Euro-NCAP EU-Crashtest für Assistenzsysteme

Von Thomas Günnel 4 min Lesedauer

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Euro-NCAP hat neue Prüfkriterien entwickelt, die für Assistenzsysteme gelten. Zwei Modelle von BMW und Zeekr erhielten bereits fünf Sterne.

Euro-NCAP hat neue Prüfkriterien entwickelt – zwei E-Autos haben bereits fünf Sterne im neuen Testverfahren erhalten. (Bild:  Euro-NCAP)
Euro-NCAP hat neue Prüfkriterien entwickelt – zwei E-Autos haben bereits fünf Sterne im neuen Testverfahren erhalten.
(Bild: Euro-NCAP)

Euro NCAP hat neue Bewertungskriterien für Tests der Fahrzeugsicherheit vorgestellt. Laut der Organisation ist es die umfassendste Überarbeitung des Test- und Bewertungssystems seit Jahren. Relevant sind jetzt unter anderem intuitive und effektive Fahrerassistenzsysteme. Die höheren Maßstäbe gelten in vier Kategorien:

  • Sicheres Fahren: Wie gut unterstützt das Fahrzeug Fahrer und Passagiere und trägt zu einem sichereren Fahrerlebnis bei?
  • Unfallvermeidung: Wie effektiv kann das Fahrzeug Gefahren erkennen und dazu beitragen, einen Unfall zu verhindern oder dessen Folgen zu mildern?
  • Aufprallschutz: Wie gut schützen die Fahrzeugstruktur, die Airbags und die Rückhaltesysteme die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer?
  • Nach dem Unfall: Können die Fahrzeugkonstruktion und die bordeigenen Systeme die Rettungskräfte dabei unterstützen, die Rettung der Fahrzeuginsassen zu verbessern?

Die beiden ersten Fahrzeuge mit einer Bewertung von fünf Sternen gibt es bereits: den neuen BMW iX3 und den Zeekr 7GT.

Testergebnisse BMW iX3

Der BMW iX3 50 X-Drive der „Neuen Klasse“ „lieferte in allen Phasen der Bewertung eine herausragende Leistung und ist möglicherweise das bisher sicherste Auto von BMW“, teilt Euro-NCAP mit. In der Kategorie „Sicheres Fahren“ gab es Lob für die separaten physischen Bedienelemente für Blinker, Warnblinker, Hupe, Scheinwerfer und Gangwahl.

Die Fahrerüberwachung erwies sich laut der Prüfer als effektiv beim Erkennen von physiologischer Müdigkeit und Beeinträchtigung des Fahrers. Gegenüber kurzfristiger visueller Ablenkung zeigte das System eine geringere Sensibilität. Während einer 2.000 Kilometer langen Praxiserprobung in Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich erkannte die Geschwindigkeitsbegrenzungs-Assistenzfunktion in 86 Prozent der Fälle Schilderwechsel korrekt und deckte dabei 97 Prozent der gefahrenen Strecke ab. Die Innenraumüberwachung des iX3 kann Insassen klassifizieren. Nicht erkennen kann das System eine falsche Sitzposition des Beifahrers oder einen falsch angelegten Sicherheitsgurt.

BMW iX3: Unfälle vermeiden

Die Systeme zum Vermeiden von Unfällen schnitten hervorragend ab. Der autonome Notbremsassistent übertraf die neuen Euro-NCAP-Anforderungen deutlich. Das System zeigte gute Minderungsfähigkeiten bei Kollisionen zwischen Fahrzeugen, beim Abbiegen an Kreuzungen und bei Motorradunfällen. Der Schutz von Fußgängern und Radfahrern war exzellent, und auch die Spurhalteassistenten funktionierten laut Euro-NCAP einwandfrei.

Beim Crash-Schutz erzielte der iX3 in allen Seitenaufpralltests die Höchstpunktzahl. Dazu trug ein serienmäßiger Mittelairbag bei, der ein Aufprallen zwischen den Insassen verhindert. Frontalaufpralltests mit versetzter Frontalaufprallfront zeigten einen guten bis ausreichenden Schutz für alle Erwachsenengrößen, einschließlich der kleinen weiblichen Testpuppe auf dem Beifahrersitz.

Im Gesamtergebnis vergaben die Prüfer für den iX3 nicht die volle Punktzahl, da der Brustschutz des Fahrers mit 85 Prozent nur mäßig erfolgreich war. Für den Schutz der beiden hinten sitzenden Kinder-Testpuppen vergab Euro-NCAP die Höchstpunktzahl. In der Kategorie „nach einem Unfall“ erhielt das Modell 95 Prozent.

Das integrierte Notrufsystem koordiniert laut der Prüfer zuverlässig die Einsätze der Rettungskräfte. Die elektrische Hochvoltarchitektur gewährleistete eine einwandfreie Batterietrennung. Alle elektrisch betätigten Türgriffe blieben nach dem Aufprall ausgefahren und voll funktionsfähig. Zusätzlich gibt es eine leicht zugängliche manuelle Notentriegelung.

Testergebnisse Zeekr 7GT

Der Zeekr 7GT Privilege AWD demonstrierte laut Euro-NCAP leistungsstarke Softwareintelligenz und eine ausgezeichnete strukturelle Crashsicherheit. Beim sicheren Fahren verfügt das Modell über ein hochentwickeltes Fahrerüberwachungssystem. Es erhielt Bestnoten für das Erkennen akuter visueller Ablenkung und von Müdigkeit und Schläfrigkeit.

Das System umfasst Sensoren, die die falsche Verwendung des Beckengurts erkennen, und einen manuellen Deaktivierungsschalter für den Beifahrerairbag für rückwärtsgerichtete Kindersitze. Zusätzlich ist eine serienmäßige Belegungserkennung des Kindersitzes vorhanden, die Umstehende alarmiert, falls ein Kind im Fahrzeug zurückgelassen wird.

Viele Funktionen des 7GT werden über einen zentralen Touchscreen bedient, statt mittels physischer Schalter und Tasten. Das führte zu einer schlechten Bewertung der allgemeinen Fahrzeugbedienung. Auf 2.000 Kilometern Fahrt durch Spanien und Frankreich erkannte der Geschwindigkeitsassistent 79 Prozent der Schilder korrekt. Das entspricht 89 Prozent der zurückgelegten Gesamtstrecke.

Zeekr 7GT: Unfälle vermeiden

Beim Vermeiden von Unfällen erhielt das Modell 89 Prozent. Die aktiven Sicherheitsassistenzsysteme reagierten laut der Prüfer zuverlässig und funktionierten einwandfrei. Der Notbremsassistent arbeitete in einer Reihe typischer Risikosituationen nahezu fehlerfrei und minimierte die Risiken von Frontal-, Rückwärts- und Kreuzungsunfällen.

Das integrierte System zum Verhindern des Öffnens von Autotüren warnte die Insassen erfolgreich davor, Türen in Richtung herannahender Radfahrer zu öffnen. Der Crashschutz überzeugte die Prüforganisation. Höchstpunktzahlen gab es für Seitenaufpralltests mit beweglicher Barriere, Seitenpfosten und für den Schutz von nebeneinander sitzenden Insassen, was unter anderem auf die Konfiguration des Mittelairbags zurückzuführen ist.

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Frontalaufpralltests mit versetzter Aufprallzone ergaben einen guten bis ausreichenden Schutz für Erwachsene und Bestnoten für Kinderdummys im Fond. Bei der Sicherheit nach einem Crash vergaben die Prüfer ebenfalls 95 Prozent. Sie überzeugte die automatische Hochspannungstrennung, die automatische Türverriegelung und ein hervorragendes Aufprallenergiemanagement. Die manuellen Türgriffe blieben unbeschädigt und ließen sich in allen Tests öffnen. Punktabzug gab es lediglich, weil die TPS-E-Call-Funktion nicht die Höchstpunktzahl erreichte. TPS steht für „Third-Party-Supported E-Call“, Zusatzdienste der Autohersteller neben dem offiziellen E-Call.

Wieso gibt es neue Prüfkriterien?

Euro NCAP hat neue Protokolle eingeführt als Reaktion auf das Feedback von Verbrauchern und wegen neuer technischer Möglichkeiten. „Die Fünf-Sterne-Bewertungen des BMW iX3 und des Zeekr 7GT zeigen, dass Autohersteller Modelle produzieren können, die auf vielen Ebenen sicher sind – von der einfachen, aber wichtigen Integration physischer Schalter und Knöpfe bis hin zur Art und Weise, wie sich die Fahrerassistenzsysteme auf den Fahrer einstellen und nicht mit ihm im Widerspruch stehen“, beschreibt Euro-NCAP.

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