Automotive Coalition for Europe Neue Interessenvertretung wirbt für mehr politische Unterstützung des Aftermarket

Von Christian Otto 2 min Lesedauer

Mit der Kampagne „We Drive EU“ will die Automotive Coalition for Europe die EU-Politik auf die hohe Relevanz des automobilen Aftermarket hinweisen. Koalitionspartner wie die AIRC sehen in dem Sektor eine Schlüsselrolle für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg Europas.

Die Automotive Coalition for Europe richtete in Brüssel klare Erwartungen an die EU-Politik. Der Automobil-Aftermarket muss als strategisch entscheidende Säule der europäischen Industrie behandelt werden.(Bild:  Automotive Coalition for Europe)
Die Automotive Coalition for Europe richtete in Brüssel klare Erwartungen an die EU-Politik. Der Automobil-Aftermarket muss als strategisch entscheidende Säule der europäischen Industrie behandelt werden.
(Bild: Automotive Coalition for Europe)

Die neue Automotive Coalition for Europe hat am 9. Juni in Brüssel offiziell ihre europaweite Sensibilisierungskampagne „We Drive EU“ vorgestellt. Damit fordert sie die EU-Politik auf, den Automobil-Aftermarket als strategische Säule für die industrielle Zukunft Europas anzuerkennen.

Bei der hochkarätig besetzten Veranstaltung betonten politische Entscheidungsträger und Branchenvertreter die Schlüsselrolle des Sektors für die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit Europas – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen automobil- und industriepolitischen Agenda der EU.

ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm vertrat die Interessen der AIRC vor Ort.(Bild:  Automotive Coalition for Europe)
ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm vertrat die Interessen der AIRC vor Ort.
(Bild: Automotive Coalition for Europe)

Sylvia Gotzen, CEO von FIGIEFA, eröffnete die Veranstaltung mit beeindruckenden Zahlen: „Mit einem Marktvolumen von 236 Milliarden Euro sorgt der Aftermarket dafür, dass über 285 Millionen Fahrzeuge in Europa einsatzbereit bleiben. Er sichert 3,2 Millionen Arbeitsplätze und unterstützt 900.000 Unternehmen auf dem gesamten Kontinent.“

Ein innovativer Aftermarket sei für die industrielle Stärke Europas unerlässlich. Durch Wartung, Reparatur und Modernisierung wird der gesamte Lebenszyklus von Fahrzeugen begleitet, was Innovationen fördert und ein wettbewerbsfähiges Marktumfeld sichert.

„Es gibt jedoch keine Wettbewerbsfähigkeit ohne Wettbewerb“, betonte Stéphane Antiglio, Präsident von Parts Holding Europe. Er hob hervor, dass die Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (Kfz-GVO bzw. MVBER) zwingend beibehalten und an den technologischen Wandel angepasst werden müsse.

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Ein weiteres Kernthema war die Nachhaltigkeit. Durch Reparatur und Wiederaufbereitung leistet der Sektor einen wesentlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und hilft, Abfälle und Emissionen zu reduzieren.

Paulius Saudargas, Mitglied des Europäischen Parlaments (EVP-Fraktion), warnte davor, reparierbare Fahrzeuge vorzeitig als „Altfahrzeuge“ einzustufen. Zudem forderte er bei softwaredefinierten Fahrzeugen Interoperabilität und Standardisierung durch die Europäische Kommission.

In Krisenzeiten sicherte der Aftermarket die Logistik und Lieferketten in Europa. Dr. Mark Nicklas (Europäische Kommission, GD GROW) erklärte, dass die EU-Politik darauf abzielt, das gesamte automobile Ökosystem zu stärken, wobei der Aftermarket eine zentrale Rolle für sichere und erschwingliche Mobilität spiele. Alex Erdmann vom Zulieferer Mahle bezeichnete den Aftermarket gar als „Gewinnmotor in Krisenzeiten“.

Léa Dégardin, vom französischen Ersatzteilspezialisten Mobivia und ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm, der die Association Internationale des Réparateurs en Carrosserie (AIRC) vor Ort vertrat, unterstrichen zudem die Bedeutung des „Rechts auf Reparatur“. Ein fairer Zugang zu Fahrzeugdaten, Reparaturinformationen und Teilekodierungen ab dem ersten Tag sei für unabhängige Werkstätten überlebenswichtig.

Bezahlbare Mobilität für alle

Da 82 Prozent des Personenverkehrs in der EU auf dem Auto basieren, ist der Erhalt bezahlbarer Mobilität von höchster Bedeutung. Dr. Daniel John, Vorstand Produkt und Aktuariat bei der HUK-Coburg, wies darauf hin, dass nur ein wettbewerbsorientierter Aftermarket und der Zugang zu Fahrzeugdaten faire Preise für Reparaturen und Versicherungen garantieren können.

Die Kampagne „We Drive EU“ fordert, den Aftermarket vollständig in die EU-Gesetzgebung zu integrieren. Pierre Thibaudat, Generaldirektor der Automotive Data Publishers’ Association (ADPA), fasste zusammen: „Europas automobile Zukunft wird nicht allein durch die Produktion gesichert, sondern durch die gesamte Wertschöpfungskette – und der Aftermarket ist dabei die treibende Kraft.“ (co)

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