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ZKF Kritischer Blick in die Zukunft

| Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

In seiner traditionellen Grundsatzrede beleuchtete ZKF-Präsident Peter Börner die Gefahren für die Branche, die sich durch aktuelle Entwicklungen ergeben. Insbesondere rief er die Betriebe auf, sich stärker in der Ausbildung zu engagieren.

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ZKF-Präsident Peter Börner warf einen kritischen, aber auch zufriedenen Blick in die Zukunft der Branche.
ZKF-Präsident Peter Börner warf einen kritischen, aber auch zufriedenen Blick in die Zukunft der Branche.
(Bild: Wenz)

Rund 400 Teilnehmer begrüßte ZKF-Präsident Peter Börner heute zum 70. Bundesverbandstag des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik in Regensburg. Traditionell startete die Veranstaltung mit der Grundsatzrede des Präsidenten. Börner, der am Vormittag erneut zum ZKF-Präsidenten gewählt wurde. Er griff die brennenden Themen der Branche auf.

Zunächst stellt er allerdings die Frage: „Wer sind wir liebe Kolleginnen und Kollegen?“, und beantwortete sie gleich selbst: Der Verbandspräsident sieht seine Branche nicht als Knechte der Speditionen und Versicherungen, sondern vielmehr als stabilen und verlässlichen Mittelstand,

  • der tausende von individuellen Nutzfahrzeugen baut,
  • Millionen von Unfällen fachgerecht repariert,
  • und krisenfest in der Wirtschaft steht.

„3.500 Betriebe, die 45.000 Mitarbeiter beschäftigen, 8.000 Lehrlinge ausbilden und 6.5 Milliarden Euro Umsatz machen, Steuerzahler, Dienstleister und qualifiziertes Handwerk“, zählte Börner auf. Die Branche müsse sich nicht gegenseitig unterbieten oder sich von einigen großen Auftraggebern Vorschriften machen lassen. Auch willkürliche Abzüge der Leistungen müsse sich niemand gefallen lassen genauso wenig wie Einschüchterungen.

Die im Verband organisierten Betriebe seien ein wichtiger Teil der deutschen Wirtschaft und des Handwerks, unverzichtbarer Partner der Speditionen und Versicherungen und nur deshalb gut aufgestellt, weil sie im Eigentum reale Wirtschaft betreiben würden und soziale Verantwortung übernehmen. Die Betriebe würden unternehmerisch Handeln und Entscheiden und sich jeden Tag dem Wettbewerb stellen.

Allerdings führte Börner auch einige kritische Punkte zur Branche an: Rückläufige Azubizahlen wiesen einen anderen Weg auf:

„Heute keine Auszubildenden, morgen keine Gesellen, übermorgen keine Meister. Meister, die Lehrlinge ausbilden und damit unseren Beruf erhalten sollten“, skizzierte der Präsident. Ein Blick zu den vielen ausgestorbenen Handwerksberufe beweise diese Wegbeschreibung und die Tatsache, dass die Branche eine starke fachliche und politische Berufsvertretung wie den ZKF brauche.

Dabei sei es nicht hilfreich, wenn sich die einzelnen Nachbarberufe gegenseitig bekämpfen würden. Zu den nachbarberufen zählt Börner beispielsweise Kfz-Mechatronik, Metallhandwerk, Caravan-Hersteller und nicht zuletzt Fahrzeuglackierer. „Wir alle haben eigene Kernkompetenzen, die es zu erhalten und nicht abzusprechen gilt“, so Börner.

Gefahr drohe seitens der EU: Diese arbeite an der vollständigen Liberalisierung des Handwerks in Europa. In Österreich wurde über die Wirtschaftskammer die „Fusionierung“ der Autoberufe angeordnet, in den Ländern England und Belgien sieht es ebenso aus. In den weiteren Ländern der EU gibt es keine Berufsordnung, jeder mache, von dem er glaube, dass er es kann.

Ideelle Fachverbände suche man vergebens, deshalb müsse man die Gene der Karosserie- und Fahrzeugbauer erhalten, indem man dem zusehenden Einfluss der Politik und des Marktes entgegenwirken und uns gemeinsam so aufstellen, dass eine von außen wirkende Kraft keinen Ansatzpunkt hat.

Die Auftragslage in den beiden Branchen Neubau und Reparatur sei sehr gut, führte Börner weiter aus.Die Vorlaufzeiten von teilweise mehreren Wochen bestätigten die gute Auslastung.

Wirtschaftlich sehe die Situation aber völlig anders aus, sagte Börner. Im Neubau müssten die Betriebe konkurrenzfähig bleiben, leider würden hier aber Preise geboten, die zu niedrigen Stundensätzen führten und das bei steigenden Löhnen und Fachkräftemangel.

„2,3Prozent operatives Ergebnis vor Steuer, Investition und Abschreibung erwirtschaftetet die Neubaubranche im vergangenen Jahr. In der Reparatur werden wir von den großen Auftraggebern so beeinflusst, dass eine Kalkulation der eigenen Kosten völlig in den Hintergrund getreten ist“, führte Börner aus.

Die Rechnungen würden angezweifelt, sodass schon fast von Generalverdacht des Betruges die Rede sein müsse. „Außenstehende diktieren unsere Gewinne vor dem Hintergrund der eignen Gewinnoptimierung oder: Weil Versicherungspolicen europaweit gesehen in Deutschland „verramscht“ werden, muss das Handwerk im Land die Suppe auslöffeln“, erklärte Börner.

Mehr zur Grundsatzrede und allen anderen Vorträgen erfahren Sie in der nächsten Ausgabe der »Fahrzeug+Karosserie«

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