Schadenmanagement Luft nach oben

Von Malika Matkarimova 2 min Lesedauer

Die eigentliche Reparatur am Fahrzeug ist oft nicht der teuerste Teil eines Schadens. Auf der Automechanika diskutierten Experten, wie sich Prozesskosten im Schadenmanagement künftig senken lassen.

Uneinheitliche Interessen von Herstellern, Handel und Versicherern erschweren laut Fachpanel eine effiziente Schadenbearbeitung. (Bild:  VDIK)
Uneinheitliche Interessen von Herstellern, Handel und Versicherern erschweren laut Fachpanel eine effiziente Schadenbearbeitung.
(Bild: VDIK)

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) hat auf der Automechanika beim Fachpanel „Potenziale im Schadenmanagement" auf ungenutzte Einsparmöglichkeiten im Karosserie- und Lackgeschäft hingewiesen. Als Lösungsansatz nannten die Diskussionsteilnehmer eine bessere Verknüpfung von Fahrzeug-, Reparatur- und Schadendaten sowie eine engere Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren der Reparaturkette. „Im Schadenmanagement können wir erhebliche Potenziale heben – bei den Prozessen ebenso wie bei der Effizienz. Dafür müssen wir die technischen Möglichkeiten konsequenter nutzen und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Reparaturkette verbessern", betonte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé.

Wo genau diese Potenziale liegen, erläuterte Berater Karsten Crede (Crede Consulting) genauer. Laut Crede treiben die Prozesskosten neben den reinen Reparaturaufwendungen den Druck auf die Versicherungsprämien stetig in die Höhe. Da Industrie, Werkstätten und Versicherer oftmals unterschiedliche Interessen verfolgten, mahnte der Experte an: „Die Selbstoptimierung einzelner Akteure kann die Effizienz des Gesamtsystems beeinträchtigen.“. Er plädierte für einheitliche Ziele, Kennzahlen und eine gemeinsame Datengrundlage aller Beteiligten. Konkretes Einsparpotenzial sieht er in einem intelligenten Teilemix, dem verstärkten Einsatz von „Repair-first"-Konzepten, effiziente Werkstattnetzen sowie langfristige Teilekonditionen.

Über das Potenzial vernetzter Fahrzeuge sprach Julian Burkhardt von Volkswagen Group Info Services (GIS). Moderne Sensorik zeichne bereits im Moment eines Unfalls wichtige Daten auf. „Die technischen Rahmenbedingungen sind Realität. Die Lücke zwischen dem technisch Möglichen und der operativen Nutzung wächst jedoch kontinuierlich", warnte Burkhardt. Künftig könnten vernetzte Plattformen helfen, Schäden zügiger zu bewerten und administrative Abläufe teilweise zu automatisieren.

Für Michael Nöldge von Dekra entscheidet vor allem der Schadenfall selbst über die langfristige Kundenbindung. „Der Kunde bewertet das Gesamtergebnis und nicht einzelne Prozessschritte", so Nöldge. Deshalb komme es auf ein reibungslos funktionierendes Zusammenspiel zwischen Autohaus, Gutachter, Anwalt und Versicherung an – schließlich könne die Erfahrung nach einem Unfall maßgeblich beeinflussen, ob Kunden ihrer Marke treu blieben.

Gleichzeitig verändern die Sensoren die handwerkliche Arbeit im Karosseriebetrieb. Dr. Christoph Lauterwasser vom Research Council for Automobile Repairs (RCAR) thematisierte diese technische Komplexität aktueller Fahrzeuge. Zwar verhinderten Assistenzsysteme bereits einen Großteil kleinerer Unfälle – bei Parkrempeln liege die Quote durch Notbremssysteme bei bis zu 66 Prozent. Komme es trotzdem zum Schadensfall, seien häufig nicht nur äußerlich sichtbare Teile, sondern auch Sensorik und weitere Komponenten betroffen. Umso wichtiger werde die differenzierte Entscheidung, welche Bauteile sich reparieren lassen und wo ein Austausch unumgänglich ist.

Die Diskussionsrunde zeigte übereinstimmend: An den technischen Voraussetzungen mangelt es nicht. Entscheidend sei nun, Daten, Prozesse und die beteiligten Akteure enger zu verzahnen – und den Mehrwert vernetzter Schadenbearbeitung anhand konkreter Beispiele aus der Praxis zu demonstrieren. „Wir haben die Technologie, die Daten und das Know-how. Jetzt müssen wir diese Potenziale gemeinsam in die Praxis bringen. Wenn wir die Reparaturkette als Gesamtsystem betrachten, profitieren Versicherer, Werkstätten und Hersteller – vor allem aber die Kunden", so Labbé.

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