliste. Das Model Y löste seinen Zwilling Model 3 im aktuellen Untersuchungszeitraum als Mängelriese ab. Das SUV weist mit 17,3 Prozent die höchste Durchfallquote in diesem Alterssegment der letzten zehn Jahre auf. Damit entspricht sein technischer Zustand beispielsweise dem eines VW Touareg im Alter von zwölf Jahren. Die Mängel sind immer die gleichen: Achsaufhängungen, Bremsscheiben und Beleuchtung. Und da Tesla keine regelmäßige Wartung vorschreibt, gehen viele Fahrzeugbesitzer offenbar unvorbereitet zur HU.

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Übrigens: Mittlerweile gibt es auch schon für einige Stromer Ergebnisse zur zweiten HU nach vier bis fünf Jahren. Auch hier ist Tesla (Model 3 mit 21,0 Prozent) negativer Spitzenreiter. Bester älterer Elektriker ist der Opel Corsa 3 mit 5,0 Prozent.

BMW fällt im Vergleich zur Premiumkonkurrenz ab

Der TÜV-Report untermauert zudem die immer noch hohe Qualität des deutschen Automobilbaus. Modelle von Volkswagen oder Mercedes-Benz schaffen auffällig viele Segmentsiege. Etwas mehr Sorgen muss sich allerdings BMW machen: In den Altersklassen 4 bis 5 und 8 bis 9 Jahre landen Münchener Modelle auf dem letzten Platz. Ein Grund dafür: Mehrere BMW-Modelle verfügen über eine aktive Motorhaube, die den Schutz von Fußgängern bei einem Aufprall verbessern soll. Die Dämpfer müssen alle fünf Jahre erneuert werden, was laut Joachim Bühler häufig unterbleibt. „Neben diesem Sondereffekt hat der BMW 5er überdurchschnittlich viele Mängel an den Kardanwellen, bei der Abgasuntersuchung sowie zum Teil an Federn und Dämpfern“, ergänzt Bühler.

Erstmals erhob der Verband zudem eine Auswertung über die Langzeitqualität ganzer Marken und kürte den „Sieger Langzeitqualität“. Dafür wurde der Hersteller gesucht, der bei den 10 bis 11 Jahre alten Fahrzeugen im Schnitt aller im TÜV-Report vertretenen Modelle die niedrigste Quote an sicherheitsrelevanten erheblichen Mängeln hat . Sieger ist in diesem Jahr Mercedes mit einer durchschnittlichen Mängelquote in dieser Altersklasse von 18,5 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei landen Audi (19,2 %) und Toyota (22 %). BMW schaffte es in dieser Auswertung mit 25,1 Prozent nur auf den 10. Platz.

Weiterentwicklung der HU in Richtung E-Antrieb und Fahrerassistenzsysteme

Verbandsgeschäftsführer Bühler nutzte die Präsentation auch, um über die technische Weiterentwicklung der HU zu sprechen. Dabei stehen zwei Themen im Mittelpunkt:

  • die Sicherheit von E-Autos, vor allem in Bezug auf die Hochvoltbatterie,
  • die digitale Weiterentwicklung der HU.

Bei E-Autos wird die Batterie aktuell nur einer Sichtprüfung unterzogen. Wenn es nach dem TÜV-Verband geht, sollen Prüfingenieure zukünftig aber auch elektronischen Zugang zum Batteriemanagementssystem bekommen, um beispielsweise Innenwiderstand und Potenzialausgleich überprüfen zu können.

Der Zugang zu den Fahrzeugdaten ist auch essenziell, um festzustellen, ob in dem Fahrzeug die zugelassene Software in der korrekten Version aktiv ist. Auch verspricht man sich davon, Zustand und Funktion der Fahrerassistenzsysteme bewerten zu können. Die Kosten für die Hauptuntersuchung sollen durch diese zusätzlichen digitalen Prüfpunkte übrigens nicht steigen, sagte Bühler auf eine entsprechende Nachfrage hin.

Ergänzend setzt sich der Verband für ein nationales digitales Fahrzeugregister ein, in dem Fahrzeughistorien, Halterwechsel und alle sicherheits -und umweltrelevanten Änderungen dokumentiert werden. Bühler: „Ein digitales Fahrzeugregister würde Bürgern und Behörden Prozesse erleichtern und zugleich Manipulationen und Betrugsversuche deutlich erschweren.“

Für den TÜV-Report 2026 wurden 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen von Pkw ausgewertet, die von den TÜV-Prüfstellen in der Zeit vom 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025 durchgeführt wurden. Untersucht wurden für den aktuellen TÜV-Report 216 verschiedene Fahrzeugtypen, darunter 18 reine Elektrofahrzeuge.

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