Wenige Premieren Freizeitmesse CMT ist von der Normalität noch weit entfernt

Quelle: sp-x

Deutschlands zweitwichtigste Messe für Wohnmobile und Caravans finden nach zwei Corona-bedingten Absagen wieder live statt. Allerdings ist der Zeitpunkt ungünstig, da die Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen immer noch stark unter Lieferproblemen zu leiden haben. Das zeigt sich auch an den Ausstellungsobjekten.

Das Startup Kuckoo will mit dem Squaredrop Camper „Bruno“ das Beste aus Wohnmobil, Zelt und Van in einem nachhaltigen, komplett aus Holz bestehenden 750-Kilo-Anhänger mit 2,00 x 1,40-Meter-Schlafbereich und kleiner, ausziehbarer Küche vereinen.
Das Startup Kuckoo will mit dem Squaredrop Camper „Bruno“ das Beste aus Wohnmobil, Zelt und Van in einem nachhaltigen, komplett aus Holz bestehenden 750-Kilo-Anhänger mit 2,00 x 1,40-Meter-Schlafbereich und kleiner, ausziehbarer Küche vereinen.
(Bild: Kukoo)

Nach den Corona-bedingten Absagen in den vergangenen beiden Jahren freut sich die Stuttgarter Messeleitung, erstmals seit 2020 wieder ein Live-Publikum auf der Urlaubsmesse CMT (Caravaning, Motor, Touristik) vom 14. bis 22. Januar begrüßen zu können. Die nach eigenen Angaben weltgrößte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit hatte sich vor der Pandemie mit dem Schwerpunkt Reisemobil und Wohnwagen zur wichtigsten Ausstellung der Caravaning-Branche nach dem Düsseldorfer Caravan-Salon entwickelt, und daran soll nach den aus der Corona-Not geborenen, unbefriedigenden Online-Alternativen jetzt wieder angeknüpft werden. Zurück zur Normalität also. Doch geht das?

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Bei den Herstellern zumindest kann von Normalität noch keine Rede sein. Obwohl die Auftragsbücher allerorten gut gefüllt sind, brachen erstmals seit über einem Jahrzehnt die Neuzulassungen für Reisemobile im vergangenen Oktober im zweistelligen Prozentbereich ein. Fast 27 Prozent im Monatsergebnis, 17,6 Prozent im Jahreszeitraum. Nach ähnlich ernüchternden Zahlen im November und Dezember wird der Caravaning Industrie-Verband (CIVD) wohl bei seiner Jahresbilanz, die er traditionell in der CMT-Woche veröffentlicht, ein dickes Minus verkünden müssen. Nach elf Rekordjahren hintereinander!

Auf den ersten Blick scheint der Bereich Wohnwagen mit einem Zulassungsrückgang von voraussichtlich nur knapp einem Prozent deutlich glimpflicher davongekommen zu sein. Allerdings hatten die Caravans ihr Waterloo schon 2021 mit einem 15-prozentigen Absturz erlebt und profitierten bei dem moderateren Minus in diesem Jahr von dem Umstand, dass es bei den nicht angetriebenen Wohnanhängern keine so heftigen Fahrgestell-Lieferengpässe gibt wie bei den Reisemobilen.

Der dortige Chassis-Mangel, gerade beim bis dato dominanten Marktführer Fiat extrem ausgeprägt, stellt tatsächlich immer noch das größte Problem für die Hersteller dar. Teilweise musste die Produktion zuletzt auf das Niveau des ersten Pandemiejahres zurückgefahren werden, als es Kurzarbeit gab oder die Bänder gar gänzlich stillstanden. Und das alles, obwohl die Auftragsbücher noch gut gefüllt sind.

Wenig echte Premieren

Die Folgen der jüngsten Entwicklung werden in den Stuttgarter Messehallen deutlich spürbar. 1.200 Freizeitfahrzeuge in sieben Hallen bieten dem Publikum zwar einen exzellenten Überblick über die Vielfalt in der Caravaning-Szene, echte Produkt-Premieren sind allerdings rar. Immerhin hat Space-Camper, der größte externe Ausbaupartner von Volkswagen, für die CMT ein völlig neues Raumkonzept angekündigt, und zudem wollen die Tüftler aus Darmstadt eine neuartige Methode für eine Art Fahrrad-Camper präsentieren. Hannes-Camper, ein noch junger, aber schon etablierter Wohnmobil-Vermieter, wagt den nächsten Schritt zum Hersteller und zeigt in Stuttgart erstmals seine in Slowenien produzierten Kastenwagen „Hannes“ und „Großer Hannes“.

Dethleffs verspricht eine Reisemobil-Premiere und bei Ahorn, dem auf Renault-Ausbauten spezialisierten Hersteller aus Speyer, wird das zweite Produkt aus der Kooperation mit dem Fahrzeug-Veredler Irmscher zu sehen sein: eine sportliche Sonderedition des Van 620 – mit dem rund 6.000 Euro teuren Irmscher-Paket (Spoiler, LM-Felgen, Sonderbeklebung und mehr) steigt der Komplettpreis des Renault-Master-Campers auf etwa 80.000 Euro. Doch ausgerechnet die Nutzfahrzeugsparte von Mercedes-Benz, die in Stuttgart ja eigentlich ein Heimspiel hätte und mit dem gerade erst der Presse vorgestellten, vollelektrischen Microcampers EQT Marco Polo ein echtes Highlight aufzubieten hätte, fehlt diesmal in den Messehallen.

Dafür ist – ebenfalls eine Folge der Lieferprobleme - das Spektrum an Basisfahrzeugen wesentlich breiter gefächert. Auf der Suche nach Ducato-Alternativen tauchen immer mehr Mercedes Sprinter, Ford Transits oder – trotz Baugleichheit mit Fiat - auch Citroën Jumper auf. Selbst der VW Crafter ist jetzt, zum Beispiel bei Hobby als einem der ganz Großen der Caravaning-Branche, verstärkt gefragt. Und dass sich die Knaus-Tabbert-Gruppe als weiteres Schwergewicht unter den Herstellern nunmehr auch als externer Ausbauer des VW T6.1 betätigt, hat viele schon auf dem Caravan-Salon überrascht.

Beide mit innovativen Ideen entstandenen Bulli-Varianten sind in Stuttgart zu sehen: Der Tourer Van ist ein kompakter Teilintegrierter mit einer neuartigen, variablen Bad-Bettlösung ab rund 66.000 Euro. Der Tourer CUV, irgendwo zwischen Campingbus und Teilintegriertem angesiedelt, besitzt als markantes Erkennungsmerkmal ein über die gesamte Fahrzeuglänge parallel nach oben fahrendes Hubdach, dessen Mechanik noch einmal verbessert wurde. Dennoch handelt es sich noch immer um eine CUVision genannte Studie. Die Serienversion soll aber noch im ersten Halbjahr fertig sein – vermutlich mit einem Startpreis zwischen 75.000 und 80.000 Euro.

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Wie die Bajuwaren beschränken sich auch die meisten anderen Reisemobil-Hersteller darauf, ihre Düsseldorfer Neuheiten ein weiteres Mal in den Mittelpunkt zu rücken. Das gilt für Hymer mit dem außergewöhnlichen Allrad-Sprinter-Ausbau Venture S samt Heckbalkon und Aufstelldach mit Panoramablick für stolze 225.000 Euro ebenso wie für das Neuheiten-Feuerwerk bei Bürstner. Das reicht vom Lyseo Gallery mit aufblasbarem Alkoven bis zum Urban Camper „Playa“ auf Renault-Trafic-Basis.

Trend zu kompakten Fahrzeugen

Das Gros der Ausstellungsobjekte bedient natürlich, ob Neuheit oder nicht, den anhaltenden Trend bei der potenziellen Kundschaft: Kompakte Fahrzeuge sind gefragt. Kastenwagen, Vans, Campingbusse und immer häufiger einfache Camper-Varianten ohne Toilette oder noch spartanischer ausgestattete Hochdachkombis als Freizeitmobil. Das mag freilich auch eine Frage der aufgrund der Inflation immens gestiegenen Preise sein. Schließlich sind selbst halbwegs ordentlich bestückte Kastenwagen kaum noch unter 50.000 Euro zu haben.

Ob eine ähnliche Tendenz demnächst auch bei den Wohnanhängern zu registrieren ist, bleibt abzuwarten. Zwei noch junge Unternehmen präsentieren in Stuttgart zumindest ihre Ideen dazu. Farfalla zeigt mit dem Camper Beach Chair die neueste Variante seines „Campingbusses zum Anhängen“ auf Basis eines Kofferanhängers, bei dem die komplette rechte Seite sich wie eine Panoramaklappe öffnen lässt. Und das Startup Kuckoo will mit dem Squaredrop Camper (quadratischer Mini-Wohnwagen) „Bruno“ das Beste aus Wohnmobil, Zelt und Van in einem nachhaltigen, komplett aus Holz bestehenden 750-Kilo-Anhänger mit 2,00 x 1,40-Meter-Schlafbereich und kleiner, ausziehbarer Küche vereinen. Kostenpunkt ab knapp 18.600 Euro.

Definitiv noch weit davon entfernt, ein Trend zu werden, ist das Thema Elektromobilität. Da gibt es bestenfalls erste zaghafte Versuche wie etwa ein Poessl Vanster auf Basis eines vollelektrischen Citroën Spacetourers oder ein VW T7-Ausbau von Reimo zumindest als Plug-in-Hybrid. Die Serienversion des elektrischen Knaus-Teilintegrierten lässt wohl auch noch länger auf sich warten.

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