Autorecht aktuell

Probefahrtkosten sind zu erstatten

| Redakteur: Marion Fuchs

Probefahrten können auch bei fiktiver Abrechnung geltend gemacht werden.
Probefahrten können auch bei fiktiver Abrechnung geltend gemacht werden. (Bild: Wenz)

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Das Amtsgericht (AG) Bad Oeynhausen schließt sich mit seinem Urteil vom 21.01.2019 (AZ: 24 C 92/18) den Ausführungen des Sachverständigen an, wonach die Kosten für eine Probefahrt dem Grunde nach auch bei fiktiver Abrechnung zu erstatten sind. Dabei spielt es keine Rolle, dass einzelne Werkstätten die Probefahrt nicht gesondert in Rechnung stellen. Entscheidend ist allein, ob die Probefahrt als Maßnahme zur Reparatur erforderlich ist.

Hintergrund

Die Parteien streiten um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall, für den die beklagte Haftpflichtversicherung voll einstandspflichtig ist. Im Streit stehen insbesondere die Kosten für eine Probefahrt. Der Kläger rechnet den Schaden fiktiv auf Gutachtenbasis ab.

Aussage

„Erforderlich sind diejenigen Aufwendungen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde. Wenn der Geschädigte die Höhe der für die Schadenbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann, so ist er gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadenbehebung zu wählen.

Das Gebot zu wirtschaftlich vernünftiger Schadenbegebung verlangt jedoch vom Geschädigten nicht, zu Gunsten des Schädigers zu sparen oder sich in jedem Fall so zu verhalten, als ob er den Schaden selbst zu tragen hätte. Denn in letzterem Fall wird der Geschädigte nicht selten Verzichte üben oder Anstrengungen machen, die sich im Verhältnis zum Schädiger als überobligationsmäßig darstellen und die dieser daher vom Geschädigten nicht verlangen kann.“

Selbst wenn eine Werkstatt die Kosten einer Probefahrt nicht gesondert in Rechnung stellt, gehören diese Kosten dennoch zu den ortsüblichen Kosten der Reparatur, denn sie wirken sich auf den Marktpreis der erforderlichen Maßnahme aus. Wenn sich eine Werkstatt dazu entscheidet, eine Maßnahme nicht gesondert in Rechnung zu stellen, bedeutet dies nicht, dass die Maßnahme kostenlos erledigt wird.

Wenn eine Maßnahme nicht gesondert in Rechnung gestellt wird, bedeutet dies lediglich, dass die für diese Maßnahme erforderlichen Kosten nicht gesondert ausgewiesen werden, sondern unter andere Positionen – etwa wie Arbeitszeit – fallen oder dass sie durch die anderen Einnahmen der betreffenden Werkstatt querfinanziert werden.

Die Kosten sind auch bei fiktiver Abrechnung zu erstatten, sofern ein verständiger Gutachter diese Kosten auch in seinem Gutachten prognostiziert hat.

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